ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2018Marburger Bund: Acht Stunden
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Im Artikel über die Haupt­ver­samm­lung des Marburger Bundes schildern Sie die Einigkeit der Delegierten, die ärztlichen Arbeitsbedingungen zu verbessern. Für die Berichterstattung und Ihr Verständnis für die Situation in den Kliniken möchte ich Ihnen danken.

An späterer Stelle werde ich mit dem Redebeitrag namentlich zitiert: „Ich weiß von vielen Kollegen, die sagen, sie können die Arbeit in dieser Intensität nicht mehr leisten.“ Leider fehlt der Bezug zur Debatte über Zwölf-Stundenschichten an Wochentagen. Ich bat die Mitglieder der Tarifkommission, diese überlangen Dienste an Wochentagen hinsichtlich des Gesundheitsschutzes zu überdenken.

Bereits jetzt ermöglicht das Arbeitszeitgesetz zwölf Stunden in vollkontinuierlichen Schichtbetrieben an Sonn- und Feiertagen abzuleisten, wenn dadurch zusätzliche freie Schichten an solchen Tagen erreicht werden (§ 12 Abs. 4 ArbZG). Ebenso bietet der Tarifvertrag Öffnungsklauseln für den Acht-Stunden-Tag (§7, Abs. 4 u. 5 TV-Ä/VKA). Viele Beschäftigte wünschen die Ausweitung der Arbeitstage auf zehn bis zwölf Stunden, um dadurch mehr freie Tage zu erhalten.

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Lange Schichten berücksichtigen jedoch nicht die Bedürfnisse von älteren oder gesundheitlich eingeschränkten Beschäftigten. Auch werden sie all denjenigen, die nach solchen überlangen Schichten noch häusliche Aufgaben erfüllen müssen und von ihren Kindern lange vermisst werden, nicht gerecht. Der Acht-Stunden-Tag nach der Idee Robert Owens „Eight hours labour, eight hours recreation, eight hours rest“ ist auch heute noch eine wichtige Grundlage für die Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf. Was hart erkämpft wurde, sollte nicht zur Vereinfachung des Dienstplanschreibens aufgegeben werden – auch wenn Nachbarländer diesen Weg bereits gehen.

Dr. med. Ursula von Gierke, 80803 München

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