ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2018Zulassung zum Medizinstudium: Abitur bleibt das Herzstück

POLITIK

Zulassung zum Medizinstudium: Abitur bleibt das Herzstück

Dtsch Arztebl 2018; 115(50): A-2331 / B-1909 / C-1883

Richter-Kuhlmann, Eva

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Die Kultusminister der Länder haben den Entwurf eines neuen Staatsvertrags beschlossen, mit dem das Zulassungsverfahren zum Medizinstudium reformiert werden soll. Der Abiturnote messen sie weiterhin große Bedeutung bei, aber auch andere Kriterien sollen obligatorisch Eingang finden.

Eine hohe Prognosekraft für den Erfolg im Medizinstudium wird der Abiturnote attestiert. Erkenntnissen zufolge soll sie Aufschluss über allgemeine kognitive Fähigkeiten und persönlichkeitsbezogene Kompetenzen geben. Foto: dpa
Eine hohe Prognosekraft für den Erfolg im Medizinstudium wird der Abiturnote attestiert. Erkenntnissen zufolge soll sie Aufschluss über allgemeine kognitive Fähigkeiten und persönlichkeitsbezogene Kompetenzen geben. Foto: dpa

Erwartet worden war der Entwurf der Kultusministerkonferenz (KMK) zu einem neuen Staatsvertrag zur Vergabe von Medizinstudienplätzen schon länger, kurz vor Fristende haben die Länderminister ein Papier vorgelegt: Voraussichtlich ab Sommersemester 2020 können die begehrten Medizinstudienplätze nach neuen Quoten vergeben werden. Dabei wird die Wartezeitquote zugunsten einer Eignungsquote entfallen sowie die Abiturbestenquote erhöht. Gleichzeitig sollen notenunabhängige Kriterien obligatorisch und verstärkt in die Auswahlverfahren einbezogen werden. Kritiker sehen darin nicht den großen Fortschritt.

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Anlass für den neuen Entwurf ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Dezember vergangenen Jahres. Dieses hatte das Zulassungsverfahren zum Medizinstudium für teilweise mit dem Grundgesetz unvereinbar erklärt und den Gesetzgeber aufgefordert, bis Ende 2019 Neuregelungen zu schaffen.

Orientierung am Urteil

Beanstandet hatten die Karlsruher Richter die aktuelle hohe Zahl der Wartesemester sowie eine zu starke Berücksichtigung der Ortspräferenz als Zulassungskriterium. Für verfassungswidrig hielten sie auch, dass die Hochschulen bislang nicht gesetzlich verpflichtet sind, Medizinstudienplätze neben der Abiturbestenquote auch nach anderen eignungsrelevanten Kriterien zu vergeben. Den hohen Einfluss der Abiturnote beanstandeten sie dagegen nicht. Dieser sei „sachgerecht“, solange die unterschiedliche Notenhöhe in den Ländern durch Landesquoten ausgeglichen werde.

Der neue Entwurf orientiert sich deutlich an dem Urteil: Mehr Studienplätze als bisher (bis zu 20 Prozent) sollen künftig innerhalb einer Vorabquote vergeben werden. Damit ist es den Ländern individuell möglich, eine Quote für beruflich Qualifizierte ohne Abitur zu schaffen sowie Plätze vorab über eine Landarztquote zu vergeben. Die restlichen Plätze sollen wie folgt vergeben werden:

  • 30 Prozent über eine Abiturbestenquote: Diese wird damit sogar um 10 Prozent erhöht. Länderspezifische Unterschiede sollen auf der Basis von Prozentrangverfahren und unter Bildung von Landesquoten ausgeglichen werden.
  • 10 Prozent über eine Eignungsquote: Diese wird neu eingeführt und bewertet ausschließlich schulnotenunabhängige Kriterien. In einer Übergangsphase sollen hier auch Langzeitwartende Chancen auf einen Studienplatz bekommen.
  • 60 Prozent über die Auswahlverfahren der Hochschulen: Diese Quote bleibt im bisherigen Umfang erhalten. Die Fakultäten müssen jedoch künftig zwei schulnotenunabhängige Auswahlkriterien und einen spezifischen Studieneignungstest berücksichtigen. Eine Vorauswahl nach der Ortspräferenz darf nur in geringem Maße erfolgen.

Der Medizinische Fakultätentag (MFT) begrüßte, dass die KMK fristgerecht den Weg für einen neuen Staatsvertrag geebnet hat. „Allerdings ist es bedauerlich, dass die Vorabquoten für die Landarztquote ausgeweitet werden“, sagte MFT-Generalsekretär Dr. Frank Wissing dem Deutschen Ärzteblatt (). Diese sei wenig effektiv und schränke den Spielraum für andere Quoten ein. Auch Lisa Schmitz von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland ist diesbezüglich skeptisch. „Der Entwurf stellt kaum eine Verbesserung des Verfahrens dar“, sagte sie dem . Ebenso enttäuscht zeigte sich der Marburger Bund. Die KMK habe lediglich „einen „Formelkompromiss“ zustande gebracht. Die Überbetonung der Abiturnote würde weiter verstärkt.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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