ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2018Psoriasis und Herzinsuffizienz: Aortale Inflammation könnte Surrogatmarker für frühe koronare Herzerkankung sein

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Psoriasis und Herzinsuffizienz: Aortale Inflammation könnte Surrogatmarker für frühe koronare Herzerkankung sein

Dtsch Arztebl 2018; 115(50): A-2362 / B-1931 / C-1902

Eckert, Nadine

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Foto: picture alliance
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Entzündliche Veränderungen in den Blutgefäßen sind ein wesentlicher Faktor für die Entstehung von Atherosklerose. Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die mit vaskulärer Inflammation und einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse einhergeht. In einer Querschnittstudie mit 215 Psoriasis-Patienten ist untersucht worden, ob die aortale Inflammation – gemessen mit 18F-FDG-PET/CT – mit verschiedenen Indizes einer koronaren Herzkrankheit (KHK) assoziiert ist und sich möglicherweise als Surrogatmarker für eine frühe KHK eignen könnte.

Eine 18F-FDG-PET/CT der Aorta erfolgte bei allen Patienten und bei 190 zusätzlich eine koronare CT-Angiografie, um Anzeichen einer KHK nachzuweisen. Patienten mit verstärkter aortaler Inflammation hatten mehr atherosklerotische Plaques (standardisiertes β = 0,48; p < 0,001) und eine höhere Prävalenz an luminalen Stenosen (Odds Ratio [OR]: 3,63; 95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [1,71; 7,70]; p = 0,001) und Hochrisiko-Plaques (OR: 3,05 [1,42; 6,47] p=0,004). Verantwortlich für die Assoziation zwischen der aortalen Inflammation und der Plaquelast insgesamt war primär die Menge an nicht kalzifizierten Plaques (β = 0,49; p < 0,001). Der Zusammenhang zwischen aortaler Inflammation und Hochrisiko-Plaques ging dagegen vor allem auf Plaques mit geringer Abschwächung des CT-Signals zurück (OR: 5,63 [1,96; 16,19] p = 0,001). Alle Assoziationen blieben bei Berücksichtigung klassischer kardiovaskulärer Risikofaktoren signifikant: aortale Inflammation und Plaque-Last insgesamt (β = 0,23; p < 0,001), nicht kalzifizierte Koronar-Plaques (β = 0,24; p < 0,001), luminale Koronarstenosen (OR: 3,40 [1,40; 8,24]; p = 0,007) und Hochrisiko-Plaques (OR: 2,72 [1,08; 6,83]; p = 0,03). Zwischen aortaler Inflammation und der Last an dicht kalzifizierten Plaques gab es keine Assoziation.

Fazit: „Die Assoziation zwischen Psoriasis und KHK geht nicht nur auf das vermehrte Vorkommen klassischer kardiovaskulärer Risikofaktoren bei Psoriasis-Patienten zurück, sondern die schwere Psoriasis ist ein eigenständiger, unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor“, erklärt Dr. med. Susanne Karbach vom Zentrum für Kardiologie, Kardiologie 1 und Centrum für Thrombose und Hämostase an der Uniklinik Mainz. Die aktuelle Studie zeige, dass die vaskuläre Inflammation bei Psoriasis mit einer erhöhten KHK-Inzidenz assoziiert sein könnte. Der Zusammenhang zwischen aortaler Inflammation und KHK sei für das Monitoring unter antiinflammatorischer Therapie potenziell von großer Bedeutung. „Es liegt nahe, dass dies auch bei anderen chronisch-inflammatorischen Krankheitsbildern der Fall ist. Weitere Studien, auch unabhängig von der Psoriasis, müssen dies untersuchen“, ergänzt Karbach. Es bleibe zudem unklar, ob sich dieser Zusammenhang auch bei den klinisch relevanten Koronarstenosen zeigt. Für den klinischen Alltag gelte: „Bei chronisch-inflammatorischen Erkrankungen wie Psoriasis ist aus kardiologischer Sicht Wachsamkeit angeraten – oft liegt eine KHK vor. Zukünftig könnte der Nachweis einer aortalen Inflammation ein Parameter sein, um die KHK zu einem frühen Zeitpunkt zu detektieren und zu behandeln.“ Nadine Eckert

Joshi AA, Lerman JB, Dey AK, et al.: Association between aortic vascular inflammation and coronary artery plaque characteristics in psoriasis. JAMA Cardiology 2018; 3: 949–56.

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