ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/201833. Deutscher Psychotherapeutentag in Berlin: Gegen Diskriminierung psychisch kranker Menschen

POLITIK

33. Deutscher Psychotherapeutentag in Berlin: Gegen Diskriminierung psychisch kranker Menschen

PP 17, Ausgabe Dezember 2018, Seite 535

Bühring, Petra

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Die Delegierten diskutierten über einen Passus im Terminservice- und Versorgungsgesetz, die Bedarfsplanung, die Reform der Ausbildung, die digitale Agenda der Psychotherapeutenschaft, die Fernbehandlung und die Schmerzpsychotherapie als Weiterbildung.

Deutlich stimmten die Delegierten dafür, sich gegen Rassismus, Hass, Gewalt und Diskriminierung einzusetzen. Fotos: BPtK
Deutlich stimmten die Delegierten dafür, sich gegen Rassismus, Hass, Gewalt und Diskriminierung einzusetzen. Fotos: BPtK

Mit einer Aufforderung für Demokratie und Wahrung von Menschenrechten sowie gegen Rassismus wandte sich der Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer, Dr. rer. nat. Dietrich Munz, zu Beginn des 33. Deutschen Psychotherapeutentages (DPT) an die Delegierten in Berlin. „Flüchtlinge werden zurzeit nicht mehr als Menschen mit einzelnem Schicksal betrachtet, sondern als solche, die nicht hierhin gehören. Ihnen werden kollektive Merkmale zugeschrieben, damit man sie jagen und vertreiben kann“, sagte Munz. „80 Jahre nach der Reichsprogromnacht werden Juden in Deutschland wieder gejagt und geprügelt.“ Das dürfe nicht sein. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit könne zudem auch psychisch Kranke betreffen. Psychotherapie sei in einer Gesellschaft, in der Menschen nicht mehr respektiert werden, nicht mehr möglich. „Wir müssen deshalb Farbe bekennen und den Rassismus beim Namen nennen“, forderte der Präsident. Die Delegierten nahmen eine Resolution des BPtK-Vorstands an, mit der sie sich verpflichten, sich „aktiv für Demokratie und die Einhaltung von Menschenrechten einzusetzen: für ein friedvolles Miteinander und gegen Rassismus, Hass, Gewalt und Diskriminierung“.

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Rationierung und Selektion

Ein profaneres Thema, aber hinsichtlich seiner möglichen Auswirkungen auf psychisch Kranke auch wichtiges, betrifft eine Regelung im Kabinettsentwurf für ein Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG). Der 33. DPT forderte den Gesetzgeber eindringlich auf, von der Regelung Abstand zu nehmen, mit der eine vorgeschaltete Stelle, in der Indikation und Dringlichkeit der Behandlung psychisch kranker Menschen geprüft würde, eingeführt werden soll: „Diskriminierung von psychisch kranken Menschen durch TSVG verhindern!“ lautet die Überschrift einer Resolution, mit der die Delegierten die „ersatzlose Streichung“ dieser in § 92 Absatz 6 a, SGB V vorgesehenen Regelung fordern. In dem Absatz ist von einer „gestuften und gesteuerten Versorgung für die psychotherapeutische Behandlung“ die Rede, die der Gemeinsame Bundes­aus­schuss dann ausgestalten soll.

„Die beabsichtigte Regelung zielt tatsächlich auf Rationierung, Priorisierung und Selektion psychotherapeutischer Behandlungen“, heißt es in der Resolution. Sie könne weder einen zeitnahen Behandlungszugang gewährleisten noch die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Leistungen verbessern. Darüber hinaus diskriminiere die Regelung psychisch kranke Menschen, indem sie neue Hürden vor einer psychotherapeutischen Behandlung aufbaue. Deren Teilhabe an der Entscheidung über die Behandlungsform wäre unzulässig beschränkt. „Die Patienten müssten sich gleich mehreren Ärzten und Psychotherapeuten öffnen und unnötig lange Versorgungswege beschreiten“, kritisierten die Delegierten. Das konterkariere auch das Bemühen um einen niedrigschwelligen Behandlungszugang.

