ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2018Beckenbodenschäden: Kindlicher Aspekt
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Als Pädiater habe ich mit großem Befremden feststellen müssen, dass der kindliche Aspekt einer Entscheidung „Spontangeburt“ vs. (geplante) „Sectio“ bei den Überlegungen hierzu keine Rolle zu spielen scheint. Auch die selbstverständlich vorhandenen, erheblichen Risiken einer Kaiserschnittentbindung werden nicht thematisiert. Natürlich erscheint es vordergründig klar, dass Frauen über die möglichen Risiken einer Spontangeburt aufgeklärt sein sollten. Nur was ist die Alternative? Zweifellos werden sich bei offensiver Information über die Risiken noch mehr Frauen als bisher für den sogenannten „Wunschkaiserschnitt“ entscheiden.

Als Pädiater versuchen wir gerade zu verstehen, was die enorm hohe Sectioquote (gerade im Südwesten Deutschlands) für kurz- und langfristige Konsequenzen für die Kinder hat. In Bezug auf das Mikrobiom des Darmes, allergologische Erkrankungen, Anpassungsstörungen der Neugeborenen und viele weitere Aspekte wissen wir mittlerweile, dass hier ein großes Problemfeld besteht, welches zu einer sehr sorgfältigen Indikationsstellung bei Wunschkaiserschnitten Anlass geben sollte. Sozusagen vor der natürlichen Spontangeburt zu „warnen“ erscheint mir hier der komplett falsche Ansatz, da ohnehin eine große Anzahl von Frauen einen Kaiserschnitt ohne Indikation wünscht, wir aber im Gegenteil aus pädiatrischer Sicht langfristig zu einer niedrigeren Sectioquote kommen sollten.

Dr. med. Harald-Manfred Blank, 76829 Landau

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