ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2018QM-Ratgeber: Kooperation mit Selbsthilfeangeboten

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QM-Ratgeber: Kooperation mit Selbsthilfeangeboten

Dtsch Arztebl 2018; 115(49): A-2310 / B-1892 / C-1866

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Die gesundheitliche Versorgung der Patienten ist zentrale Aufgabe von Praxen und Krankenhäusern. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Diagnostik und Therapie. Hierzu zählen auch die Information, Beratung und Aufklärung sowie präventive Angebote. Letztere sollen dazu beitragen, dass Patienten besser im Behandlungsverlauf mitwirken und gezielt zur Erhöhung ihrer eigenen Sicherheit beitragen können. Selbsthilfe bedeutet, dass sich Patienten mit Gleichbetroffenen austauschen und sich gegenseitig weiterhelfen. Wenn chronisch kranke und behinderte Menschen sowie deren Angehörigen in Selbsthilfegruppen Austausch und Beratung finden, unterstützt das die medizinische Versorgung und entlastet die Teams in Praxen und Krankenhäusern. Die aktive Beteiligung in einer Selbsthilfegruppe kann Lebensumstände verbessern, wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e.V. beschreibt. Insbesondere bei seltenen Erkrankungen kann solch ein Austausch für den weiteren Verlauf entscheidend sein.

Der systematische Verweis auf Angebote der Selbsthilfe und die strukturierte Zusammenarbeit mit Gruppen, beispielsweise im Rahmen von Veranstaltungen, ist Teil des Qualitätsmanagement-Systems. Die QM-Richtlinie des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses schreibt unter anderem vor, dass für den gezielten Einsatz im individuellen Arzt-Patient-Kontakt eine Zusammenstellung zuverlässiger, verständlicher Patienteninformationen sowie von Angeboten von Selbsthilfeorganisationen und Beratungsstellen gepflegt werden soll.

Dass Selbsthilfegruppen und Ärzte miteinander kooperieren, ist nicht selbstverständlich. Oft lösen persönliche Begegnungen, beispielsweise mit engagierten Patienten mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen, den Aufbau einer Zusammenarbeit aus. Häufig initiieren auch mitbetroffene Angehörige einen Austausch. Damit es im Praxis- und Krankenhausalltag leichter fällt, Selbsthilfeangebote strukturiert einzubinden, hat das Netzwerk „Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen“ Kritierien entwickelt. Diese finden sich auch in QM-Verfahren wie QEP® wieder. Dazu gehören unter anderem, auf Teilnahmemöglichkeiten hinzuweisen, Informations- und Erfahrungsaustausch zu ermöglichen und die Kooperation verlässlich zu gestalten. Für die Zusammenstellung von qualitativ hochwertigen Informationsmaterialien sollte eine Person aus dem Team verantwortlich sein. Diese kann auch Patienten und Selbsthilfegruppen als Ansprechpartner dienen. Bundesweit gibt es etwa 340 Selbsthilfekontaktstellen, die zu Angeboten der gemeinschaftlichen Selbsthilfe beraten. In einigen Kassenärztlichen Vereinigungen bieten Kooperationsberatungsstellen für Selbsthilfegruppen und Ärzte Niedergelassenen Unterstützung an. Form und Umfang der Kooperationen sind vielfältig: Gedanken-, Meinungs- und Informationsaustausch, gemeinsame Treffen und Veranstaltungen, symbolische und materielle Unterstützung, schriftliche Kontakte oder ärztliche Empfehlungen zur Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe. KBV

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