ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2019Metastasiertes kolorektales Karzinom: Aflibercept für alle Subgruppen

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Metastasiertes kolorektales Karzinom: Aflibercept für alle Subgruppen

Dtsch Arztebl 2019; 116(1-2): A-32

Siegmund-Schultze, Nicola

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Die Angiogenesehemmung ist ein effektives Therapieprinzip bei Darmkrebs. Das Fusionsprotein Aflibercept wirkt auch nach anti-angiogenetischer Vortherapie, unabhängig vom RAS/BRAF-Status.

Die Neuerkrankungsrate an kolorektalen Karzinomen geht in Deutschland zurück, dennoch sind es die dritthäufigsten Malignome bei Männern (nach Prostata- und Lungenkrebs) und die zweithäufigsten bei der Frau (nach Brustkrebs). Für 2018 wird mit 58 900 Darmkrebs-Diagnosen gerechnet (1). Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten liegen bei circa 62 %.

Fernmetastasen sind häufig

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Trotz effektiver Primärtherapie und Fortschritten in der adjuvanten Behandlung treten bei etwa 35–45 % der Patienten Fernmetastasen auf (2). Systemische Behandlungen nach Versagen einer Erstlinientherapie werden beim metastasierten kolorektalen Karzinom (mCRC) vom Therapieziel und vom RAS-Status bestimmt, wobei die Vortherapien berücksichtigt werden, erläuterte Prof. Dr. med. Sebastian Stintzig, Medizinische Klinik der Universität München in Wien. Für Patienten mit RAS-Wildtyp-Tumoren seien Kombination aus EGFR-Antikörpern plus Chemotherapie Optionen, außerdem die Angiogenesehemmung.

Für die 3 beim mCRC zugelassenen Angiogenesehemmer Aflibercept, Ramucirumab und Bevacizumab sei nachgewiesen, dass sie in der Zweitlinientherapie das Gesamtüberleben der Patienten signifikant verlängern, so Stintzig mit Bezug auf die entsprechenden Studien (35). Patientenpopulationen und Design seien allerdings in den Phase-3-Studien mit den Angiogenesehemmern sehr unterschiedlich.

Für Patienten, die unter Oxaliplatin-basierter Chemotherapie (FOLFOX) einen Rückfall hatten, belegen die Daten der randomisierten, placebokontrollierten VELOUR-Studie, dass die Kombination aus FOLFIRI (5-Fluoruracil, Folinsäure, Irinotecan) plus Aflibercept in der Zweitlinie das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben signifikant verbessert (3). Aflibercept ist ein rekombinantes Fusionsprotein, das an drei für die Angiogenese relevante Proteine bindet: an den vascular endothelial growth factor VEGF-A und -B und an den plazentaren Wachstumsfaktor PIGF.

Circa ein Drittel der insgesamt 1 226 Teilnehmer der Zulassungsstudie VELOUR waren mit Bevacizumab vorbehandelt, berichtete Stintzig. Die Patienten wurden in eine Gruppe randomisiert, die FOLFIRI plus Placebo erhielt (n = 614), und in eine zweite Gruppe, die FOLFIRI plus Aflibercept bekam (n = 612), jeweils alle 2 Wochen bis zum Progress. Das progressionsfreie Überleben betrug unter der Kombinationstherapie median 6,9 Monate und in der Placebogruppe 4,67 Monate (p < 0,001). Das Gesamtüberleben lag bei median 13,5 Monaten im Kombinationsarm und bei median 12,6 Monaten unter Placebo (p < 0,0032). „Für Aflibercept ist damit nicht nur ein statistisch signifikanter Vorteil, sondern vor allem auch ein klinisch relevanter Überlebensbenefit in der Zweitlinientherapie belegt“, sagte Stintzig.

Einen Vorteil für Aflibercept gab es in allen Subgruppen, vor allem auch bei Patienten mit frühem Rückfall unter FOLFOX plus Bevacizumab. Das Gesamtüberleben betrug bei Placebotherapie in dieser Gruppe median 11,66 Monate und 13,80 Monate mit der Kombination FOLFIRI plus Aflibercept (Δ 2,14 Monate). Möglicherweise lassen sich durch den dreifachen anti-angiogenen Wirkansatz Resistenzen gegenüber einer anti-angiogenen Vortherapie überwinden, so Prof. Dr. med Thomas Ettrich vom Universitätsklinikum Ulm.

Retrospektive Biomarkeranalysen bei Patienten aus der VELOUR-Studie ergaben außerdem keine signifikanten Wirksamkeitsunterschiede in Abhängigkeit vom RAS- und BRAF-Status oder der primären Tumorlokalisation (links-/rechtsseitig; [6]), berichtete Ettrich. Besonders bedeutsam sei dies für Patienten mit BRAF-mutierten Tumoren, da sie meist aggressiv wachsen und es nur wenige Therapieoptionen gibt.

Die Kombination Aflibercept/FOLFIRI ist bei Patienten mit mCRC nach Oxaliplatin-Versagen in der Praxis gut zu handhaben, sagte Stintzig. Das belege auch die nichtinterventionelle Studie QoLiTrap, die die krankheitsbezogene Lebensqualität, die Effektivität und die Sicherheit evaluierte (7).

Lebensqualität bleibt stabil

Die Krankheitskontrollrate lag in der Gesamtpopulation bei 73 % – unabhängig davon, welchen Antikörper die Patienten im Rahmen der Vorbehandlung erhalten hatten (8). Die Lebensqualität wurde durch die Behandlung nicht wesentlich beeinträchtigt. „Diese ‚reallife‘-Daten unterstreichen die Bedeutung von Aflibercept in der Zweitlinientherapie des mCRC“, sagte Stintzig. „Die Lebensqualität bleibt stabil.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Quelle: „Aktuelle Behandlungsstrategien beim mCRC und mCRPC“. Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) in Wien. Veranstalter: Sanofi Genzyme

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit0119
oder über QR-Code.

1.
Krebs in Deutschland; Zentrum für Krebsregisterdaten, GEKID. Robert Koch-Institut Berlin 2017
2.
Onkopedia Leitlinien kolorektales Karzinom. www.onkopedia.com
3.
Van Cutsem E, Tabernero J, Lakomy R,et al.: J Clin Oncol 2012; 30: 3499–3506 CrossRef CrossRef CrossRef CrossRef
4.
Tabernero J, et al.: Lancet Oncol 2015; 16: 499–508 CrossRef CrossRef
5.
Bennouna J, et al.: Lancet Oncol 2013; 14: 29–37 CrossRef
6.
Wirapati P, et al.: J Clin Oncol 2017; 35 (suppl ASCO 2017) Abstr. 3538.
7.
Scholten F, et al.: Oncol Res Treat 2017; 40: P578.
1. Krebs in Deutschland; Zentrum für Krebsregisterdaten, GEKID. Robert Koch-Institut Berlin 2017
2. Onkopedia Leitlinien kolorektales Karzinom. www.onkopedia.com
3.Van Cutsem E, Tabernero J, Lakomy R,et al.: J Clin Oncol 2012; 30: 3499–3506 CrossRef CrossRef CrossRef CrossRef
4. Tabernero J, et al.: Lancet Oncol 2015; 16: 499–508 CrossRef CrossRef
5. Bennouna J, et al.: Lancet Oncol 2013; 14: 29–37 CrossRef
6. Wirapati P, et al.: J Clin Oncol 2017; 35 (suppl ASCO 2017) Abstr. 3538.
7.Scholten F, et al.: Oncol Res Treat 2017; 40: P578.

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