POLITIK

Jahresrückblick 2018

Dtsch Arztebl 2018; 115(51-52): A-2394 / B-1956 / C-1926

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Das Deutsche Ärzteblatt hat die Themen des Jahres mit Artikeln, Interviews und Kommentaren begleitet. Mehr im Internet: www.aerzteblatt.de/rueckblick2018

Ärztebewertung

Eine Zahnärztin aus Essen hat sich mit Erfolg gegen die negative Bewertung durch eine Patientin im Ärztebewertungsportal Jameda gewehrt. Das Portal darf nicht mehr an der Behauptung einer Patientin festhalten, die klagende Zahnärztin verzichte auf eine Aufklärung/Beratung, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Hamm in einem im März verkündeten Urteil. Die Zahnärztin konnte demnach anhand ihrer Patientenunterlagen nachweisen, dass ihre Patientin, von der die Bewertung stammt, tatsächlich von ihr aufgeklärt worden war. mis

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Apps im DÄ

In einer neuen Rubrik stellt das DÄ seit Januar regelmäßig Medizin-Apps vor, um das breite Spektrum digitaler Helfer abzubilden. Bereits mehr als 30 Apps wurden auf Empfehlung von Ärztinnen und Ärzten hin ausgewählt und von der ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin geprüft. Mit dabei waren unter anderem Ada – eine App die Diagnose und Therapievorschläge macht – sowie Siilo – eine sichere Alternative zu WhatsApp – und die Zi-Kodierhilfe. http://daebl.de/CH29 gie

Arzneimittelüberwachung

Die Überwachung von Arzneimitteln und die Kontrolle ausländischer Hersteller soll effizienter werden. Vorgesehen ist unter anderem, die Bundesoberbehörden gegenüber den Bundesländern mit mehr Befugnissen auszustatten. Das sieht der Entwurf des „Gesetzes für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ vor, den das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium Mitte November vorlegte. Hintergrund sind Skandale um den Vertrieb gestohlener und gepanschter Krebsmedikamente sowie verunreinigte Arzneimittel. HK

Biosimilars

Ein Preiskampf um das weltweit profitabelste Medikament Adalimumab (Humira) entbrannte im Oktober. Zum Stichtag standen mehrere Unternehmen mit einer Zulassung in den Startlöchern. Das gab es bisher bei keinem Patentablauf eines Biopharmazeutikums. Die starke Konkurrenz sorgte für Listenpreise von bis zu 40 Prozent unter dem Originalprodukt. Fünf Wochen nach Markteintritt lag der Versorgungsanteil bereits bei 19,5 Prozent. Den monoklonalen Antikörper setzen Ärzte unter anderem bei rheumatoider Arthritis und Morbus Crohn ein. gie

Bluthochdruckgrenzen

Die Hypertoniespezialisten Europas haben sich Mitte 2018 in neuen Leitlinien gegen die neue Definition der US-Kollegen entschieden. Diese hatten im Jahr zuvor mit den neu definierten Blutdrucknormgrenzen quasi über Nacht zig Millionen Amerikaner zu Hypertonikern gemacht. Diese nennen nun Werte von ≥ 130/80 mmHg bereits Bluthochdruck, die Europäer bleiben hingegen bei der Grenze von 140/90 mmHg. Als optimal gelten hier wie dort Werte unter 120/80 mmHg. mls

Cannabis

Für die Behandlung Schwerkranker mit Hanf hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) Ende August die Importmengen aus den Niederlanden deutlich erhöht. Sein niederländischer Kollege Hugo de Jonge sagte Spahn in einem Telefonat zu, künftig bis zu 1,5 Tonnen Cannabis jährlich nach Deutschland zu liefern. Bislang lag die zugesagte Liefermenge aus dem Nachbarland bei 700 Kilogramm im Jahr. Die Bitte um höhere Exportmengen war demnach nötig geworden, weil die Blüten zu therapeutischen Zwecken in Deutschland stärker nachgefragt werden als erwartet. mis

