ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2018Klinikärzte unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen

ÄRZTESTELLEN: Kurz notiert

Klinikärzte unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen

Dtsch Arztebl 2018; 115(48): [4]

Glöser, Sabine

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Foto: baranq/stock.adobe.com
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Krankenhausärzte in Deutschland und großen Teilen Europas sind überaus unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen. 35 Prozent der deutschen sowie 20 Prozent der britischen und italienischen Ärzte würden die Klinik, in der sie arbeiten, Freunden und Verwandten nicht als Behandlungsort empfehlen. Das jedenfalls ergab eine Studie der internationalen Managementberatung Bain & Company, die mehr als 1 100 Ärzte aus 150 Kliniken in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien befragte.

Krankenhäuser, Pharmaunternehmen und Medizintechnikhersteller arbeiten den Ergebnissen zufolge in einem überholten System, das geprägt ist von zu wenig Personal, Budgetkürzungen und veralteten Geräten. Neben unzureichenden Ressourcen, heißt es weiter, sorgen sich die Klinikärzte um die Qualität der Informationen, die sie für medizinische Entscheidungen zur Verfügung haben. Mehr als 70 Prozent halten die Informationen von Pharmaunternehmen und Medizintechnikherstellern demnach für unzureichend. Auch die Nutzung von Datenanalysen als klinisches Hilfsmittel für die Ärzte stagniert laut Studie bei 45 Prozent.

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Der Stimmungsumschwung der Ärzte von schlecht zu miserabel sei frappierend, sagte Michael Kunst, Bain-Partner und Leiter der Praxisgruppe Gesundheitswesen in Europa, Mittlerer Osten und Afrika. Schon bei der letzten Umfrage vor zwei Jahren seien die Klinikärzte unzufrieden gewesen. Doch hätten sie 2016 noch mit einer Arbeitserleichterung und höheren Versorgungsqualität durch neue Methoden wie der Digitalisierung gerechnet. Getan habe sich indes wenig.

„Für Krankenhausbetreiber sollten die Ergebnisse ein Weckruf sein“, sagte Kunst weiter. Es gelte, schnell zu handeln und neue Ansätze zu finden. „Unternehmen mit loyalen und motivierten Mitarbeitern sind bekanntlich deutlich produktiver“, betonte er. Gelegenheiten, die Situation zu verbessern, gebe es genug. Um die Qualität zu steigern, sei allerdings ein ganzheitlicher Ansatz nötig. „Nur wenn alle Akteure im Gesundheitswesen zusammenarbeiten, wird ein neues Qualitätsniveau erreicht.“ sg

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