ArchivDeutsches Ärzteblatt26/1996Hessische Ärztinnen und Ärzte 1933 bis 1945: „Menschlichkeit in der Stunde der Gefährdung“

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Hessische Ärztinnen und Ärzte 1933 bis 1945: „Menschlichkeit in der Stunde der Gefährdung“

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS "Mit Stille und Betroffenheit hat das Publikum auf die Lesung reagiert", sagte Dr. Mark Siegmund Drexler im Anschluß an eine Veranstaltung der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen. Vorgetragen wurden anläßlich des 99. Deutschen Ärztetages in Köln biographische Texte über "Medizinstudenten, Ärzte und Hochschullehrer, die verfolgt wurden oder die emigrieren mußten", so Drexler. So wurde zum Beispiel an Prof. Dr. Karl Herxheimer erinnert. Der langjährige Direktor der Städtischen und Universitätsklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Frankfurt am Main wurde 1942 als 80jähriger in das KZ Theresienstadt deportiert, wo er noch im gleichen Jahr an Dysenterie und Hunger starb.
Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen unterstützt finanziell zwei Forschungsvorhaben, die von Drexler vorgestellt wurden. Das eine Projekt habe zur Veröffentlichung des 1990 erschienenen Buches mit dem Titel "Ärztliches Schicksal unter der Verfolgung 1933 bis 1945" geführt, das andere betreffe "das Schicksal von Kindern, die Patienten des heutigen Clementinehospitals in Frankfurt waren, deren Leidensweg schließlich in die Euthanasieanstalt Hadamar führte". Intention der Veranstaltung war unter anderem, so Drexler, auch Initiativen im Bereich anderer Lan­des­ärz­te­kam­mern ins Leben zu rufen.


Widerstand von Ärzten
Besonders der passive und aktive Widerstand von Ärzten sei eine noch weitgehend unbekannte Seite des Themas Medizin und Nationalsozialismus. Es bleibe zwar noch viel zu tun, um die Mechanismen zu begreifen, die Menschen zum Mitläufer, Täter und Verbrecher werden ließen. Es müsse jedoch auch geforscht und nachgedacht werden über die "Mechanismen, die Menschen, auch Ärzte, dazu bringen, einem System unter Inkaufnahme von Gefahr für sich und ihre Familien zu widerstehen, in der Stunde der Gefährdung Menschlichkeit zu zeigen und im Mitmenschen ein zu schützendes Individuum erkennen", betonte Drexler. Denn jeder sei verantwortlich dafür, daß niemals mehr geschehe, worüber in Nürnberg vor 50 Jahren gerichtet wurde und womit sich der Deutsche Ärztetag 1996 beschäftigt habe. Kli

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