CAR-T-Zelltherapie

Nach den USA wurden Ende August auch in Europa erstmals CAR-T-Zellen (chimeric antigen receptor T cells) zugelassen. Dabei handelt es sich um gentechnisch veränderte T-Lymphozyten des Patienten. Mit ihnen erzielen Ärzte auch bei prognostisch ungünstigen rezidivierten oder refraktären Leukämien und Lymphomen hohe Ansprechraten, teilweise dauerhaft. Nach Meinung von Onkologen eine Chance für viele Patienten und der Beginn einer neuen Ära. Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) kührte diese Immuntherapie zum Fortschritt des Jahres bei der Behandlung onkologischer Patienten. nsi, gie

Datenschutz

Im Mai trat die EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) in Kraft. Um böse Überraschungen im Hinblick auf die EU-Datenschutz-Grundverordnung zu vermeiden, sollten Arztpraxen neben altbekannten Schutzmaßnahmen auch einige Neuerungen beachten. Bundes­ärzte­kammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung haben zur Unterstützung der Ärztinnen und Ärzte einen Datenschutzcheck 2018 (http://daebl.de/US44) und Hinweise und Empfehlungen zur ärztlichen Schweigepflicht, Datenschutz und Datenverarbeitung in der Arztpraxis veröffentlicht (http://daebl.de/YC26). mis

E-Rezept

Mit dem „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ will Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn das E-Rezept wiederbeleben. Der in November vorgelegte Referentenentwurf sieht hierfür eine Änderung im § 86 neu Sozialgesetzbuch V vor, die spätestens im Jahr 2020 greifen soll. Damit will Spahn die Selbstverwaltung verpflichten, die erforderlichen Rahmenbedingungen und technischen Details innerhalb von sieben Monaten zu vereinbaren, nachdem das Gesetz in Kraft getreten ist. Zudem soll das Abgabeverbot verschreibungspflichtiger Arzneimittel durch Apotheken bei einer ausschließlichen Fernbehandlung fallen. KBr

Ethos

Wird es Zeit für eine neue Standortbestimmung des ärztlichen Ethos? Was bewegt Ethik in heutiger Zeit? Das Deutsche Ärzteblatt hat auf dem Deutschen Ärztetag in Erfurt Delegierte in Videointerviews befragt, ob sie in ihrem Berufsalltag an die Grenzen ihres ärztlichen Ethos kommen. Zudem hat die Redaktion in einer Reihe „Arzt und Ethos“ das Thema mit mehreren Aufsätzen zu Sterbehilfe, Schwangerschaftsabbruch, Lebensqualität, Aufklärung, Digitalisierung und die Geschichte der Medizinethik begleitet. www.aerzteblatt.de/ethos mis

Fernbehandlungsverbot

Im Mai hat der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt einer Änderung der ärztlichen (Muster-)Berufsordnung zugestimmt und damit das berufsrechtliche Verbot der ausschließlichen Fernbehandlung gelockert. Künftig dürfen Ärzte auch ohne persönlichen Erstkontakt über Kommunikationsmedien „im Einzelfall“ behandeln, wenn dies ärztlich vertretbar ist und der Patient über die Besonderheiten der ausschließlichen telemedizinischen Behandlung aufgeklärt wird. Damit dies bundesweit gilt, mussten die Lan­des­ärz­te­kam­mern ihre Berufsordnungen anpassen. Diese Änderung haben im Laufe des Jahres 13 Kammern vorgenommen. KBr

Faxgerät

Rund 9 000 Faxgeräte soll es im NHS in Großbritannien geben – doch damit ist jetzt Schluss: Ärztevereinigungen haben sich für das Ende des Faxgerätes zur Kommunikation eingesetzt, die britische Regierung reagierte mit einem Verbot in zwei Stufen: Seit Dezember dürfen keine neuen Geräte angeschafft, ab 2020 sollen alle Altgeräte abgeschafft werden. Stattdessen soll künftig per verschlüsselten E-Mails kommuniziert werden. Deutschland ist davon noch weit entfernt. Ob Minister Spahn sich den NHS zum Vorbild nimmt? Im Dezember deutete er an: „In keiner Branche wird so viel gefaxt wie im Gesundheitswesen.“ bee

