ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2018Elektronische Kommunikation: Ein guter Schritt nach vorn

SEITE EINS

Elektronische Kommunikation: Ein guter Schritt nach vorn

Dtsch Arztebl 2018; 115(50): A-2321 / B-1903 / C-1877

Schmedt, Michael

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur
Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur

Wer würde sich auf dem Gabentisch zu Weihnachten nicht über ein Paket „Zeitersparnis“ freuen? Erst recht Ärztinnen und Ärzte, die mit Stress und Bürokratie zu kämpfen haben. Sind dann aber im Weihnachtspaket „digitale Prozesse“ zu finden, kann die Freude schnell umschlagen. Denn das Heilsversprechen der Digitalisierung geht zumindest gefühlt oft am Einzelnen vorbei. Bedürfnisse und Anforderungen derjenigen, die in ihrem Arbeitsalltag digitale Vorteile erwarten, werden zu wenig gehört. Und zu selten wird die Frage nach der Praxistauglichkeit gestellt.

Beispiel elektronische Patientenakte: Die Krankenkassen wollten nicht auf einheitliche Spezifikationen für eine elektronische Patientenakte (ePA) warten und preschten mit Eigenentwicklungen, den elektronischen Gesundheitsakten (eGA), vor. Techniker Krankenkasse (TK), AOK und die private Allianz mit weiteren gesetzlichen Krankenkassen sind zurzeit die drei potenziellen großen Anbieter. Damit haben die Kassen zwar den notwendigen Schwung in die Entwicklung solcher Akten gebracht. Aber mit einer fehlenden Interoperabilität, was zur Sorge aufseiten der Ärzte geführt hat.

Anzeige

Zur ePA gehören eben immer zwei: Patient und Arzt. Und diese Beziehung gerät schnell in Schieflage, wenn drei Versicherte mit jeweils verschiedenen Aktenmodellen ihre Daten vom Arzt haben möchten. Dass hier die Akzeptanz des Arztes gering ist, verwundert nicht. Wer möchte schon Daten mühsam aus dem Praxisverwaltungssystem (PVS) kopieren, um diese mit dem entsprechenden Mehraufwand weiterzuleiten oder auf einen Datenträger zu kopieren? Das lässt unzufriedene Patienten und Ärzte zurück. Die Frage der Praxistauglichkeit ist schlicht mit einem „Nein“ zu beantworten.

Jetzt haben Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und TK angekündigt, dass rund 12 000 Arztpraxen ihre patientenbezogenen Laborbefunde, Arztbriefe, Röntgenbilder und weiteren Unterlagen direkt aus ihrer Praxissoftware in die eGA der Kasse, „TK-Safe“, senden können. Hinter dieser Ankündigung verbirgt sich noch viel mehr: Es ist genau die einfache praxistaugliche Lösung, die bislang fehlte. Und sie ist nicht TK-spezifisch, sondern eine offene Lösung, die für alle Anbieter einer eGA nutzbar ist.

Möglich macht dies die Kommunikationsschnittstelle KV-Connect der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), die Ärzte, Psychotherapeuten, KVen und weitere medizinische Partner bereits nutzen. Die KV Telematik hat die Schnittstelle um die Kommunikation mit mobilen Geräten erweitert. Eine neue Software ist dafür nicht notwendig, denn die Schnittstelle ist in allen rund 170 PVS vorhanden. Der Arzt aktiviert einfach den KV-Connect-Account bei seiner KV und bucht das entsprechende Modul für den elektronischen Arztbrief in seinem PVS. Wie beim Versenden eines elektronischen Arztbriefes schickt der Arzt direkt aus dem PVS verschlüsselt dem Patienten die gewünschten Daten, die dann in dessen App landen. Die Integrität der Daten ist immer gewährleistet. Zudem kann der Arzt künftig einfacher seiner schon im Patientenrechtegesetz festgelegten Verpflichtung nachkommen, Patienten ihre Daten elektronisch zur Verfügung zu stellen. Die viel beschworene Interoperabilität ist mit der KV-Connect-Schnittstelle in Falle der ePA Wirklichkeit geworden. Dies wird den digitalen Austausch fördern und Zeit und Mühe sparen. Denn die Wünsche der Patienten nach ihren Daten per App werden kommen, so oder so.

Michael Schmedt
Stellv. Chefredakteur

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige