ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2018Antibiotikaresistenz: Gegenläufige Entwicklungen

MEDIZINREPORT

Antibiotikaresistenz: Gegenläufige Entwicklungen

Dtsch Arztebl 2018; 115(49): A-2291 / B-1877 / C-1851

Noll, Ines; Eckmanns, Tim

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In den vergangenen 4 Jahren beobachtet man in Deutschland eine Zunahme der Resistenzen bei Klebsiella pneumoniae und Enterococcus faecium. Rückläufig ist der Trend bei den methicillinresistenten Staphylokokken.

Klebsiella pneumoniae zählt zu den häufigsten Erregern für bakterielle Sepsis und im Krankenhaus erworbene Lungenentzündung; sie können aber auch Harnwegsinfekte und schwere Weichteilinfektionen hervorrufen. Foto: picture alliance
Klebsiella pneumoniae zählt zu den häufigsten Erregern für bakterielle Sepsis und im Krankenhaus erworbene Lungenentzündung; sie können aber auch Harnwegsinfekte und schwere Weichteilinfektionen hervorrufen. Foto: picture alliance

Die Entwicklung der Resistenzsituation in Deutschland über die letzten 4 Jahre zeigt ein heterogenes Bild: Bei Klebsiella (K.) pneumoniae nimmt die Resistenz gegenüber mehreren Antibiotikaklassen signifikant zu, ebenso die Vancomycin-Resistenz bei Enterococcus faecium (VRE). Demgegenüber setzt sich der rückläufige Trend beim methicillinresistenten Staphylococcus aureus (MRSA) fort.

Anlässlich des Europäischen Antibiotikatags am 18. November veröffentlichte das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) die Resistenzergebnisse für 2017 aus dem „European Antimicrobial Resistance Surveillance Network“ (EARS-Net). Es führt Resistenzdaten für ausgewählte invasive Erreger (Blutkultur, Liquor) aus den nationalen Surveillance-Systemen der 28 EU-Mitgliedstaaten, Island und Norwegen zusammen, um zeitliche Entwicklungen sowie Unterschiede zwischen Ländern und Regionen darzustellen.

Daten für Deutschland stammen aus der Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) des Robert Koch-Instituts (RKI). ARS basiert auf der freiwilligen Teilnahme von mikrobiologischen Laboren, die die Ergebnisse zu Erregeridentifizierung und Resistenztestung aus der mikrobiologischen Routinediagnostik an das RKI übermitteln. ARS erstreckt sich auf alle klinisch relevanten bakteriellen Erreger aus allen Probenmaterialien, die in der ambulanten und stationären Versorgung abgenommen werden. Daten zur Resistenzsituation und -entwicklung sind in einer interaktiven Datenbank über die ARS-Internetseite abrufbar (https://ars.rki.de/). Für 2017 wurden Daten aus 479 deutschen Krankenhäusern an das ECDC übermittelt. Die Tabelle zeigt die Entwicklung von 2014 bis 2017 bei invasiven Isolaten und ermöglicht eine Einordnung in den europäischen Kontext durch Vergleich mit dem bevölkerungsgewichteten Mittelwert respektive Median 2017 aller Teilnehmer. Ausführliche Ergebnisse können im Surveillance ATLAS of Infectious diseases (https://ecdc.europa.eu/en/surveillance-and-disease-data) des ECDC interaktiv abgefragt werden.

Resistenzsituation in Deutschland 2017 im europäischen Vergleich
Resistenzsituation in Deutschland 2017 im europäischen Vergleich
Tabelle
Resistenzsituation in Deutschland 2017 im europäischen Vergleich

Bei den Enterobakterien ist eine Verschlechterung der Lage zu beobachten: Bei K. pneumoniae nimmt die Resistenz gegenüber allen untersuchten Antibiotikaklassen mit Ausnahme der Carbapeneme signifikant zu, bei Escherichia coli gegenüber Dritt-Generations-Cephalosporinen. Entsprechend nimmt auch der Anteil der Isolate, die gegen Fluorchinolone, Dritt-Generations-Cephalosporine und Aminoglykoside gleichzeitig resistent sind, zu; diese kombinierte Resistenz ist grob mit der in Deutschland gebräuchlichen Kategorie der 3-fach multiresistenten Enterobakterien vergleichbar.

Der Wert für die Carbapeneme ist ein grober Indikator für die Häufigkeit von 4-fach multiresistenten Enterobakterien. Trotz Zunahme der Resistenz bei K. pneumoniae steht Deutschland hier im europäischen Vergleich immer noch günstig da mit Resistenzanteilen, die etwa nur halb so hoch sind wie der europäische Mittelwert.

Bei Pseudomonas aeruginosa ist das Bild sehr stabil mit einem Rückgang der Resistenz gegenüber Carbapenemen; insgesamt liegen die Resistenzanteile für alle beobachteten Antibiotikaklassen in Deutschland nahe beim europäischen Mittelwert oder leicht darunter. Die Lage bei Acinetobacter spp. ist ebenfalls nahezu unverändert und deutlich günstiger als im europäischen Mittel.

Für MRSA setzte sich der seit mehreren Jahren beschriebene rückläufige Trend sowohl auf europäischer Ebene als auch in Deutschland fort. Dagegen hat der Anteil von VRE in Deutschland über die letzten 4 Jahre signifikant zugenommen und liegt nun über dem europäischen Mittelwert, der ebenfalls signifikant gestiegen ist.

Dipl.-Psych. Ines Noll

Dr. med. Tim Eckmanns, MSc

Fachgebiet Nosokomiale Infektionen,
Surveillance von Antibiotikaresistenz und
-verbrauch, Abteilung für Infektionsepidemiologie, Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Resistenzsituation in Deutschland 2017 im europäischen Vergleich
Resistenzsituation in Deutschland 2017 im europäischen Vergleich
Tabelle
Resistenzsituation in Deutschland 2017 im europäischen Vergleich

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