ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2018Psychotherapiemethoden: EMDR kann auch bei Depressionen wirken

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Psychotherapiemethoden: EMDR kann auch bei Depressionen wirken

PP 17, Ausgabe Dezember 2018, Seite 566

Gießelmann, Kathrin

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Seit Anfang 2015 ist das Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) als Psychotherapiemethode in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung bei posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) anerkannt. 2 Studien in Frontiers of Psychology bestätigen jetzt, dass die EMDR-Therapie auch bei der Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen mindestens gleichwertig mit bislang angewendeten Psychotherapieformen ist.

Seit vielen Jahren ist bekannt, das belastende Lebensereignisse die Entstehung depressiver Störungen beeinflussen. Deshalb verfolgt die Forschungsgruppe EDEN (European Depression EMDR Network) seit 7 Jahren das Ziel, Erlebnisse, die mit der Entstehung der Depression verbunden sind, mit EMDR zu verarbeiten. Die EMDR nutzt die gezielte Aktivierung von Erinnerungen an traumatische Erlebnisse bei gleichzeitigen starken Augenbewegungen, damit ein Patient belastende Erlebnisse verarbeiten kann.

Die EDEN-Gruppe hatte schon 2 kontrollierte Studien veröffentlicht, die auf eine hohe Wirksamkeit der EMDR-Methode bei depressiven Störungen und vor allem auf eine tendenziell höhere Anzahl von kompletten Remissionen durch eine EMDR-Behandlung hingewiesen haben. Dies wird nun von 2 weiteren, randomisierten kontrollierten Studien bestätigt. Eine der Studien untersuchte 82 depressive Patienten, die ambulant mit je 16 Sitzungen EMDR beziehungsweise kognitiver Verhaltenstherapie behandelt wurden. Die 2. Studie untersuchte 30 depressive Patienten, die stationär mit Gruppentherapie mit zusätzlichen Einzelsitzungen beziehungsweise EMDR-Einzelsitzungen behandelt wurden.

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„Die Studien zeigen mindestens eine Gleichwertigkeit einer EMDR-Behandlung mit den Kontrollgruppen“, erläutert Arne Hofmann, Leiter des EMDR-Instituts Deutschland und einer der Studienleiter. Zusätzlich weisen alle 4 Studien darauf hin, dass eine komplette Remissionen mit einem BDI-II (Beck-Depressions-Inventar 2) unter 9 Punkten nach einer EMDR-Behandlung häufiger auftritt. So sank der BDI-II in der EMDR-Gruppe bei 7 von 14 Patienten unter 9 Punkte, während dies nur bei 4 von 16 Patienten in der Kontrollgruppe der Fall war. „Dies könnte ein Hinweis auf einen erhöhten Schutz vor depressiven Rückfällen nach EMDR Behandlung sein“, schlussfolgert Hofmann.

Die schlecht behandelbare Rückfallneigung von etwa 50 % in 2 Jahren bleibt ein dauerndes Problem bei Depressionen. Einer der wichtigsten Risikofaktoren für solche Rückfälle besteht darin, dass nach der letzten depressiven Episode keine vollständige Remission der Depression stattgefunden hat.

Die Autoren weisen aber auch darauf hin, dass depressive Störungen vielfältig sind und die Ergebnisse daher vorsichtig interpretiert werden müssen. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen mit größeren Patientenzahlen und längeren Nachbefragungen sind daher geplant. gie

Hase M, Plagge J, Hase A, et al.: Eye Movement Desensitization and Reprocessing Versus Treatment as Usual in the Treatment of Depression: A Randomized-Controlled Trial. Front Psychol 2018; doi.org/10.3389/fpsyg.2018.01384.

Ostacoli L, Carletto S, Cavallo M., et al.: Comparison of Eye Movement Desensitization Reprocessing and Cognitive Behavioral Therapy as Adjunctive Treatments for Recurrent Depression: The European Depression EMDR Network (EDEN) Randomized Controlled Trial. Front Psycho. 2018; doi.org/10.3389/fpsyg.2018.00074.

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