ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2018Risiken vaginaler Geburt: Von Ideologien fernhalten
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Eine Geburt ist zunächst ein natürlicher Vorgang und sollte nicht von vornherein pathologisiert und mit Ängsten aufgeladen werden. Man darf nicht außer Acht lassen, dass profundes Wissen der geburtshilflichen Vorgänge, gute praktische Schulung mit Aneignung manueller Kunstfertigkeit und letztlich Erfahrung, damit verbunden eine kompetente Einschätzung der jeweiligen geburtshilflichen Situation, Geduld, rechtzeitiges Erkennen von Risiken, eine gute Interaktion mit den Hebammen, ein Mitverfolgen des geburtshilflichen Fortschritts (d. h. nicht erst gerufen werden, wenn absolut nichts mehr weitergeht) und evtl. auch das rechtzeitige (!) Vornehmen einer Episiotomie (kommt in diesem Artikel interessanterweise gar nicht vor – nur eine Modetorheit aus vergangenen Zeiten?) für das Outcome wichtig sind. Eine Episiotomie ... muss natürlich fachgerecht versorgt werden, was selbstverständlich besser gelingt, wenn das Gewebe nicht zerrissen ist. Sie völlig aus dem geburtshilflichen Repertoire zu verbannen, halte ich für sträflich.

Es gibt klare Indikationen für den Einsatz einer Vakuumextraktion und evtl. sogar die Anwendung einer Forceps von BB, welches durchaus schonend erfolgen kann, wobei die Kunstfertigkeit, ein Gespür für das, was man da tut, gepaart mit Erfahrung, die besten Ergebnisse liefert (wird aber, wo diese Faktoren nicht vorhanden sind, besser zur Sectio schreiten). Aber auch Sectiones sind nicht immer das Allheilmittel und letztlich auch nicht frei von Nebenwirkungen mit körperlicher und ggf. psychischer Unbill. Was hilft es, über statistische Risiken einer vaginalen Entbindung zu informieren, wenn die angesprochenen Risiken doch so eng mit der Qualität von Geburtshelfer und Hebamme korrelieren. Praktische Medizin kommt immer wieder in Situationen, in denen sich ein Dilemma auftut, aber man ist gut beraten, sich von Ideologien fernzuhalten.

Dr. med. Klaus Esrom, 49152 Bad Essen

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