ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2019Unter der biologisch effektiven Dosis
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Als regelmäßige Leser des Deutschen Ärzteblattes sind wir auch auf die Darstellung der oben angegebenen S3-Leitlinie (1), die uns schon vor ein paar Monaten über das Internet bekannt wurde, gestoßen. Bereits damals fiel uns auf, dass im Abschnitt zur Bestrahlung der Brust nach brusterhaltender Operation endlich einmal die moderat hypofraktionierte Bestrahlung mit circa 40 Gy in 15–16 Fraktionen aufgeführt wurde, allerdings unter Angabe eines Zeitraums von 3 bis 5 Wochen (gemäß „Evidenzbasierter Empfehlung 4.37“; erst im darauf folgenden Text [Seite 143] steht korrekt: „mit einer moderaten Akzeleration [3 Wochen] zu kombinieren“).

Das „bis 5 Wochen“ scheint uns ein zentraler Fehler zu sein. Es ist nicht auszuschließen, dass bei einem solchen zeitlichen Regime und bei der angegebenen Dosierung aufgrund der akzelerierten Repopulation (soll im Durchschnitt etwa drei Wochen nach Bestrahlungsbeginn einsetzen und im Durchschnitt etwa 0,65–0,7 Gy pro Tag „kompensieren“) die biologisch effektive Dosis von 25 x 2 Gy/5 Wochen unterschritten wird. Dies kann man auch in dem Abschnitt der START-Studien sehen, in denen 13 x 3 Gy in 5 Wochen mit 25 x 2 Gy/5 Wochen verglichen wurde (24). Offenbar wollte man in diesem Arm der START-A-Studie für biologische Effektivdosisberechnungen die Gesamtzeit der Bestrahlung in den beiden Armen gleich halten.

Nur nebenbei bemerkt: Aufgrund vieler Jahrzehnte klinischer Erfahrungen mit moderat hypofraktionierter Bestrahlung in dieser Indikation hätte man die randomisierten Vergleiche und ihre Resultate um einiges früher haben können und damit auch einiges Geld sparen können.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0009c

Prof. Dr. med. Christoph Glanzmann

Prof. Dr. med. Gabriela Studer

Luzerner Kantonsspital

christoph.glanzmann@luks.ch

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Wöckel A, Albert US, Janni W, Scharl A, Kreienberg R, Stüber T: Clinical practice guideline: The screening, diagnosis, treatment, and follow-up of breast cancer. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 316–23 VOLLTEXT
2.
Haviland JS, Owen JR, Dewar JA, et al.: The UK Standardisation of Breast Radiotherapy (START) trials of radiotherapy hypofractionation for treatment of early breast cancer: 10-year follow up results of two randomised trials. Lancet Oncol 2013; 14: 1086–94 CrossRef
3.
Owen JR, Ashton A, Bliss JM, et al: Effect of radiotherapy fraction size on tumour control in patients with early-stage breast cancer after local tumour excision: long term results of a randomised trial. Lancet Oncol 2006; 7: 467–71 CrossRef
4.
Haviland JS, Bentzen SM, Bliss JM, Yarnold JR: Prolongation of overall treatment time as a cause of treatment failure in early breast cancer: an analysis of the UK START (Standardisation of Breast Radiotheraoy) trials of radiotherapy fractionation. Radiother Oncol 2016; 121: 420–3 CrossRef MEDLINE
1.Wöckel A, Albert US, Janni W, Scharl A, Kreienberg R, Stüber T: Clinical practice guideline: The screening, diagnosis, treatment, and follow-up of breast cancer. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 316–23 VOLLTEXT
2.Haviland JS, Owen JR, Dewar JA, et al.: The UK Standardisation of Breast Radiotherapy (START) trials of radiotherapy hypofractionation for treatment of early breast cancer: 10-year follow up results of two randomised trials. Lancet Oncol 2013; 14: 1086–94 CrossRef
3.Owen JR, Ashton A, Bliss JM, et al: Effect of radiotherapy fraction size on tumour control in patients with early-stage breast cancer after local tumour excision: long term results of a randomised trial. Lancet Oncol 2006; 7: 467–71 CrossRef
4.Haviland JS, Bentzen SM, Bliss JM, Yarnold JR: Prolongation of overall treatment time as a cause of treatment failure in early breast cancer: an analysis of the UK START (Standardisation of Breast Radiotheraoy) trials of radiotherapy fractionation. Radiother Oncol 2016; 121: 420–3 CrossRef MEDLINE

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