ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2018Unilaterales Glaukom: Ein Progress zur bilateralen Erkrankung erfolgt häufig schon binnen 12 Monaten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Unilaterales Glaukom: Ein Progress zur bilateralen Erkrankung erfolgt häufig schon binnen 12 Monaten

Dtsch Arztebl 2018; 115(47): A-2185 / B-1802 / C-1780

Gerste, Ronald D.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Science Photo Library/John Bavosi
Foto: Science Photo Library/John Bavosi

Das Glaukom ist eine Neuropathie des Nervus opticus, wobei ein Auge meist initial betroffen ist und (progrediert) sich verschlechtert, bevor das Partnerauge (fellow eye) ebenfalls einen manifesten Glaukomschaden – einen Gesichtsfeldausfall – aufzuweisen beginnt. Die einsetzende Bilateralität bringt für die Patienten oft einen beträchtlichen Verlust an visueller Funktion und Lebensqualität: Während ein Gesichtsfeldverlust von 5 Dezibel (dB) auf dem schlechteren Auge (Unilateralität andeutend) im Alltag häufig kompensiert werden kann, bedeutet ein Defekt von 5 dB auf dem besseren Auge (Bilateralität) oft eine beträchtliche Einschränkung, vor allem im Straßenverkehr.

Das später betroffene Partnerauge zeigt ein Schadensmuster, das dem zunächst erkrankten und therapierten Auge entspricht. Dies ergab eine spezielle Auswertung der Daten von 607 Patienten (55 % männlich, Durchschnittsalter bei Randomisierung: 58 Jahre) einer großen Studie, der Collaborative Initial Glaucoma Treatment Study (CIGTS). Die Beobachtungszeit betrug bis zu 11 Jahre. Zu Studienbeginn wurde bei 48 % der neu diagnostizierten Glaukompatienten die Glaukomdiagnose neu auch für das bislang unbehandelte Partnerauge gestellt. Zu Beginn waren alle Augen unbehandelt. 123 Partneraugen (20,3 %) wurden später im Laufe der Studiendauer therapiert, 193 fellow eyes (31,8 %) erhielten nie eine Behandlung.

Die Wahrscheinlichkeit für die zunächst nicht behandelten Partneraugen, binnen 1 Jahres doch als therapiebedürftig eingestuft zu werden, betrug 57 % und über 7 Jahre 68 %. Eine Therapieeinleitung des Partnerauges war mit folgenden Risikofaktoren assoziiert: höheres Lebensalter (Hazard Ratio [HR] für jeweils 10 Jahre Alterszunahme: 1,33; 95-%-Konfidenzintervall [95% KI] [1,08; 1,64]; p = 0,007), HR bei Hypertonus: 1,76; [1,16; 2,67] p = 0,008), höherer Ausgangswert des Intraokulardrucks (IOD) (HR pro 1 mm Hg höher: 1,24; [1,20; 1,29]; p < 0,001) sowie ein schlechterer Gesichtsfeldbefund und eine auffällige Morphologie der Sehnervenscheibe (eine hohe sogenannte Cup-Disc-Ratio).

Fazit: „Die Ergebnisse der Studie machen vor allem deutlich, wie wichtig eine engmaschige Kontrolle des Partnerauges bei bereits behandelten Glaukomaugen ist“, sagt Dr. med. Karin Pillunat, Oberärztin an der Universitätsaugenklinik Dresden, Leiterin der Glaukomsprechstunde: „Neben der Augeninnendrucksenkung ist auch die Kontrolle des systemischen Blutdrucks und dessen Einstellung einer der modifizierbaren Risikofaktoren für eine Glaukomprogression.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Niziol LM, Gillespie BW, Musch DC: Association of fellow eye with study eye disease trajectories and need for fellow eye treatment in the Collaborative Initial Glaucoma Treatment Study (CIGTS). JAMA Ophthalmol 2018; 136: 1149–56.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema