ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2018Psychodynamische Psychotherapie: Praxisbezogener Begleiter im Antragswesen

BÜCHER

Psychodynamische Psychotherapie: Praxisbezogener Begleiter im Antragswesen

PP 17, Ausgabe Dezember 2018, Seite 568

Golombek, Jürgen

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die überarbeitete Auflage stellt zu Beginn übersichtlich die durch die Psychotherapie-Richtlinien bedingten Neuerungen vor. Dieter Adler geht es darum, eine praktisch-effiziente Hilfestellung für die bei den meisten Therapeuten unbeliebten Antragsberichte zu geben und wendet sich dabei an Ausbildungsteilnehmer und erfahrene Kollegen. In erfrischender, aber auch mahnend-nachdenklicher Form geht er auf die Vorbehalte in der Profession gegenüber dem Gutachterverfahren ein, aber auch auf Schreibhemmnisse. Er verweist darauf, das Verfahren weder über- noch unterzubewerten.

Adler verbindet sein persönliches Vorgehen immer wieder mit klaren Fragen und nützlichen Hinweisen und macht damit Mut, durch eigene kreative Vielfalt die Individualität des Patienten im Bericht sichtbar zu machen. Es komme nicht darauf an, durch theoretische Abhandlungen zu brillieren, sondern den Patienten anschaulich verstehend einzuordnen. Berichte sollten lesbar und auch spannend geschrieben sein. Die literarischen Ambitionen sollten indes, auch von Gutachterseite, nicht zu hoch gehängt werden.

Anzeige

Die Annahme, dass der Abschnitt des psychischen Befundes vom Gutachter nicht ganz so streng bearbeitet wird, mag leider zutreffen. Verkannt wird dabei aber die Bedeutung, den der psychopathologische Befund für die Ableitung der ICD-10-Diagnose und damit der Feststellung der Krankheitswertigkeit hat, die sich nicht automatisch aus den subjektiven Beschwerdeschilderungen der Patienten ergibt. Der wiederholte Hinweis auf aktualpathogenetische Auslöser sollte stärker gewichtet werden, da sich oftmals die Psychodynamik auf Vergangenheitsaspekte zentriert. Im Abschnitt Behandlungsplanung verfällt der Autor teilweise selbst in allgemeine Zielstellungen zulasten individueller Ziele, im Teil der Musterberichte ist dies differenziert etwas klarer.

Das größte Interesse dürften beim Leser die Mustertexte wecken. Das Beibehalten der praktischen Beispiele aus der 1. Auflage und deren Anpassung an die neue Gliederung des Antragsberichtes gewährleisten Nachvollziehbarkeit, führen aber auch dazu, dass Anamnese und Psychodynamik einen Umfang vorgeben, der gerade reduziert werden sollte. Es bleibt aber unbenommen, dass eine Kürzung auch eine Leistung ist und es wesentlich auf eine nachvollziehbare Verknüpfung von Lebensgeschichte und psychodynamischen Überlegungen ankommt. Empfehlenswert ist, auf die Möglichkeiten der Gruppenpsychotherapie mehr einzugehen, auch wann eine Kombinationsbehandlung indiziert ist. Der Hinweis, dass nicht festgelegt ist, wer bei einer Kombinationsbehandlung den Antragsbericht schreibt, ist richtig, im Bericht müssen aber beide Behandlungspläne erscheinen und begründet sein. Bedauerlich ist, dass das Stichwortverzeichnis entfallen ist.

Adler gelingt es, den oft unerwünschten Bestandteil der Bericht-erstellung als Prozessmerkmal der Psychotherapie zu integrieren. Er empfiehlt sich mit seinem pragmatischen und praxisbezogenen Herangehen als Begleiter im Antragswesen. Jürgen Golombek

Dieter Adler: Der Antrag auf psychodynamische Psychotherapie. Ein Leitfaden zur Berichterstellung (inklusive Kinder- und Jugendlichen- und Gruppenpsychotherapie). Psychosozial-Verlag, Gießen 2018, 564 Seiten, gebunden, 59,90 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema