ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2019E-Rezept: Hase vor Schlange
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... Prof. Lauterbach meint, der Einsatz der digitalen Rezepte werde „die medizinische Versorgung verbessern und könnte die Kosten senken“. Belege hierzu werden keine vorgelegt und ähnlich wie bei Trump wird eine solche Behauptung einfach in die Welt gesetzt und bleibt als Tatsache bestehen, obwohl doch wohl auch in den Bereich der Fake News gehörend.

Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, wie durch die Digitalisierung von Rezepten irgendetwas verbessert oder Kosten eingespart werden können (Letzteres höchstens, wenn den Krankenkassen noch mehr Einfluss erlaubt wird als bisher). Als Arzt werde ich weiterhin die Rezepte schreiben, an irgendetwas schicken (heute mein Drucker, morgen eine Cloud), was habe ich davon?

Glauben Sie nicht, dass es langsam an der Zeit ist, aufzuhören um dieses goldene Kalb zu tanzen? Natürlich ist die Digitalisierung, vernünftig eingesetzt, eine Möglichkeit, Wissen zu multiplizieren und zu ergänzen. Aber meine Hauptinstrumente werden auch in Zukunft meine Hände, Augen und Ohren sein. Und das, was zwischen meinen Ohren sitzt, wird mir helfen, den Patienten als Arzt anzuhören, zu untersuchen und zu behandeln. Wenn die Digitalisierung hier hilft, habe ich nichts dagegen.

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Der Eingriff in mein Handeln und die Zusammenarbeit mit dem Patienten wird aber durch die Digitalisierung, wie sie geplant ist, völlig untergraben. Dazu kommt, dass die ewige Formel von der Sicherheit der Daten doch auch Fake News ist. Neben jedem Artikel, der diese Sicherheit beschreit, steht doch schon einer, der wieder davon berichtet, welche Datenbank mal wieder gehackt wurde.

Wir sitzen vor der Digitalisierung wie der Hase vor der Schlange, vielleicht wird es mal langsam Zeit, wach zu werden und sich nicht immer von der Zukunftsgläubigkeit von interessierten Kreisen vor sich her treiben zu lassen!

Dr. med. O. Löwenstein, 55116 Mainz

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