ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2018Diabetes Typ 1: Cannabiskonsum könnte Ketoazidose fördern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetes Typ 1: Cannabiskonsum könnte Ketoazidose fördern

Dtsch Arztebl 2018; 115(48): A-2244 / B-1844 / C-1819

Meyer, Rüdiger

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Foto: dalaprod/stock.adobe.com
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Menschen mit Typ-1-Diabetes, die regelmäßig Cannabis konsumieren, gaben in einer Umfrage von US-Dermatologen doppelt so häufig an, schon einmal eine diabetische Ketoazidose erlitten zu haben.

Von den 450 Patienten, die am Barbara Davis Center for Diabetes in Denver befragt wurden, sagten 124 (29,8 %), dass sie regelmäßig zur Droge greifen, die Hälfte mindestens 2-mal die Woche. Welche Auswirkungen das Tetrahydrocannabinol (THC) auf den Blutzucker hat, ist nicht bekannt. In früheren Untersuchungen wurde eine Verbesserung von Insulinempfindlichkeit und Betazellfunktion gefunden, wovon eher Menschen mit Typ-2-Diabetes profitieren würden.

Vor 2 Jahren berichteten die Mediziner des Barbara Davis Centerʼs über 2 Cannabiskonsumenten (33-jähriger Mann, 23-jährige Frau), die wiederholt eine Ketoazidose erlitten hatten (American Journal of Medicine 2016; 129: e139–e140). Beide litten unter dem Cannabis-Hyperemesis-Syndrom, zu dem es nach einem längeren hochdosierten Konsum der Hanfdroge kommen kann. Das häufige Erbrechen und die damit verbundenen Flüssigkeitsverluste könnten der Auslöser für die Ketoazidose gewesen sein, vermuteten Viral Shah und Mitarbeiter damals. Zumal beide Patienten sich vom Cannabis-Hyperemesis-Syndrom erholten. Nachdem sie auf die Droge verzichteten, hatten sie keine Ketoazidosen mehr erlitten.

Die beiden Fälle veranlassten die Forscher zu ihrer Umfrage. Sie ergab, dass 20,9 % der Cannabisuser bereits einmal wegen einer diabetischen Ketoazidose hospitalisiert worden waren. Unter den Typ-1-Diabetikern, die keinen Cannabiskonsum angaben, betrug die Rate nur 8,2 %. Das Team ermittelte eine OR von 1,98, die signifikant war, wenn auch mit einem weiten 95-%-KI von 1,01–3,91. Eine weitere Analyse, die nur Patienten mit den gleichen Eigenschaften gegenüberstellte, ermittelte sogar eine OR von 3,06, allerdings mit einem noch weiteren 95-%-KI von 1,03–9,19.

Fazit: Da es sich um eine Umfrage an einem einzelnen Zentrum handelt und der Cannabiskonsum nicht überprüft wurde, ist nicht klar, ob die Ergebnisse für Typ-1-Diabetiker repräsentativ sind und ob es nicht andere Erklärungen gibt. Shah hält es allerdings für möglich, dass das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom oder eine Verlangsamung der Darmbewegungen (Gastroparese) für die erhöhte Anfälligkeit verantwortlich sind. Rüdiger Meyer

Akturk HK, Taylor DD, Camsari UM: Association Between Cannabis Use and Risk for Diabetic Ketoacidosis in Adults With Type 1 Diabetes. JAMA Internal Medicine 2018; doi: 10.1001/jamainternmed.2018.5142.

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