ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2018Somatische Differenzialdiagnosen: Wichtige Hilfe zur Vermeidung von Fehlern

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Somatische Differenzialdiagnosen: Wichtige Hilfe zur Vermeidung von Fehlern

PP 17, Ausgabe Dezember 2018, Seite 570

Koch, Joachim

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Die Herausgeber weisen auf die Gefahr des „psychogenen Fehlurteils“ hin und wollen mit diesem Buch dazu beitragen, dass die Diagnose „psychogen“ weniger häufig eine Fehldiagnose darstellt: Es geht um die Verkennung einer körperlich bedingten Erkrankung als „psychogen“ oder als „psychisch bedingt“. Es soll damit ein Beitrag dazu geleistet werden zu verhindern, dass therapeutische Bemühungen in die völlig falsche Richtung gehen. Keinesfalls wollen die Herausgeber – wie sie ausdrücklich betonen – substanzielle Erkenntnisse der psychosomatischen Medizin relativieren oder infrage stellen.

Das Buch besteht aus zwei großen Teilen. Im ersten werden wichtige grundlegende Aspekte der somatopsychischen Differenzialdiagnostik und ihrer möglichen Fehler behandelt. Im zweiten, weit umfassenderen speziellen Teil ist wichtiges Wissen für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zur Differenzialdiagnose von somatischen Beschwerden und Erkrankungen zusammengestellt. Dabei werden umfassend Symptome sowie Krankheitsbilder behandelt.

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Bei den Symptomen geht es beispielsweise um Schmerz, Erschöpfung und Müdigkeit, Depression, Angst, Schwindel, herzbezogene Beschwerden oder Verdauungsstörungen. Systematisch wird in jedem Unterkapitel zuerst auf die Arten der Beschwerdeschilderung eingegangen. Dann geht es um Hinweise auf eine organische Genese. Bei depressiven Symptomen wird beispielsweise darauf hingewiesen, dass Depressionen bei einer großen Anzahl somatischer Erkrankungen auftreten, die dann aufgezählt werden. Im Folgenden geht es um Hinweise auf eine psychosomatische Genese oder Psychogenie. Abschließend werden mögliche diagnostische Fehler behandelt und Möglichkeiten ihrer Vermeidung diskutiert.

Der umfassendste Teil des Buches behandelt Krankheitsbilder, die systematisch auf über 300 Seiten von „Kopf bis Fuß“ dargestellt werden. Als Beispiel seien hier die Demenzen beschrieben, um die es auf gut drei Seiten geht. Nach einer Definition werden die ersten Anzeichen einer Demenz beschrieben. Dann werden somatische beziehungsweise neurologische Symptome besprochen, im folgenden psychische Symptome. Nach Bemerkungen zur Diagnostik werden „Fallstricke“ der somatischen Diagnostik behandelt. Danach geht es um die Fragestellung, warum das Krankheitsbild leicht übersehen werden kann. In einem ausführlichen Fallbeispiel geht es um eine Patientin mit einer depressiven Symptomatik, bei der dann eine Alzheimer-Erkrankung mit frühem Beginn festgestellt werden konnte. Im letzten Punkt des Unterkapitels werden therapeutische Optionen und Gefahren behandelt.

Viele Fallbeispiele zeigen Praxisnähe und tragen zum Verständnis bei. Bei einem Patienten war Polymyalgia rheumatica die richtige Diagnose statt Burn-out, bei einem anderen lag eine Autoimmunadrenalitis vor statt psychogenem Erbrechen. Psychosomatische Beschwerden konnten mit einem hormonaktiven Nebennierentumor in Verbindung gebracht werden statt mit einem Fluchttrauma. Die lexikonartige Darstellung des Themas lässt das Buch auch gut als Nachschlagewerk verwenden. Joachim Koch

Ulrich Lamparter, Hans-Ulrich Schmidt (Hrsg.): Wirklich psychisch bedingt? Somatische Differenzialdiagnosen in der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie. Schattauer Verlag, Stuttgart 2018, 472 Seiten, gebunden, 59,99 Euro

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