ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2018Influenza-Impfung: Die Schutzwirkung der Impfung lässt im Verlauf einer Wintersaison nach

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Influenza-Impfung: Die Schutzwirkung der Impfung lässt im Verlauf einer Wintersaison nach

Dtsch Arztebl 2018; 115(51-52): A-2420 / B-1977 / C-1947

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: picture alliance
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Bei erhöhtem Risiko für schwere Verläufe einer Influenza wird eine Grippeimpfung empfohlen, denn die Erkrankung kann lebensbedrohlich sein. Für Deutschland wurden dem Robert Koch-Institut in der vergangenen Saison (2017/18) 1 624 tödlich verlaufende Influenza-Infektionen gemeldet, der Altersmedian der Verstorbenen lag bei 79 Jahren (1).

Mehr als 60 000 Menschen mit labordiagnostisch gesicherter Influenza mussten in der letzten Grippesaison in Deutschland stationär behandelt werden. Die Frage, wie der protektive Effekt von Influenza-Impfungen optimiert werden kann, wird auch in Bezug auf den zeitlichen Abstand zwischen Impfung und Virus-Exposition untersucht.

In einer großen Studie auf Basis des Kaiser Permanente Northern California Registers wurden 49 272 geimpfte Personen mit PCR-basierten Influenza-Tests auf eine Infektion in der entsprechenden Saison untersucht (2). Die Untersuchungen liefen über 7 Winter von 2010/11 bis 2016/17. Immunisiert wurde mit inaktivierten Vakzinen, deren antigene Komponenten den Empfehlungen der Welt­gesund­heits­organi­sation entsprachen. Es wurden positive und negative Testergebnisse berücksichtigt und in Kategorien von Zeitabständen nach der Impfung unterteilt.

Im Vergleich mit Studienteilnehmern, die zwischen 14 und 41 Tagen nach Impfung auf Influenza getestet wurden (Referenzgruppe), nahm das Risiko für eine Infektion alle 28 Tage um 16 % zu. Ab 154 Tagen nach Impfung lag die Wahrscheinlichkeit für den Nachweis um den Faktor 2,06 (95-%-Konfidenzintervall: 1,69; 2,51) über der Wahrscheinlichkeit für den Zeitraum von 14–41 Tagen. Nach Meinung der Forscher stützen diese Ergebnisse Daten früherer Studien, die – wenn auch mit anderen methodischen Ansätzen – ebenfalls ein Nachlassen der Schutzwirkung von Influenza-Vakzinen im Verlauf der Grippesaison ergeben haben.

Fazit: Die Schutzwirkung einer Influenza-Impfung ist 3–5 Wochen nach der Vakzinierung am höchsten und nimmt danach allmählich ab. „Vor fast genau 100 Jahren erreichte die Spanische Grippe mit weltweit mehr als 50 Millionen Todesopfern ihren Höhepunkt“, erläutert Prof. Dr. med. Hans Dieter Klenk vom Institut für Virologie der Universität Marburg. Seitdem sei es nicht mehr zu solch verheerenden Influenza-Pandemien gekommen. Dennoch erfordere die Unberechenbarkeit von Grippeausbrüchen höchste Wachsamkeit. „Die Impfung ist die wichtigste Maßnahme zur Bekämpfung dieser Infektionskrankheit. Die Influenza-Viren verändern sich allerdings ständig und die Impfung sollte daher jährlich erneuert werden. Es zeichnet sich auch ab, dass der Impfschutz bereits während einer Ausbruchsperiode abnimmt. Ein zentrales Anliegen der Influenza-Forschung besteht deswegen darin, Impfstoffe zu entwickeln, die einen längeren Schutz bieten und gegen ein breiteres Erregerspektrum wirksam sind.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2017/18. Robert Koch-
    Institut Berlin 2018; DOI: 10.17886/rkipubl-2018–003.
  2. Ray GT, Lewis N, Klein NP, et al.: Intraseason waning of influenza vaccine effectiveness.
    Clinical Infectious Diseases 2018; DOI: 10.1093/cid/ciy770.

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