Der Vorstand der BPtK fordert Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn auf, von weiteren Hürden vor einer psychotherapeutischen Behandlung Abstand zu nehmen. Von links nach rechts: Präsident Dietrich Munz, Vorstandsmitglieder Andrea Benecke und Peter Lehndorfer.
Der Vorstand der BPtK fordert Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn auf, von weiteren Hürden vor einer psychotherapeutischen Behandlung Abstand zu nehmen. Von links nach rechts: Präsident Dietrich Munz, Vorstandsmitglieder Andrea Benecke und Peter Lehndorfer.

„Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn fordert etwas, was es längst gibt. Mit der Strukturreform der ambulanten Psychotherapie zum 1. April 2017 ist die Versorgungssteuerung doch längst Realität: Die psychotherapeutische Sprechstunde und die Koordination der Versorgung funktionieren gut“, erklärte Präsident Munz. Die Evaluation der mit der Strukturreform geänderten Psychotherapierichtlinie solle erst einmal abgewartet werden. „Meiner Ansicht nach ist dieser Passus im TSVG eine politische Strategie von Herrn Spahn, um von Problemen in der Versorgung abzulenken“, sagte er.

Grund für die Versorgungsprobleme, also die langen Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz vor allem in ländlichen Gebieten, ist nach Ansicht der Bundes­psycho­therapeuten­kammer keine unzureichende Steuerung der Patienten, sondern ein Mangel an Psychotherapieplätzen. Nach einer Studie der BPtK betragen die Wartezeiten auf einen Therapieplatz im Bundesdurchschnitt rund fünf Monate. Die Kammer fordert deshalb sofort 1 500 zusätzliche Vertragspsychotherapeutensitze in unterversorgten ländlichen Regionen, um ein Niveau wie in den Städten zu erreichen. „Diese Soforthilfe für psychisch Kranke sollte vor der Reform der Bedarfsplanung greifen“, erklärte Munz. Notwendig sei darüber hinaus eine partielle Aufhebung der Zulassungsbeschränkungen in Großstädten sowie die generelle Reform der Bedarfsplanung.

Bedarfsplanungsreform umsetzen

In einer weiteren Resolution mit dem Titel „Reform der Bedarfsplanung bleibt vorrangiges Ziel“ fordert der 33. Deutsche Psychotherapeutentag deshalb den G-BA auf, die Reform „zeitnah umzusetzen“. Die aktuellen Wartezeiten seien vielerorts nicht mehr hinnehmbar. Obwohl sich der Erstzugang zum Psychotherapeuten durch die Etablierung von Sprechstunden deutlich verbessert habe, fehle es nach der Erstabklärung in vielen Regionen an ausreichenden Kapazitäten für eine anschließende Psychotherapie, heißt es in dieser Resolution.

Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer ist nicht allein mit ihrer Forderung, die geplante Regelung im Kabinettsentwurf des TSVG zu streichen. Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Kassenärztliche Vereinigungen, die Landespsychotherapeutenkammern sowie die Allianz fachärztlicher Berufsverbände haben sich bereits gegen die Zugangsplanungen durch den Gesetzgeber ausgesprochen. Am 16. November hatten zudem drei Psychotherapeutenverbände eine neue Petition im Bundestag gestartet, mit der sie der Forderung, die umstrittene Regelung im Gesetzgebungsverfahren zu streichen, Nachdruck verleihen (http://daebl.de/GH17). Am 23. November hat auch der Bundesrat die geplante Änderung abgelehnt. Auch dieses Gremium befürchtet, dass neue Hindernisse in der Versorgung für psychisch kranke Menschen geschaffen werden.

