ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2018Vivy-Gesundheitsakte: Kein angemessener Umgang
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Anstatt konstruktiv mit in der Gesundheits-App Vivy gefundenen Sicherheitslücken umzugehen, zog es der Betreiber vor, diese zu verharmlosen. Entgegen den Angaben von Vivy wäre es Unbefugten sehr wohl möglich gewesen, auch unter Alltagsbedingungen auf vertrauliche Patientendokumente zuzugreifen. Weiterhin wurden falsche Behauptungen bezüglich der eigenen Reaktionsgeschwindigkeit aufgestellt: Die Lücken waren nicht binnen 24 Stunden geschlossen, Vivy hatte sogar bei den Entdeckern um eine zweiwöchige Verlängerung des Responsible-Disclosure-Prozesses gebeten.

Dieses Gebaren erweckt leider den Eindruck, der Firma hinter Vivy sei gute PR wichtiger als die Qualität ihres Produktes.

Die Vertraulichkeit von Patientendaten ist entscheidend für die Akzeptanz digitaler Technologien im Gesundheitswesen. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es in der IT-Welt jedoch nicht, die Entdeckung von Sicherheitslücken gehört zum Tagesgeschäft. Essenziell wichtig ist daher eine gute Handhabung solcher Entdeckungen. Verharmlosung und Falschdarstellungen gehören nicht dazu. Mit derart unprofessionellem Verhalten hat Vivy wichtiges Vertrauen in neue Technologien aufs Spiel gesetzt und damit dem gesamten Projekt „Elektronische Gesundheitsakte“ geschadet. Es bleibt zu hoffen, dass die Firma bei zukünftig gefundenen Sicherheitslücken einen angemessenen Umgang damit findet.

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Sebastian Fleer, Arzt und Informatikstudent, 97082 Würzburg

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