Gefahrenlage

Krankenhausträger dürfen ihre Mitarbeiter nicht abmahnen, wenn diese aufgrund eines Personalmangels auf einer Station subjektiv eine Gefahrenlage erkennen und eine Gefährdungsanzeige stellen. Ein entsprechendes Urteil des Arbeitsgerichts Göttingen hat das Landesarbeitsgericht Niedersachsen im September bestätigt und damit die Berufung des Asklepios Fachklinikums Göttingen verworfen. Das Arbeitsgericht hatte betont, dass bei einer Gefährdungsanzeige ein subjektiver Maßstab gelte. Ob auch nach objektivem Maßstab eine Gefahrenlage bestanden habe, sei nicht maßgeblich. fos

Gesundheitsakten

Den Reigen der elektronischen Gesundheitsakten (eGA) eröffnete im April die Techniker Krankenkasse mit ihrer App „TK-Safe“, die sie gemeinsam mit IBM entwickelt hat. Der AOK-Bundesverband, der im März in Mecklenburg-Vorpommern ein digitales Gesundheitsnetzwerk gestartet hatte, zog im Juli mit einer netzbasierten eGA für Schwangere in Berlin nach. Anfang Juni präsentierten die DAK Gesundheit und weitere mit dem IT-Dienstleister Bitmarck kooperierende Krankenkassen und -versicherungen die App-basierte eGA „Vivy“, die seit Mitte September im Echtbetrieb ist. KBr

Gemeinsamer Bundes­aus­schuss

Das mächtigste, aber unbekannteste Gremium der Gesundheitspolitik steht seit Bestehen unter Rechtfertigungsdruck. Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) beschließt, welche ärztliche Leistungen gesetzlich Versicherte erstattet bekommen. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2017 gab das BMG drei juristische Gutachten in Auftrag, hielt die Ergebnisse neun Monate unter Verschluss und veröffentlichte Ende Mai 781 Seiten juristische Expertise: alles beim Alten zu belassen, minimalinvasive Veränderungen oder vieles auf den Prüfstand zustellen. Was mit den Ergebnissen nun passiert, ist weiterhin unbekannt. bee

Hausarztzentrierte Versorgung

Zehn Jahre, nachdem die AOK Baden-Württemberg, der Hausärzteverband und der Mediverbund Baden-Württemberg ihren Hausarztvertrag abgeschlossen haben, zeigen die im Oktober präsentierten Ergebnisse einer Evaluation: Patienten, die in den Vertrag sowie in die später dazugekommenen Facharztverträge eingeschrieben sind, leben länger, werden seltener ins Krankenhaus eingewiesen und erhalten eine bessere Arzneimittelversorgung. Zugleich sparte die AOK Baden-Württemberg durch die Verträge Millionenbeträge ein, unter anderem infolge der Budgetbereinigung und niedrigerer Krankenhauskosten. fos

Impfen

Die Impfung gegen humane Papillomviren ist künftig für alle Kinder zwischen neun und 14 Jahren Kassenleistung – nicht nur für Mädchen. Das hat der Gemeinsame Bundes­aus­schuss am 20. September beschlossen, womit er einer Entscheidung der Ständigen Impfkommission (STIKO) folgt. Diese hatte für die Saison 2018/19 zudem quadrivalente Influenzaimpfstoffe empfohlen, die einen besseren Schutz bieten sollen. Anpassungen machte die STIKO unter anderem auch bei der Tetanus-Postexpositionsprophylaxe, der zweiten Tdap- und der ersten Poliomyelitis-Auffrischimpfung. hil/gie

Japan

Nach einem Skandal um gefälschte Aufnahmetests an einer medizinischen Hochschule in Japan verlangen mehrere Frauen eine Entschädigung. Mehr als 20 abgelehnte Bewerberinnen wollen die private Medizin-Universität in Tokio auf Schadenersatz verklagen. Die Hochschule hatte eingeräumt, jahrelang systematisch ihr Aufnahmeverfahren manipuliert zu haben, um die Zahl weiblicher Studenten niedrig zu halten. Der Skandal war Anfang August durch Medienberichte bekannt geworden. Die Privat-Universität räumte daraufhin ein, weiblichen Bewerbern ab dem Jahr 2006 pauschal Punkte abgezogen zu haben. mis