Ein Dauerthema der Psychotherapeutentage bleibt die Reform der Psychotherapieausbildung. Hierzu liegt bisher nur ein Arbeitsentwurf aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium vor, der sich mit dem Approbationsstudium befasst, aber noch nicht mit der anschließenden Weiterbildung. Nun scheint es voranzugehen. „Es gibt Signale von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn, dass noch in diesem Jahr, spätestens aber im Januar ein Referentenentwurf vorgelegt werden soll“, sagte Präsident Munz. „Wir hören, dass der Referentenentwurf auch Regelungen zur stationären und zur ambulanten Weiterbildung enthalten wird – damit haben wir einen wichtigen Meilenstein bei der Reform des Psychotherapeutengesetzes erreicht.“ Munz wies noch einmal auf die zentralen Reformziele hin:

  • Bundeseinheitlich geltende Qualifikationsstandards als Zugang zum Heilberuf,
  • faire Bedingungen für den Nachwuchs,
  • bessere Qualifizierung für die Anforderungen der Versorgung,
  • Bewahrung der Qualität der heutigen Ausbildung,
  • Erhalt der Qualifizierung und Spezialisierung für die Versorgung von Kindern und Jugendlichen beziehungsweise Erwachsenen.

An die größtmögliche Einigkeit im weiteren Reformprozess appellierte BPtK-Vorstandsmitglied Dr. phil. Andrea Benecke. Darüber hinaus stellte sie Anforderungen an eine künftige Weiterbildung heraus. So müsse die stationäre Weiterbildung gleichwertig zur ambulanten Weiterbildung sein. „Wir können dabei auf der ärztlichen Weiterbildung aufbauen“, betonte Benecke. In Bezug auf die ambulante Weiterbildung müsse unbedingt die Finanzierung geregelt werden. Dazu gehöre die Ermächtigung der Weiterbildungsambulanzen sowie eine zusätzliche Förderung der Psychotherapeuten in Weiterbildung, zum Beispiel im Sinne eines Lohnkostenzuschusses.

Eine Kommission zur digitalen Agenda einzusetzen, forderten Sabine Maur (links) und Eva-Maria Schweitzer-Köhn vom Vorstand der BPtK.
Eine Kommission zur digitalen Agenda einzusetzen, forderten Sabine Maur (links) und Eva-Maria Schweitzer-Köhn vom Vorstand der BPtK.

In der anschließenden Aussprache zu dem Tagesordnungspunkt wies Bernhard Morsch, Delegierter aus dem Saarland, darauf hin, dass es ausreichend Weiterbildungsbefugte in den Kliniken geben müsse. „Derzeit ist noch nichts geregelt“, sagte er. Georg Schäfer, NRW, betonte die Notwendigkeit der Verfahrensvielfalt in der Psychotherapie, die sich in einer reformierten Ausbildung ihren Anfang nehmen sollte. „Alle Verfahren sollten in einem Approbationsstudium gelehrt werden.“ Zu diesem Thema gab es auch eine Petition der Interessengemeinschaft der Psychoanalyse an Universitäten (IDPAU) (siehe Seite 532).

Die Digitale Agenda

Nach einem Input gebenden Vortrag zum Thema „Mensch 4.0 – Frei bleiben in der Digitalen Welt“, mit dem Dr. Alexandra Borchert ihr gleichnamiges Buch referierte, befassten sich die Delegierten mit der „Digitalen Agenda“ der Psychotherapeutenschaft. Präsident Munz verwies zunächst auf die digitale Strategie der BPtK, die sich um den Datenschutz beim Elektronischen Gesundheitsausweis und der digitalen Patientenakte bemüht. Für den Einsatz von digitalen Anwendungen in der Praxis habe die Kammer einen Leitfaden entwickelt und zum Thema Internetpsychotherapie einen „Standpunkt“ erstellt. Beides ist über die BPtK-Homepage abrufbar. „Unsere digitale Agenda muss auch gesellschaftspolitische Aspekte im Blick haben, denn einige behaupten jetzt schon, dass Internetprogramme Psychotherapeuten ersetzen könnten“, sagte Munz. Dem sei aber nicht so. Mit einem Antrag forderten Delegierte verschiedener Kammern den BPtK-Bundesvorstand auf, eine Kommission zu ihrer digitalen Agenda einzusetzen. Diese solle den Vorstand bei der Entwicklung strategischer und handlungsorientierter Maßnahmen unterstützen. „Eine solche Kommission wird uns für viele Jahre beraten müssen – besser wäre deshalb eine übergeordnete Begleitung, jeweils für entsprechende Formate“, wandte der BPtK-Präsident ein. Sabine Maur, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz und auch Antragstellerin, verlieh ihrem Unmut Ausdruck, dass die BPtK „das Thema nicht so ernst nimmt“. Es sei dringend notwendig, die digitale Entwicklung mitzugestalten. Schnelles Handeln sei jetzt erforderlich. Der 33. DPT nahm den Antrag zur Einsetzung einer unterstützenden Kommission schließlich mehrheitlich an.

