ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2018Ökonomisierung: Historisch folgerichtig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Pathogenese der Ökonomisierung der Medizin zu ergründen heißt doch die Ökonomisierung der Medizin als etwas Pathologisches zu betrachten. Bedauerlicherweise bleibt uns der Autor schuldig, Erhellendes zur Pathologie der Ökonomisierung zu sagen. ...

Was nun die Ökonomisierung betrifft, so wird seit gut 200 Jahren der Primat der Ökonomie für das gesellschaftliche Leben reklamiert. Marx und Engels haben den Warencharakter aller menschlichen Verhältnisse herausgearbeitet und damit den wahren Charakter der „antagonistischen Gesellschaft“ (Adorno, Th. W.).

Dass nun auch im Krankenversorgungs-system nach 50-jähriger Diskussion endlich (oder wieder) primär ökonomisch gehandelt werden muss – sich nach der Decke gestreckt werden muss – ist historisch nur folgerichtig. Denn die Lohnnebenkosten, von denen das sogenannte Gesundheitssystem nun mal lebt, lassen sich nicht beliebig vermehren. Darüber wachen schon die Interessengegensätze der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, auch wenn das vielgescholtene „Anspruchsdenken der Patienten“ und die Ambitionen der Gesundheitsfallensteller sich davon nicht beindrucken lassen.

Anzeige

Erwin Feierabend, Psychiater, 69115 Heidelberg

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Stellenangebote