Künstliche Intelligenz

Am 15. November hat die Bundesregierung ihre Strategie zur künstlichen Intelligenz (KI) präsentiert. Bis 2025 will der Bund drei Milliarden Euro hierfür bereitstellen. Das Geld soll in die Forschung fließen. Die Strategie beschreibt zentrale Ziele und Handlungsfelder. Um KI in der Gesundheitsforschung zu nutzen, sollen die Zusammenführung von Gesundheitsdaten aus Versorgung und Forschung unter Wahrung der schutzwürdigen Patienteninteressen erleichtert und die Interoperabilität von Datensystemen verbessert werden. Bei Kritikern stößt die Strategie auf Skepsis, denn viele Länder investieren deutlich mehr in KI. KBr

Lulu und Nana

Im November sorgte die angeblich erste Keimbahnmanipulation beim Menschen weltweit für Empörung. Der Biophysiker Dr. Jiankui He von der South University of Science and Technology of China verkündete auf Youtube die Geburt der ersten genetisch veränderten Babys: Lulu und Nana. Kurz darauf präsentierte He seine Forschung beim Genomediting-Kongress in Hongkong. Mit der Genschere CRISPR/Cas will er HIV-resistente Babys geschaffen haben. Chinas Wissenschaftsministerium verlangt, weitere Forschung auszusetzen. Einige Forscher und Politiker fordern, die Gentherapie nicht generell aufzuhalten. gie

Medizinische Fakultät

Seit dem 1. Oktober befindet sich die Medizinische Fakultät der Universität Bielefeld offiziell in Gründung. Zum Wintersemester 2021/2022 soll der Studienbetrieb starten. Für die Zukunft geht die Universität von 96 Professuren und 2 000 Medizinstudierenden aus. Der neue Modellstudiengang soll besonders die Perspektive der hausärztlichen Versorgung berücksichtigen und für Landarztnachwuchs sorgen. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hatte bereits im Sommer 2017 die Gründung beschlossen. Der Planungsstand ist seit dem 24. September 2018 beim Wissenschaftsrat eingereicht, der das Konzept begutachten wird. ER

Nobelpreis für Medizin

Im Oktober 2018 wurde der Medizinnobelpreis zwei Wissenschaftlern zugesprochen, deren Forschungsergebnisse jetzt schon die onkologische Behandlung revolutioniert haben. Dem Amerikaner James P. Allison und dem Japaner Tasuku Honjo ist es gelungen, jene Tricks zu entlarven, mit denen Tumorzellen bislang das Immunsystem des Kranken zu lähmen vermochten. Spezifische Antikörper, die die körpereigene Abwehr erneut stärken, habe sich bereits in zahlreichen klinischen Studien bewährt und für manche Tumorleiden neue Heilungschancen eröffnet. Der Preis wurde am 10. Dezember in Stockholm übergeben. mls

Nutzenbewertung

Die Europäische Kommission will die Nutzenbewertung von Arzneimitteln und Medizinprodukten vereinheitlichen. Einen entsprechenden Verordnungsentwurf legte sie am 31. Januar vor. Die Kommission betont, dass auf europäischer Ebene in erster Linie der klinische Nutzen beurteilt werden soll. Für die Preisgestaltung und Erstattungsfragen sollen weiterhin die Mitgliedstaaten zuständig sein. Die Industrie begrüßt die Harmonisierungsbestrebungen. Bei Ärzten und Krankenkassen in Deutschland stoßen sie dagegen auf Ablehnung. Sie fürchten um die hohen Bewertungsstandards. HK

Öffentlicher Gesundheitsdienst

Die Gesundheitsämter sind als Arbeitgeber nicht mehr konkurrenzfähig. Ärzte verdienen dort 1 500 Euro weniger als die Kollegen im Krankenhaus. Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes hat deshalb die Mitgliedschaft im dbb beamtenbund und tarifunion gekündigt. Denn die Gewerkschaft verhandelte nicht spezifisch für die Ärzte, sondern für alle Angestellten im öffentlichen Dienst. Jetzt setzen die Amtsärzte auf den Marburger Bund. Anfang 2019 stehen neue Tarifverhandlungen an. Im Oktober und November protestierten die Amtsärzte für eine Angleichung der Gehälter. HK