Des Weiteren stand eine Entscheidung zur psychotherapeutischen Fernbehandlung auf der Tagesordnung. Die bisherige Regelung in § 5 Abs. 5 der Musterberufsordnung (MBO) sieht bisher vor, dass eine Behandlung über Kommunikationsmedien nur in begründeten Ausnahmefällen durchgeführt werden darf. Peter Lehndorfer, Mitglied im Vorstand der BPtK, erläuterte die Chancen und Risiken der Psychotherapie über Videobehandlung: „Große Entfernungen zwischen Patienten und Psychotherapeut können so überbrückt werden.“ Menschen mit schweren körperlichen Erkrankungen, die keine Praxis aufsuchen könnten, würden erreicht. Bei einem Umzug des Patienten könne eine Fernbehandlung den Therapeutenwechsel verhindern helfen.“ Die Evidenz rechtfertige inzwischen den Einsatz von Fernbehandlungen – „aber längst nicht für alle“. Auf der anderen Seite könne Onlinepsychotherapie nicht die Probleme der Bedarfsplanung lösen und bedeute auch keine Zeitersparnis für Psychotherapeuten, so Lehndorfer.

Zur Abstimmung standen dann eine Beschlussvorlage des BPtK-Bundesvorstands, die besagt, dass eine Fernbehandlung ergänzend im Rahmen einer Psychotherapie grundsätzlich eingesetzt werden kann. Eine ausschließliche Fernbehandlung von unbekannten Patienten lehnt dieser Beschluss jedoch ab. Diagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung der Patienten sollen weiterhin den persönlichen Kontakt erfordern.

Diagnostik weiter face-to-face

Dem entgegen stand ein Antrag der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer (OPK), der eine ausschließliche Behandlung über Kommunikationsmedien „im Einzelfall“ erlauben wollte, wenn dies psychotherapeutisch vertretbar sei. „Wir wollen Psychotherapeuten zumuten, selbst zu entscheiden, ob sie den Patienten vor einer Fernbehandlung persönlich sehen wollen/müssen oder nicht“, erläuterte Andrea Mrazek, Präsidentin der OPK. „Wir sollten uns der Möglichkeit der ausschließlichen Fernbehandlung nicht verschließen“, erklärte auch Cornelia Beeking, Delegierte aus Nordrhein-Westfalen (NRW). „Der Schaden für die Patienten ist größer, wenn wir sie gar nicht erreichen, dadurch, dass sie in die Praxis kommen müssen“, ergänzte die Berliner Delegierte Eva-Maria Schweitzer-Köhn.

„Zur Diagnostik gehört immer auch das persönliche Gespräch. Der klinische Eindruck ist wichtig, der sich auch im Geruch und im Händedruck zeigt“, erklärte hingegen Petra Adler-Corman, NRW, die sich gegen die Fernbehandlung unbekannter Patienten aussprach. „Die Krankenkassen sind sehr erpicht auf die Onlinepsychotherapie ohne uns – wir können uns auch selbst abschaffen“, gab Rudi Bittner, Delegierter aus Bayern, zu Bedenken. „Wir müssen unsere Macht nutzen“, warb BPtK-Vizepräsident Nikolaus Melcop für den Antrag des Vorstands.

