ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2018Thrombozytopenie bei Frühgeborenen: Überlebenschancen steigen, wenn Plättchen eher restriktiv transfundiert werden

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Thrombozytopenie bei Frühgeborenen: Überlebenschancen steigen, wenn Plättchen eher restriktiv transfundiert werden

Dtsch Arztebl 2018; 115(49): A-2298 / B-1882 / C-1856

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: picture alliance
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In Industrieländern nimmt die Rate der Frühgeburten zu, in Deutschland liegt sie bei 11–12 % (Geburt vor 37. Schwangerschaftswoche [SSW]). Je unreifer das Kind, desto höher das Risiko für schwere Blutungen. Zur Frage, welche Plättchenzahl sich als Schwellenwert für Thrombozytentransfusionen eignet, ist eine große, prospektiv randomisierte Phase-3-Studie publiziert worden.

660 frühgeborene Kinder (< 34 SSW; median nach 26,6 SSW, medianes Geburtsgewicht: 740 g) mit Thrombozytenzahlen < 50/nl wurden eingeschlossen. Ausschlusskriterien waren höhergradige Blutung, Immunthrombozytopenie und Überlebenswahrscheinlichkeit von wenigen Stunden. Randomisiert wurde 1:1 in eine Gruppe, die Thrombozytentransfusionen ab ≥ 50/nl erhielt, und eine 2. Gruppe mit Transfusion ab ≥ 25/nl. Primärer Endpunkt war der Tod der Kinder oder eine schwere Blutung jeweils innerhalb von 28 Tagen nach Randomisierung.

Der Endpunkt trat bei 26 % der Kinder ein, die beim höheren Schwellenwert Thrombozyten erhielten, und bei 19 % in der Gruppe mit niedrigem Schwellenwert (Odds Ratio: 1,57; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [1,06; 2,32], p = 0,02). Die Rate schwerer unerwünschter Nebenwirkungen der Behandlung (25 % und 22 %) unterschied sich nicht signifikant.

Fazit: Frühgeborene mit Thrombozytenzahlen von < 50/nl haben bessere Überlebenschancen und weniger höhergradige Blutungen, wenn Thrombozyten erst ab einer Plättchenzahl von 25/nl transfundiert werden. Bei ≤ 50 Plättchen/nl als Trigger war das Risiko für schwere Blutungen und Tod deutlich höher.

Entzündungskaskaden könnten durch die Unreife von Zellen und Geweben (Endothelien) möglicherweise schneller und intensiver angekurbelt werden als bei biologisch ausgereiften Menschen, so die Autoren, trotz AB0-Identität oder -Kompatibilität. Auch transfusionsbedingte hämodynamische Veränderungen könnten Frühgeborene möglicherweise schlechter kompensieren.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Curley A, Stanworth SJ, Willoughby K, et al.: Randomized trial of platelet-transfusion thresholds in neonates. N Engl J Med 2018; DOI: 10.1056/NEJMoa1807320.

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