Patientenakten

Das geplante Terminservice- und Versorgungsgesetz verpflichtet die Krankenkassen dazu, ihren Versicherten spätestens ab 2021 eine von der Gesellschaft für Telematik (gematik) zugelassene elektronische Patientenakte (ePA) zur Verfügung zu stellen. Die Versicherten sollen auch mit mobilen Endgeräten auf die ePA-Daten zugreifen können. Nach einem Letter of Intent der Selbstverwaltung soll die gematik für die technische Infrastruktur zuständig sein, die Kassen für die Aktenstruktur und kassenspezifische Inhalte und die KBV für die Anforderungen an die medizinischen Daten. KBr

Pflegepersonal

Im November hat der Bundestag das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz beschlossen, das einen deutlichen Ausbau der Finanzierung von Pflegekräften vorsieht. So werden Krankenhäusern nun alle bestehenden beziehungsweise neu dazukommenden Pflegekräfte ebenso vollständig refinanziert wie künftige Tarifsteigerungen in der Pflege. Zudem sollen die Kosten für Pflegekräfte ab dem Jahr 2020 aus den Fallpauschalen herausgerechnet und gesondert nach bestehendem Bedarf vergütet werden. In der Altenpflege werden 13 000 neue Stellen in den Pflegeeinrichtungen finanziert. fos

Psychische Erkrankungen

Die Bedeutung von psychischen Erkrankungen als Volkskrankheit stellte der Deutsche Ärztetag im Mai in den Fokus. Sie sind die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeitstage und die häufigste für Erwerbsminderungsrenten. Die Prävalenz psychischer Erkrankungen ist hoch, wenngleich sie nicht zugenommen haben, sondern häufiger diagnostiziert werden. Gefordert wird von allen Seiten eine verbesserte sektorenübergreifende Versorgung und mehr interprofessionelle Vernetzung. Der Ärztetag stellte heraus, dass Psychotherapie seit Langem Bestandteil der Medizin ist und dies auch bleiben soll. PB

Qualität im Krankenhaus

Mit dem zum Jahresbeginn 2016 in Kraft getretenen Krankenhausstrukturgesetz wollte die damalige Bundesregierung die Qualität im Krankenhaus stärker in den Fokus bringen, zum Beispiel durch Qualitätsindikatoren, die die Bundesländer bei ihrer Krankenhausplanung berücksichtigen können. Im Oktober zeigten erste Veröffentlichungen, dass an 73 von 1 084 untersuchten Krankenhausstandorten die in den Qualitätsindikatoren festgelegten Grenzwerte nicht eingehalten wurden. Die Mehrzahl der Bundesländer lehnte es jedoch ab, diese Ergebnisse automatisch in ihre Krankenhausplanung mit aufzunehmen. fos

Rücklagen

Die wirtschaftlich positive Lage in Deutschland lässt die Rücklagen bei den gesetzlichen Krankenkassen immer weiter steigen. Am Ende des dritten Quartals 2018 liegen sie bei 21 Milliarden Euro und damit bei 1,1 Monatsausgaben, das ist ein Vierfaches der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve. Mit dem Versichertenentlastungsgesetz sollen Krankenkassen gezwungen werden, ihre Rücklagen abzubauen. Einige Krankenkassen senken daraufhin ihre Beiträge, andere wollten warten, bis es Reformvorschläge für den Risiko­struk­tur­aus­gleich (Morbi-RSA) gibt. bee

Suizidbeihilfe

Im Januar entfachte ein Gutachten des Verfassungsrechtlers Prof. Dr. jur. Udo Di Fabio erneut die Debatte um die Suizidbeihilfe: Er zweifelte die Richtigkeit des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts vom März 2017 an, das Schwerstkranken ein Recht darauf zusprach, eine tödliche Dosis des Schlafmittels Natrium-Pentobarbital zu beziehen. Mehr als 100 Anträge gingen seitdem beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) forderte im September das BfArM auf, Patienten keine tödliche Dosis zu verschaffen. Dies sei keine staatliche Aufgabe. ER

Spahn, Jens (CDU)

Seit dem 14. März hat das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium einen neuen Hausherrn: Jens Spahn, 38 Jahre, seit 2002 Bundestagsabgeordneter und langjähriger gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, gibt seit Amtsantritt einen neuen Ton in der Gesundheitspolitik vor. Zwei Beispiele: Krankenkassen werden per Gesetz zum Abbau ihrer Rücklagen gezwungen, Vertragsärzte sollen mehr Sprechstunden anbieten. Auch viele andere Themen geht der diskussionsfreudige Minister zügig an – auch seine Karriere, die bei der gescheiterten Bewerbung als CDU-Parteivorsitzender am 7. Dezember einen Dämpfer erhält. bee

