ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2019Im Ergebnis ein Nullsummenspiel
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„Der Stellenwert des Mammographie Screenings wird in der aktualisierten Version der Leitlinie bestätigt,“ schreiben die Autoren (1). Später heißt es, dass die Datenbasis für die Senkung der Brustkrebsmortalität durch das Screening sehr inhomogen sei. Trotzdem soll die Teilnahme am Nationalen Mammographie-Screening-Programm empfohlen werden.

Die Reduktion der Brustkrebssterblichkeit durch die Teilnahme am Screening sei „auch“ für Frauen zwischen dem 40. und 49. Lebensjahr belegt, leider ohne Angabe der absoluten Risikoreduktion. Das Screening der Frauen zwischen 50 und 69 Jahren könne bei heute 1 000 gesunden Frauen bis zu acht Frauen den Tod infolge Brustkrebs im Laufe von 20 Jahren (10 Runden) ersparen. Eine Zahl, die im deutlichen Widerspruch zu den Ergebnissen des Nordic Cochrane Center steht (2).

Leider wird nichts gesagt zur Gesamtsterblichkeit der Frauen. Bezieht man die Gesamtsterblichkeit der Frauen in die Betrachtungen ein, ergibt sich ein Nullsummenspiel (3).

Für keine anderen bildgebenden Untersuchungen liegt derzeit ausreichende Evidenz für eine Reduktion der Brustkrebsmortalität vor, und für die Mammographie ist sie sehr inhomogen, aber anscheinend ausreichend genug, damit sie empfohlen werden kann. Man darf Zweifel äußern. Die Grafik 1 in dem Beitrag (relatives Fünf-Jahres-Überleben in Abhängigkeit vom Tumorstadium) suggeriert einen Vorteil der Früherkennung, sagt aber nichts über die Sterblichkeit aus. Entscheidend bleibt die Tumorbiologie. Statt in S3-Richtlinien die Teilnahme am Screening zu empfehlen, sollte man sich Gedanken machen, wie man aus einem Programm mit „inhomogener Datenbasis“ aussteigt und das Geld in die Grundlagenforschung investiert.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0009a

Peter Bußmann

Facharzt für Geburtshilfe und Frauenheilkunde, Ense

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Wöckel A, Albert US, Janni W, Scharl A, Kreienberg R, Stüber T: Clinical practice guideline: The screening, diagnosis, treatment, and follow-up of breast cancer. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 316–23 VOLLTEXT
2.
Gøtzsche PC, Hartling OJ, Nielsen M, Brodersen J: Screening for breast cancer with mammographie. The Nordic Cochrane Center 2012. www.nordic.cochrane.org/sites/nordic.cochrane.org/files/public/uploads/images/mammography/mammography-leaflet.pdf (last accessed on 27 June 2018).
3.
Biller-Andorno N, Jüni P: Abolishing mammography screening programs? A view from the Swiss Medical Board. N Engl J Med. 2014; 370: 1965–7 CrossRef MEDLINE
1.Wöckel A, Albert US, Janni W, Scharl A, Kreienberg R, Stüber T: Clinical practice guideline: The screening, diagnosis, treatment, and follow-up of breast cancer. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 316–23 VOLLTEXT
2.Gøtzsche PC, Hartling OJ, Nielsen M, Brodersen J: Screening for breast cancer with mammographie. The Nordic Cochrane Center 2012. www.nordic.cochrane.org/sites/nordic.cochrane.org/files/public/uploads/images/mammography/mammography-leaflet.pdf (last accessed on 27 June 2018).
3.Biller-Andorno N, Jüni P: Abolishing mammography screening programs? A view from the Swiss Medical Board. N Engl J Med. 2014; 370: 1965–7 CrossRef MEDLINE

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