ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2018Systemische Therapie: Bald ein viertes Verfahren

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Systemische Therapie: Bald ein viertes Verfahren

PP 17, Ausgabe Dezember 2018, Seite 529

Bühring, Petra

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Das ist eine gute Nachricht: Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat am 22. November den Nutzen und die medizinische Notwendigkeit der Systemischen Therapie (ST) bei Erwachsenen als Psychotherapieverfahren anerkannt. Damit ist die sozialrechtliche Anerkennung erfolgt und die ST muss bald als viertes Verfahren von der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) finanziert werden. Psychisch kranken Patienten wird dann eine weitere sehr wirksame Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung stehen.

Im nächsten Verfahrensschritt muss die Systemische Therapie noch in die Psychotherapierichtlinie aufgenommen werden. Es werden Einzelheiten zur praktischen Anwendung geregelt, wie Behandlungsumfang und die Anpassung im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) zur Honorierung. „In den nächsten neun Monaten wollen wir in die Nähe einer Finalisierung kommen“, sagte der unparteiische Vorsitzende des G-BA, Prof. Josef Hecken, bei der Vorstellung des Beschlusses. Man sollte ihn beim Wort nehmen, denn die Methodenbewertung der Systemischen Therapie gehört zu den Beratungen im G-BA, die am deutlichsten die vorgeschriebene Dauer überschritten hat.

Bereits 2008 hat der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie die Wirksamkeit der Systemischen Therapie für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen bestätigt und sie zur vertieften Ausbildung empfohlen. 2013 hat dann der G-BA endlich das Bewertungsverfahren eröffnet. 2014 wurde das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) beauftragt, eine Nutzenbewertung als Grundlage für die endgültige Entscheidung des G-BA zu erstellen. Der Abschlussbericht des IQWIG, das damit erstmalig ein Psychotherapieverfahren bewertet hat, lag im Juli 2017 vor. Danach wirkt die ST bei Erwachsenen insbesondere bei Angst- und Zwangsstörungen sowie bei unipolarer Depression. Aber auch bei Schizophrenie, Substanzkonsumstörungen und Essstörungen ist sie nachweislich wirksam. Im Kindes- und Jugendalter belegte das IQWIG den Nutzen bei schweren Störungen des Sozialverhaltens sowie ebenfalls bei Substanzkonsumstörungen und Essstörungen. Bisher hat der G-BA jedoch nur die Wirksamkeit der ST bei Erwachsenen anerkannt. Damit Kinder und Jugendliche von der Behandlung profitieren können, ist ein weiteres Bewertungsverfahren erforderlich. Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer forderte den G-BA auf, diese Prüfung nun schnell zu beauftragen.

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Bezeichnend ist darüber hinaus, wer im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss der sozialrechtlichen Anerkennung der Systemischen Therapie zustimmte und wer nicht: Dafür votierten die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die drei unparteiischen Vorsitzenden und die Patientenvertreter. Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft war dafür, schließlich wird die ST bereits seit Jahren in den Kliniken und in der Rehabilitation erfolgreich angewandt. Dagegen stimmte der GKV-Spitzenverband, der im Gegenzug dafür plädierte, weitere Studien durchzuführen, um herauszufinden, ob die vorhandenen Psychotherapieverfahren nicht ausreichend seien für die Krankheitsbilder. Im Interesse der GKV-versicherten Patienten wäre diese Verzögerung nicht gewesen.

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