Schwangerschaftsabbruch

Mehrere Ärztinnen und Ärzte wurden in den vergangenen Jahren nach § 219 a (Werbeverbot für Schwangerschaftabbruch) zu Geldstrafen verurteilt. Die öffentliche Debatte zur Streichung des 219 a läuft 2018 hitzig, Auslöser ist ein Urteil gegen die Gießener Ärztin Kristina Hänel. Parlamentsdebatten im Februar, eine Anhörung im Juni und eine weitere Debatte im Dezember bringen keine Fortschritte. Union und AfD wollen den 219 a erhalten, Grüne, FDP und Linke sind für eine Abschaffung. Die SPD ist gespalten. Ein ein Kompromiss der Großen Koalition liegt im Dezember vor. bee

Transplantation

Das Bundeskabinett verabschiedete am 31. Oktober den Entwurf eines „Gesetzes für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei der Organspende“ (GZSO). Mit ihm sollen die Abläufe in den Entnahmekrankenhäusern verbessert werden. Das Gesetz wird voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2019 in Kraft treten. Gleichzeitig wurde 2018 ein möglicher Systemwechsel vom Einwilligungs- zum Widerspruchsverfahren bei der Organspende diskutiert. Der 121. Deutsche Ärztetag sprach sich im Mai für eine Widerspruchslösung aus. Im Parlament soll im Frühjahr 2019 über ein mögliches Gesetz entschieden werden. ER

UPD

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) geriet im Herbst in die Schlagzeilen. Zunächst weil sie an die angeblich pharmanahe Sanvartis Careforce Holding verkauft wurde. Dann wurde Kritik an der Beratungsqualität laut. „Wir als wissenschaftliche Mitglieder des Beirats der UPD sind übereinstimmend der Meinung, dass die Qualität der Informationen nach mehr als zweieinhalb Jahren mangelhaft ist“, heißt es in dem Brief an den Patientenbeauftragten. Zudem legten mehrere Schreiben den Verdacht nahe, es seien Versichertengelder in Millionenhöhe verschwendet worden. mis

Uterusspende

In Brasilien hat weltweit erstmals nach der Transplantation der Gebärmutter einer toten Spenderin die Organempfängerin Anfang Dezember ein lebendes Kind geboren. Bisher wurden 39 Uterus-Transplantationen von Lebendspenderinnen vorgenommen, daraus gingen elf Lebendgeburten hervor. Allerdings scheiterten alle zehn Versuche, mittels Uterusspende einer Verstorbenen ein lebendes Kind zur Welt zu bringen. Als kritisch gilt das Zeitfenster, da die Gebärmutter bei der Organspende eher zuletzt entnommen wird, was Perfusion und Qualität mindert. mls

Versorgungssteuerung

Eine gezieltere Steuerung des Angebots und der Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen empfiehlt der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Pilotfunktion für eine bedarfsgerechtere Versorgung könnte die geplante Reform der Notfallversorgung haben, bei der Vertragsärzte und Kliniken zusammenarbeiten. Der Rat übergab sein Gutachten mit Analysen und Empfehlungen am 2. Juli dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium. Trotz aller Reformgesetze der vergangenen Jahre gebe es nach wie vor ein Nebeneinander von Über-, Unter- und Fehlversorgung, stellte der Rat fest. HK

Wartezeiten

Niedergelassene Ärzte sollen statt 20 künftig mindestens 25 Sprechstunden anbieten. Für die Mehrarbeit, aber auch für koordinierende Leistungen und die Behandlung neuer Patienten soll zusätzliches Honorar fließen. Ziel ist es, die Wartezeiten auf Arzttermine zu verkürzen. Das sieht der Entwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes vor, den das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium am 24. Juli vorlegte. Die Ärzteschaft begrüßt zwar, dass es für mehr Arbeit künftig auch mehr Geld geben soll. Die geplanten Eingriffe in den Praxisalltag lehnt sie dagegen entschieden ab. HK

