ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2018Akut dekompensierte Herzinsuffizienz: Neprilysin-Inhibitor klinisch vorteilhafter als ACE-Hemmer

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Akut dekompensierte Herzinsuffizienz: Neprilysin-Inhibitor klinisch vorteilhafter als ACE-Hemmer

Dtsch Arztebl 2018; 115(50): A-2364 / B-1932 / C-1903

Meyer, Rüdiger

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Foto: CLIPAREA.com/ stock.adobe.com
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Eine Behandlung mit dem Neprilysin-Inhibitor Sacubitril, der in fester Kombination mit dem Angiotensin-Antagonisten Valsartan zur Behandlung einer chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HF-REF) zugelassen ist, kann nach Studienlage auch bei einer akuten Exazerbation der Erkrankung begonnen werden.

Leitliniengerechte Therapien für eine akute Dekompensation einer Herzinsuffizienz sind beschränkt. Eine frühere Studie (PARADIGM-HF) hat ergeben, dass Sacubitril-Valsartan im Vergleich zu Enalapril die kardiovaskulären Todesfälle oder Fälle von Herzinsuffizienz senkte. Patienten, die mit akuter Dekompensation einer Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingeliefert wurden, waren jedoch von dieser Studie ausgeschlossen.

In der Anschlussstudie PIONEER-HF wurden nun eben solche Patienten (n = 881) untersucht (linksventrikuläre Ejektionsfraktion unter 40 %). Bei den Patienten war der NT-proBNP-Wert auf über 1 600 pg/ml oder der BNP auf über 400 pg/ml angestiegen, was eine akute Dekompensation anzeigt.

Wie Eric Velazquez von der Yale School of Medicine in New Haven/Connecticut und Mitarbeiter berichten, kam es in beiden Gruppen zu einem Rückgang des NT-proBNP-Werts. Er setzte allerdings unter der Behandlung mit Sacubitril/Valsartan rascher ein und war insgesamt deutlicher ausgeprägt. Schon nach einer Woche waren die Unterschiede signifikant. In den Wochen 4 und 8 betrug der Rückgang in der Sacubitril/Valsartan-Gruppe 46,7 % und in der Enalapril-Gruppe 25,3 %. Velazquez ermittelt eine „Ratio of change“ von 0,71, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,63 bis 0,81 noch signifikant war. Auch die Troponinkonzentration, die eine Schädigung des Herzmuskels anzeigt, ging unter der Behandlung mit Sacubitril/Valsartan schneller zurück. Die „Ratio of change“ betrug 0,85 (0,77–0,94). Die beiden Studiengruppen unterschieden sich nicht in Bezug auf Verschlechterung der Nierenfunktion, Hyperkaliämie, symptomatische Hypotonie oder Angioödeme.

Fazit: „Die raschere Erholung des Herzmuskels hatte klinische Vorteile für die Patienten“, so Velazquez: Der kombinierte Endpunkt aus Tod, Rehospitalisierung wegen Herzinsuffizienz, Implantation eines linksventrikulären Unterstützungssystems oder eine Beantragung einer Herztransplantation wurde zu 46 % seltener erreicht (Hazard Ratio 0,54; 0,37–0,79). Rüdiger Meyer

Velazquez EJ, et al.: Angiotensin-Neprilysin Inhibition in Acute Decompensated Heart Failure, N Engl j Med 2018, online 11. November

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