ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2018Interview: Keine sachliche Grundlage
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Das Fachkollegium „Psychologie“, der Sprecher der Begutachtungsgruppe „Klinische Studien“ und die Geschäftsstelle der Deutschen Forschungsgemeinschaft möchten hiermit mit Nachdruck den Behauptungen und Anschuldigungen gegenüber der Förderpraxis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) entgegnen, die Professor Dr. Falk Leichsenring in dem Interview formuliert hat.

Alle Programme der DFG sind themenoffen. Damit entscheiden die Antragstellenden selbst, für welche Art von Forschung sie Projekte beantragen, die dann gegebenenfalls gefördert werden. Ist eine Forschungsrichtung in der Förderung wenig repräsentiert, ist dies primär eine Folge davon, dass in dieser Richtung wenige Anträge gestellt werden. Aufgabe des von der wissenschaftlichen Gemeinschaft gewählten Fachkollegiums Psychologie (ebenso wie aller anderer Fachkollegien) ist es, im Bewertungsprozess von Forschungsanträgen unabhängig von inhaltlichen Ausrichtungen aktuelle wissenschaftliche Standards und Kriterien zugrunde zu legen, die ein faires und systematisches Bewerten eines jeden Antrags im Vergleich zu anderen um Fördermittel konkurrierenden Anträgen ermöglichen. Um dies zu erreichen, werden Gutachten von Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland, aus der Psychologie und verwandten Fächern (zum Beispiel Psychiatrie, Psychosomatik) eingeholt. Damit ist sichergestellt, dass bei Anträgen aus dem Bereich psychodynamischer und anderer Therapieansätze genügend Experten zur Verfügung stehen. Zudem werden im Fachkollegium Psychologie immer sowohl fachnahe wie auch fachferne Stellungnahmen bezüglich formaler wissenschaftlicher Kriterien (zum Beispiel theoretische Fundierung, Güte von Forschungsdesigns) eingefordert. Dass auch Projekte mit psychodynamischem Fokus substanziell gefördert werden und wurden, ist in der GEPRIS-Datenbank der DFG öffentlich recherchierbar. Dass die DFG abgelehnte Projekte nicht öffentlich macht, sollte aus Gründen des Schutzes der Person der Antragsteller und Antragstellerinnen und des geistigen Eigentums an ihren Forschungsideen nachvollziehbar sein.

Die Wahl des Fachkollegiums erfolgt nach transparenten Regeln. Im Gegensatz zu den Behauptungen von Prof. Leichsenring sind im Bereich der Klinischen Psychologie seit vielen Jahren Experten mit verhaltenstherapeutischem und psychodynamischem Hintergrund vertreten; gleiches gilt für die DFG-Begutachtungsgruppe für Klinische Studien.

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Wir weisen nachdrücklich darauf hin, dass es ganz grundsätzlich dem Rollenverständnis von Fachkollegiaten widerspricht, das Feld der eigenen Expertise oder eigener wissenschaftlicher Vorlieben besonders zu fördern.

Wir bedauern, dass Prof. Leichsenring einen „ganz besorgniserregenden Zustand“ skizziert, der jeglicher sachlichen Grundlage entbehrt.

Brunna Tuschen-Caffier, Winfried Rief, Bernhard Strauß, et al., Fachkollegium „Psychologie“, Sprecher der Begutachtungsgruppe „Klinische Studien“ und der Geschäftsstelle der DFG, 53175 Bonn

Interview

Nur etwa die Hälfte der psychisch kranken Patienten profitiert von Psychotherapie. Falk Leichsenring fordert deshalb ein Umdenken vor allem hinsichtlich der Übermacht der Verhaltenstherapie. (Heft 10/2018: „Interview mit Prof. Dr. rer. nat. Falk Leichsenring ‚
Wir brauchen eine Vielfalt an evidenzbasierter Psychotherapie‘“ von Petra Bühring)

Zu vieles unberücksichtigt

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