Weiterbildung

Der 121. Deutsche Ärztetag hat in der fachärztlichen Weiterbildung einen neuen Weg eingeschlagen. Er sagte am 11. Mai in Erfurt einstimmig „Ja“ zu einer kompetenzbasierten Weiter­bildungs­ordnung, die sich künftig an Inhalten und nicht mehr an Zeiten und Richtzahlen orientieren soll. Mitte November verabschiedete der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer die Novelle in Gänze. Damit ist der Weg frei für eine Umsetzung in den Ländern. Ärzteverbände haben bereits kritisiert, dass einzelne Kammern Vorgaben der neuen (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung aufweichen wollten. HK

Xenotransplantation

Einem Forscherteam aus Bayern ist möglicherweise ein Durchbruch in der Xenotransplantation gelungen. Vier Paviane, deren Herzen gegen die von gentechnisch veränderten Schweinen ausgetauscht wurden, überlebten mindestens drei Monate lang, in einem Fall sogar mehr als sechs Monate. Die im Dezember in Nature vorgestellten Ergebnisse könnten nach Einschätzung von Experten den Weg für erste klinische Studien an Menschen ebnen. Das maximale Überleben nach einem echten Herzersatz (orthotope Herztransplantation) durch ein Schweineorgan betrug bisher trotz 25 Jahren intensiver Forschung maximal 57 Tage. gie/rme

Yoga

Insbesondere über Mediations- und Atemtechniken kann Yoga offenbar bei arterieller Hypertonie helfen und den systolischen Blutdruck kurzfristig senken. Yogaübungshaltungen spielen dagegen eine geringere Rolle. Da Yoga bei Patienten unter pharmakologischer Behandlung sicher und wirksam war, kann er als zusätzliche Behandlungsoption empfohlen werden. Zu diesem Ergebnis kamen Holger Cramer und Co-Autoren, Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Medizinischen Fakultät, Universität Duisburg-Essen, in der Ausgabe 50 des Deutschen Ärzteblattes.
(http://daebl.de/VE92) mis

Zhong Zhong und Hua Hua

Nach vielen Fehlschlägen ist es Forschern in China zum ersten Mal gelungen, zwei nichthumane Primaten zu klonen. 20 Jahre nach Klonschaf Dolly führte erneut ein Kerntransfer aus einer Körperzelle in eine entkernte Eizelle zum Erfolg. Über die Geburt der genetisch identischen Langschwanzmakaken berichtete im Januar das Fachmagazin Cell. Im Mittelpunkt stand dabei der technisch-methodische Fortschritt. Mit derselben Methode wurden nach Dolly mehr als 20 andere Tierarten wie Hunde, Schweine und Katzen geklont – bisher aber noch keine Affen. gie

Zulassung Medizinstudium

Die Kultusminister der Länder haben am 6. Dezember den Entwurf eines neuen Staatsvertrags zur Vergabe von Medizinstudienplätzen beschlossen. Entscheidend für eine Zulassung zum Medizinstudium wird weiterhin ein sehr gutes Abitur sein, schulnotenunabhängige Kriterien sollen aber obligatorisch bei der Auswahl der Hochschulen (AdH) eine Rolle spielen. Zudem soll die Wartezeitquote abgeschafft und eine neue Eignungsquote einführt werden, bei der ausschließlich schulnotenunabhängige Kriterien berücksichtigt werden. Die Regelungen sollen nach Ratifizierung des Vertrags durch die Länder ab Sommersemester 2020 gelten. ER

Arbeitszeit/-belastung

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Alzheimer/Demenz

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Ärztebewertung

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Bedarfsplanung

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Biotechnologie

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► http://daebl.de/LD48

Cannabis

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Datenschutz

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E-Health

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E-Zigaretten

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Gentherapie

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Hypertonie

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Impfen

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Kindergesundheit

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Künstliche Intelligenz

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Nutzenbewertung

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Organtransplantation

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ÖGD

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Öko­nomi­sierung

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Patienteninformationen

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Pflegenotstand

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Psychische Erkrankungen

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Qualitätssicherung

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Schwangerschaftsabbruch

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Sterbehilfe

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Studienplatzvergabe

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Wartezeiten

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Weiterbildung

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