ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2018Migräneprophylaxe: Subkutanes Galcanezumab senkt Zahl der Kopfschmerztage pro Monat

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Migräneprophylaxe: Subkutanes Galcanezumab senkt Zahl der Kopfschmerztage pro Monat

Dtsch Arztebl 2018; 115(51-52): A-2420 / B-1977 / C-1947

Gerste, Ronald D.

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Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com
Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com

Ein neuer pharmakologischer Ansatz der Behandlung von Migräne zielt auf das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP). Das Neuropetid ist im Plasma von Migränepatienten erhöht und kommt vor allem in den sensorischen Ganglien und dem Nervus trigeminus vor. Galcanezumab ist ein monoklonaler Antikörper, der selektiv an CGRP bindet.

In einer Phase-2b-Studie ist Galcanezumab in unterschiedlichen Dosierungen (5, 50, 120, 300 mg, je 1-mal monatlich injiziert) untersucht worden. Primäres Ziel der 3-monatigen Studie war festzustellen, ob mindestens eine Dosierung die Zahl der monatlichen Tage mit Migränekopfschmerz (MHD = migraine headache days) innerhalb von 9 und 12 Wochen reduziert.

238 Patienten erhielten Galcanezumab und 120 Placebo. Der primäre Endpunkt wurde mit 120 mg Galcanezumab erreicht: Die monatlichen MHD reduzierten sich um durchschnittlich 4,8 Tage, in der Placebogruppe waren es 3,7 Tage
(p < 0,01). Mit den anderen Dosierungen ging die Zahl der MHD-Tage ebenfalls stärker zurück als unter Placebo, doch erreichten diese Resultate keine statistische Signifikanz. Der positive Einfluss der Therapie auf die Lebensqualität, ermittelt mit dem Migraine-Specific Quality of Life Questionnaire (MSQ) und dem Headache Impact Test-6 (HIT-6), war ebenfalls unter 120 mg Galcanezumab signifikant. Der Anteil der Patienten mit unerwünschten Wirkungen unterschied sich aber kaum zwischen den Behandlungsgruppen und Placebo. Häufiger als bei Placebo waren vor allem Schmerzen an der Injektionsstelle, Infektionen der oberen Atemwege, Übelkeit, Nasopharyngitis und Dysmenorrhoe.

Fazit: „In dieser Dosisfindungsstudie wird ein statistisch signifikanter Effekt von 120 mg Galcanezumab bestätigt“, erklärt Prof. Dr. med. Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel. „Im Vergleich zu Placebo ist dieser Effekt mit im Durchschnitt l 1,1 Migränetagen weniger pro Monat moderat.“ Dies könne mit der durch zahlreiche Publikationen angefachten hohen Erwartungshaltung der Patienten an diese neue Substanzgruppe zusammenhängen. Betrachte man die Mittelwerte bezüglich der Reduktion der Kopfschmerztage pro Monat, seien die Veränderungen im Vergleich zu Placebo zwar signifikant, aber klinisch in ähnlichen Bereichen, wie die der schon verfügbaren vorbeugenden Medikamente. „Migräneattacken können weiter auftreten“, kommentiert Göbel. Die Zahl der Kopfschmerztage pro Monat lasse sich im Vergleich zu Placebo durchschnittlich um 25 % reduzieren. Der Grad der Wirkung variiere stark zwischen den behandelten Studienteilnehmern. „Mit dieser Substanzklasse ist historisch eine neue Tür zur Therapie der Migräne geöffnet worden“, so der Experte. „Sollten sich die Daten bestätigen, können künftig mehr Patienten ihre Belastung durch Migräne reduzieren und zu einem normalen Leben zurückkehren.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Skljarevsk V, Oakes TM, Zhang Q et al.: Effect of different doses of galcanezumab vs placebo for episodic migraine prevention. A randomized clinical trial. JAMA Neurol 2018; 75:187–93.

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