Mit beiden Beschlüssen bleibt unverändert, dass die Mitwirkung an Forschungsprojekten, in denen Psychotherapie ausschließlich über das Internet durchgeführt wird, der Genehmigung durch die Landespsychotherapeutenkammern bedarf. Die Delegierten entschieden schließlich mit deutlicher Mehrheit, dass Diagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung weiterhin in persönlichem Kontakt erfolgen zu hat. Danach ist eine Psychotherapie über Videokommunikation aber nun unter Beachtung besonderer Sorgfaltspflichten möglich. Petra Bühring

Diotima-Ehrenpreis für Bruckmayer und Weidhaas

Die Psychologischen Psychotherapeuten Ellen Bruckmayer und Hans-Jochen Weidhaas haben den Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft erhalten. Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) ehrt damit in diesem Jahr zwei Psychotherapeuten, deren herausragendes Engagement entscheidend dazu beigetragen habe, dass vor rund 20 Jahren das Psychotherapeutengesetz verabschiedet werden konnte.

Für ihr Engagement um das Psychotherapeutengesetz dankte BPtK-Präsident Dietrich Munz (links) Ellen Bruckmayer und Hans-Jochen Weidhaas.
Für ihr Engagement um das Psychotherapeutengesetz dankte BPtK-Präsident Dietrich Munz (links) Ellen Bruckmayer und Hans-Jochen Weidhaas.

„Obwohl in unterschiedlichen psychotherapeutischen Traditionen verortet, verbanden beide sachliche Leidenschaft und den Blick für die gesamte Profession“, sagte BPtK-Präsident Dietrich Munz in seiner Laudatio. „Beide hatten in der entscheidenden parlamentarischen Phase das politische Augenmaß, den Kompromiss in der Profession zu suchen und zu finden, der in diesem Moment politisch umsetzbar war.“

Das Psychotherapeutengesetz, das am 1. Januar 1999 in Kraft trat, ist nach Ansicht der BPtK ein entscheidender Schritt zur Verbesserung der Versorgung psychisch Kranker gewesen. Seither können sich Menschen mit psychischen Beschwerden direkt an einen Psychologischen Psychotherapeuten (PP) oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) wenden. Auf deren Qualifikation können sich die Patienten verlassen, da alle über eine Ausbildung mit Staatsprüfung und Approbation verfügen und der Aufsicht der Kammern unterliegen. Das Psychotherapeutengesetz war die Grundlage für die Integration der PP und der KJP in die Regelversorgung der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung.

Weiterbildung Spezielle Schmerzpsychotherapie

Der 33. Deutsche Psychotherapeutentag hat einem Antrag zugestimmt, der eine Weiterbildung in Spezieller Schmerzpsychotherapie (SSPT) für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten ermöglicht. Die SSPT wird damit in die Musterweiterbildungsordnung (MWBO) der Bundes­psycho­therapeuten­kammer aufgenommen. Bisher war sie nur von der Psychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz als Weiterbildung anerkannt. Die Psychotherapeutenkammern der übrigen Bundesländer sind nun gefordert, die SSPT in ihre Weiter­bildungs­ordnungen aufzunehmen.

Die Erweiterung der MWBO um die Spezielle Schmerzpsychotherapie sei „besonders notwendig im Hinblick auf die bereits vorgenommen und noch kommenden Veränderungen der ICD-11“, heißt es in der Begründung des Antrags. Chronischer Schmerz werde als eigenständige Diagnose außerhalb des F-Kapitels klassifiziert, unabhängig von der Zuordnung inhaltlich aber als biopsychosoziales Phänomen mit der Indikation zur interdisziplinären multimodalen Behandlung definiert. Eine Weiterbildung in SSPT qualifiziere für einen Bereich, der nicht zu den „klassischen psychotherapeutischen Arbeitsfeldern gehört und somit eine Erweiterung des Behandlungsspektrums bedeute.

Der Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD) begrüßte die Entscheidung: „Das ist ein echter Meilenstein in der Schmerzmedizin. Interdisziplinarität und koordinierte strukturierte Teamarbeit sind das Herzstück einer modernen multimodalen schmerzmedizinischen Versorgung.“

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