ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2018Öko­nomi­sierung: Fachgesellschaften sehen Qualität der Medizin bedroht

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Öko­nomi­sierung: Fachgesellschaften sehen Qualität der Medizin bedroht

Dtsch Arztebl 2018; 115(50): A-2328 / B-1908 / C-1882

Maybaum, Thorsten; EB

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Ärzte, Pflegekräfte und Krankenhausleitung sollten auf Augenhöhe agieren können. Foto: mauritius images
Ärzte, Pflegekräfte und Krankenhausleitung sollten auf Augenhöhe agieren können. Foto: mauritius images

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) sieht die Qualität in der Medizin durch die zunehmende Öko­nomi­sierung bedroht. Um dem einen Riegel vorzuschieben, mahnt sie verschiedene Ansatzpunkte an, die in einer aktuellen Stellungnahme zu „Medizin und Ökonomie“ zusammengefasst wurden. Der Fokus liegt laut AWMF vornehmlich im ersten Schritt auf dem Krankenhaussektor. Man sei sich aber bewusst, dass Lösungen über alle Sektorengrenzen hinweg notwendig seien. Weil zeitlicher Aufwand für die Kommunikation mit Patienten derzeit kaum im System der diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRG) berücksichtigt werden, muss dieser aus Sicht der AWMF angepasst werden. „Künftig müssen zeitliche Aufwände für das Arzt-Patienten-Gespräch, aber auch die Abstimmung mit anderen Fachkollegen in die Berechnung deutlich mehr einfließen“, forderte AWMF-Präsident Prof. Dr. med. Rolf Kreienberg. Dies werde immer wichtiger, da Patienten zunehmend mehrfach und chronisch erkrankt seien und eine ganzheitliche Betreuung durch verschiedene Experten benötigten. Als wichtigen Punkt nennt die AWMF beispielsweise auch, die Entscheidungsbefugnisse der Ärzte und Pflegekräfte im Krankenhaus auszuweiten. So sei eine gemeinsame Krankenhausführung notwendig, in der Ärzte und Pflegende mit kaufmännischen Direktoren auf Augenhöhe Entscheidungen treffen. Basis dafür sollte ein Wertemanagement sein, das nicht nur an betriebswirtschaftlichen Zielen ausgerichtet sei, sondern medizinische Überlegungen und Patientenorientierung integriere. Ursache für die teils schwierige Arbeitssituation in den Kliniken ist aus Sicht der AWMF nicht zuletzt der betriebswirtschaftliche Erfolgsdruck und die dadurch bedingte Mengenausweitung der vergangenen Jahre. may/EB

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