ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2018Frühe Nutzenbewertung: Privatversicherte erhalten häufiger neue Medikamente

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Frühe Nutzenbewertung: Privatversicherte erhalten häufiger neue Medikamente

Dtsch Arztebl 2018; 115(50): A-2330

Korzilius, Heike

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Foto: by-studio/stock.adobe.com
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Neun der zehn umsatzstärksten Arzneimittel, die 2016 neu zugelassen wurden, erreichten im ersten Jahr nach der Zulassung deutlich höhere Marktanteile in der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) als es dem Anteil der PKV-Versicherten an der Gesamtbevölkerung von elf Prozent entspricht. Sie lagen zwischen 13 und 27 Prozent. 2014 lag der PKV-Marktanteil bei Medikamenten, die in diesem Jahr neu zugelassen wurden, bei 33 Prozent. In den beiden Folgejahren sank er auf 14 und 15 Prozent, weil sich in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) die Verordnungszahlen der betreffenden Medikamente fast verdoppelten. Das geht aus der jährlichen Analyse der Arzneimittelversorgung von Privatversicherten des Wissenschaftlichen Instituts der PKV hervor. Institutsleiter Frank Wild begründete die unterschiedliche Verordnungsweise bei privat und gesetzlich krankenversicherten Patienten mit den regulatorischen Unterschieden in beiden Systemen. Während den Ärzten im Rahmen der GKV beispielsweise bei unwirtschaftlicher Verordnung Regresse drohten, gebe es diese oder andere Steuerungsmechanismen in der PKV nicht. Ärzte hielten sich deshalb bei gesetzlich versicherten Patienten im ersten Jahr der Markteinführung mit der Verordnung von neuen Arzneimitteln zurück. Denn während dieser Zeit laufe die frühe Nutzenbewertung nach dem Arznei­mittel­markt­neuordnungs­gesetz noch. Erst nach deren Abschluss und dem Ende der anschließenden Preisverhandlungen zwischen Hersteller und GKV-Spitzenverband wüssten die Ärzte, ob eine Verordnung als wirtschaftlich gelte. Entsprechend erhöhten sich dann die Verordnungszahlen zulasten der GKV. Wirtschaftlichkeitsvereinbarungen und Rabattverträge, die für die Versorgung von GKV-Versicherten, nicht aber für die von PKV-Patienten gelten, führten auch zu unterschiedlichen Generikaquoten in beiden Systemen, sagte Wild. Die Situation bei biotechnologischen Wirkstoffen sei ähnlich. HK

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