ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2019Hormonabhängige Tumoren: Okkulte Neoplasien des Endometriums nach bariatrischem Eingriff zurückgebildet

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hormonabhängige Tumoren: Okkulte Neoplasien des Endometriums nach bariatrischem Eingriff zurückgebildet

Dtsch Arztebl 2019; 116(1-2): A-30 / B-26 / C-26

Meyer, Rüdiger

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Foto: Science Photo Library/ Delong, Garry
Foto: Science Photo Library/ Delong, Garry

In westlichen Ländern gehören Uteruskarzinome zu den häufigsten Tumoren der Frau. Mit jährlich circa 10 700 Neuerkrankungen stehen sie in Deutschland auf Platz 4 der Malignome bei Frauen (1). Histologisch sind Uteruskarzinome meist endometriale Adenokarzinome und circa 80 % von ihnen sind hormonabhängig (1).

Übergewicht hat generell Bedeutung für die Entstehung von hormonabhängigen Tumoren. Für das Endometriumkarzinom hatten britische Forscher in einer Metaanalyse gefunden, dass der Body-Mass-Index (BMI) stärker mit dem Auftreten von Endometriumkarzinomen assoziiert ist als Dauer und Intensität einer Hormonersatztherapie mit Östrogenen. Mit jedem Anstieg des BMI um 5 kg/m2 erhöhte sich das Risiko um 60 % (Risk Ratio: 1,60; [2]). Circa 40 % aller Endometriumkarzinome werden auf eine Adipositas zurückgeführt.

Chirurgen an der Universitätsklinik im britischen Manchester entschieden wegen dieses Zusammenhangs bei 72 Frauen, die mit einem BMI von 46,8 bis 56,9 kg/m2 als „super-adipös“ eingestuft wurden, während einer bariatrischen Operation auch die Uterusschleimhaut zu untersuchen (3). Bei 10 Patientinnen wurde eine Neoplasie diagnostiziert: bei 4 Frauen ein Endometriumkarzinom und bei 6 eine atypische endometriale Hyperplasie. 

Bei den 4 Frauen mit Endometriumkarzinom erfolgte sofort eine Hysterektomie. Bei den 6 Frauen mit atypischer endometrialer Hyperplasie wurde nach 2 Monaten eine Nachuntersuchung durchgeführt. Bei 3 der 6 Frauen war die Läsion komplett abgeheilt, sie benötigten keine weitere Behandlung. Die übrigen 3 Frauen erhielten eine Hormonspirale, die kontinuierlich Progesteron freisetzt. Bei 2 der 3 Frauen waren die Läsionen nach 6 Monaten komplett abgeheilt. Bei der 3. Frau erfolgte eine Hysterektomie.

Die 5 Frauen, die ihren Uterus behalten hatten, wurden in den folgenden 4 Jahren alle 6 Monate nachuntersucht. Zum Zeitpunkt der Datenanalyse war es nur bei einer Patientin zu einem Rezidiv der atypischen endometrialen Hyperplasie gekommen.

Die 62 Frauen, die (noch) keine Hyperplasie entwickelt hatten, wiesen teilweise andere Veränderungen auf, die das Risiko auf ein späteres Endometriumkarzinom erhöhen. Dazu gehörten eine vermehrte Expression der Proliferationsmarker Ki-67, pAKT und PTEN und die vermehrte Bildung von Rezeptoren für Östrogene und Progesteron, die ein Tumorwachstum fördern können. Auch diese Veränderungen entwickelten sich nach der Operation wieder zurück. 

Fazit: Eine bariatrische Operation ist nicht nur die derzeit effektivste Methode zur Gewichtsreduktion bei Adipositas, sie könnte auch vor der Entwicklung des Endometriumkarzinoms schützen.

Rüdiger Meyer

  1. Krebs in Deutschland; Robert Koch-Institut Berlin 2017
  2. Crosbie EJ, Zwahlen M, Kitchener HC, et al.: Body mass index, hormone replacement therapy, and endometrial cancer risk: a meta-analysis. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2010; 19: 3119–30.
  3. MacKintosh ML, Derbyshire AE, McVey RJ, et al.: The impact of obesity and bariatric surgery on circulating and tissue biomarkers of endometrial cancer risk. Int J Cancer 2018; 9999: DOI: 10.1002/ijc.31913

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