ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2018Randnotiz: Rettungsgassen als Überholspur

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Randnotiz: Rettungsgassen als Überholspur

Dtsch Arztebl 2018; 115(48): A-2205 / B-1819 / C-1797

Maybaum, Thorsten

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Viele Menschen haben es schon selbst erlebt: Auf der Autobahn bilden die im Stau stehenden Verkehrsteilnehmer nach einem Unfall keine Rettungsgasse. Wer denkt, das komme nur vereinzelt vor, irrt. In 80 Prozent aller Fälle verlieren in Deutschland Helfer wertvolle Zeit, weil die Rettungsgasse blockiert wird, wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) kürzlich erklärte. Die Zahlen fußen auf einer Umfrage, an der sich 96 Rettungsteams des DRK aus Baden-Württemberg, Bayern, dem Saarland, Niedersachsen, Berlin und Sachsen beteiligten. Demzufolge wurde nur bei 15,6 Prozent der ausgewerteten Einsätze spontan eine Rettungsgasse gebildet. Bei 35,4 Prozent erst nach Aufforderung durch ein Sondersignal. Mehr als 20 Prozent der Fahrer reagierten gar nicht. Und: 86 Prozent der behindernden Fahrzeuge waren Pkw – keine Lkw. Die Folgen für die Menschen, die auf Hilfe warten, können gravierend sein, wie DRK-Bundesarzt Prof. Dr. med. Peter Sefrin klarstellte. Er schätzt den durchschnittlichen Zeitverlust bei solchen Einsätzen auf bis zu fünf Minuten. „Für einen Patienten, der reanimiert werden muss, kann dann jede Hilfe zu spät sein“, sagte er. Egoismus ist nach Sefrins Einschätzung ein Grund für das Phänomen. Es gebe sogar Fälle, in denen Fahrer die Rettungsgasse für sich selbst nutzten. Eigentlich waren die Bußgelder im vergangenen Jahr bereits von der Politik erhöht worden. In schweren Fällen drohen mehr als 300 Euro Strafe und ein Monat Fahrverbot. Ob das zu wenig ist, muss nun die Politik entscheiden. Sefrin findet, Verstöße sollten strenger geahndet werden. Er wünscht sich aber auch mehr Aufklärung.

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