ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2018Tiefe Venenthrombose: Beginnt die Kompressionstherapie sofort nach Diagnose, ist der Effekt am höchsten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Tiefe Venenthrombose: Beginnt die Kompressionstherapie sofort nach Diagnose, ist der Effekt am höchsten

Dtsch Arztebl 2018; 115(50): A-2360 / B-1930 / C-1901

Vetter, Christine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: ras-slava/ stock.adobe.com
Foto: ras-slava/ stock.adobe.com

Bei einer tiefen Venenthrombose (DVT) kann der Blutfluss aus der Peripherie zum Herzen gestört sein. Ob durch sofortige Kompressionstherapie nach Diagnose eine residuale Venenokklusion (residual vein occlusion; RVO) abzuwenden und damit der Entwicklung eines postthrombotischen Syndroms entgegenzuwirken ist, war Fragestellung einer präspezifizierten Subgruppenanalyse der Studie IDEAL DVT. Dazu wurde bei 592 Erwachsenen mit objektiv bestätigter proximaler DVT innerhalb der ersten 24 Stunden nach 3 unterschiedlichen Regimen behandelt: entweder keine Kompressionstherapie oder eine Kompressionstherapie mit elastischen Binden oder mit einem angepassten Kompressionsstrumpf. Nach dieser initialen Phase trugen alle Studienteilnehmer 6 Monate lang einen Kompressionsstrumpf und sie erhielten 3 Monate lang eine Antikoagulation.

In der Gruppe, die sofort nach der Diagnosestellung eine Kompressionstherapie erhielt, zeigte sich bei signifikant weniger Patienten eine RVO (46,3 % vs. 66,7 %; Odds Ratio [OR]: 0,46; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [0,27; 0,80]; p = 0,005). Die relative Risikominderung für eine RVO, definiert als thrombotisches Material von mindestens 2 Millimetern Durchmesser, betrug 20 %.

In der Patientengruppe ohne RVO entwickelte sich außerdem mit 46 % vs. 54 % seltener ein postthrombotisches Syndrom (OR: 0,65; [0,46; 0,92]; p = 0,013). Dies entspricht einer Reduktion um 8 %. Hinsichtlich des Auftretens eines Rezidivs bestand keine Assoziation zum RVO. Unerwünschte Begleitwirkungen der Kompressionstherapie wurden nicht beobachtet.

Fazit: „Die Studie belegt den doppelten Nutzen des sofortigen Beginns der Kompressionstherapie unmittelbar zum Zeitpunkt der Diagnose DVT“, kommentiert Prof. Dr. med. Markus Stücker vom Venenzentrum der Dermatologischen und Gefäßchirurgischen Kliniken, Ruhr-Universität Bochum, und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie das Ergebnis. Zum einen bilde sich die Thrombusmasse rascher zurück, was sich für den Patienten in einem schnelleren Schmerzrückgang äußere. Zum anderen sinke die Wahrscheinlichkeit eines postthrombotischen Syndroms, erläutert Stücker. „Außerdem verstehen wir durch diese Studie noch besser, warum eine Kompressionstherapie, die erst 14 Tage nach Diagnosestellung beginnt, weder die thromboseassoziierten Schmerzen lindern noch ein postthrombotisches Syndroms verhindern kann“, so der Phlebologe. In der Praxis sollte nach seiner Empfehlung die Kompressionstherapie bei starken Ödemen zunächst mit Kompressionsbandagen begonnen werden, um dann nach Abschwellen auf Kompressionsstrümpfe überzugehen. Christine Vetter

Amin EE et al.: Residual vein occlusion in rela-tion to immediate compression and post thrombotic syndrome in deep vein thrombosis, Blood 2018; doi:10.1182/blood-2018–03–836783.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema