ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2019Rekonstruktive Möglichkeiten
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Den äußerst gelungenen Artikel von Hakenberg et al. (1) würden wir gerne um die rekonstruktiven Möglichkeiten nach tiefer partieller oder totaler Penektomie erweitern. Die totale Penektomie bei ausgedehnten Peniskarzinomen bedeutet für die betroffenen Patienten nicht selten ein psychisches und vor allem auch körperliches Desaster. Bereits die partielle Penektomie wirkt sich signifikant negativ auf das Sexualleben aus, wobei Patienten vor allem aus Scham aufgrund der kurzen Penislänge oder der fehlenden Glans penis teilweise vollkommen auf Geschlechtsverkehr verzichten oder diesen zumindest deutlich einschränken (2). Auch die erschwerte, aber gerade gewünschte Miktion im Stehen oder der schwierige und im sozialen Umfeld umständliche Umgang mit Miktionshilfen sind weitere Themen, die Patienten als belastend anführen.

An unserer Klinik wurden im Zeitraum von 1993–2018 mehr als 500 Phalloplastiken vornehmlich im Rahmen von Geschlechtsangleichungen durchgeführt, wobei über 300 davon aus dem Unterarm geformte Radialis-Penoide darstellten. Neun dieser Phalloplastiken erfolgten aus rekonstruktiver Indikationsstellung nach tiefer partieller oder totaler Penektomie bei Penismalignomen. Diese Art der Penisrekonstruktion ermöglicht den Patienten die Miktion im Stehen ohne Zuhilfenahme von Miktionshilfen und durch eine spätere prothetische Versorgung die Aufrechterhaltung des Geschlechtsverkehrs.

Obwohl die aufgezeigte Fallzahl aufgrund der geringen Inzidenz von totalen oder tiefen partiellen Penektomien gering erscheinen mag, möchten wir dennoch auf diese wertvolle und für die Patienten mit einer deutlichen Aufwertung ihrer Lebensqualität einhergehenden Möglichkeit der Phallusrekonstruktion hinweisen, die den Betroffenen angeboten werden kann. Sie sollte allerdings gerade aufgrund der geringen Inzidenz und der daraus resultierenden niedrigen Fallzahlen an einem versierten plastisch-rekonstruktiven Zentrum erfolgen (3).

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0011

Dr. med. Gabriel Djedovic

Klinik für Plastische und Ästhetische, Wiederherstellungs- und Handchirurgie,

AGAPLESION Markus Krankenhaus, Frankfurt am Main

gabriel.djedovic@me.com

Prof. Dr. med. Michael Sohn

Klinik für Urologie,

AGAPLESION Markus Krankenhaus, Frankfurt am Main

Prof. Dr. Dr. med. habil. Ulrich M. Rieger

Klinik für Plastische und Ästhetische, Wiederherstellungs- und Handchirurgie

AGAPLESION Markus Krankenhaus, Frankfurt am Main

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Die Autoren des Beitrags haben auf ein Schlusswort verzichtet.

1.
Hakenberg OW, Dräger DL, Erbersdobler A, Naumann CM, Jünemann KP, Protzel C: The diagnosis and treatment of penile cancer. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 646–52 VOLLTEXT
2.
Romero FR, Romero KRPDS, Mattos MAE de, Garcia CRC, Fernandes R de C, Perez MDC: Sexual function after partial penectomy for penile cancer. Urology 2005; 66: 1292–5 CrossRef MEDLINE
3.
Sohn M, Dietrich M, Wirthmann A, Rieger UM: [Reconstructive surgery in penile cancer]. Urologe A 2018; 57: 428–34. CrossRef MEDLINE
1.Hakenberg OW, Dräger DL, Erbersdobler A, Naumann CM, Jünemann KP, Protzel C: The diagnosis and treatment of penile cancer. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 646–52 VOLLTEXT
2.Romero FR, Romero KRPDS, Mattos MAE de, Garcia CRC, Fernandes R de C, Perez MDC: Sexual function after partial penectomy for penile cancer. Urology 2005; 66: 1292–5 CrossRef MEDLINE
3. Sohn M, Dietrich M, Wirthmann A, Rieger UM: [Reconstructive surgery in penile cancer]. Urologe A 2018; 57: 428–34. CrossRef MEDLINE

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