ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2019Morbus Alzheimer: Optische Kohärenzangiografie des Augenhintergrunds zeigt Frühzeichen an

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Morbus Alzheimer: Optische Kohärenzangiografie des Augenhintergrunds zeigt Frühzeichen an

Dtsch Arztebl 2019; 116(1-2): A-31 / B-27 / C-27

Gerste, Ronald D.

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Foto: Sebastian Kaulitzki/ stock.adobe.com
Foto: Sebastian Kaulitzki/ stock.adobe.com

Seit Langem schon sucht man nach Frühzeichen der Alzheimer-Krankheit, die deutlich vor den ersten kognitiven Symptomen auftreten und möglichst wenig invasiv dargestellt werden können, um die derart als gefährdet erkannten Personen ggf. einer gezielten Betreuung zuführen zu können. Die typischen Erscheinungen der Alzheimer-Erkrankung wie der progressive Gedächtnisverlust und Verhaltensänderungen treten meist erst auf, wenn bereits massive neuronale Zelluntergänge eingetreten sind. Der Nachweis bestimmter Veränderungen im Gehirn zu einem früheren Zeitpunkt wie die sogenannten Amyloid-Beta-Aggregate und Plaques mit Bildgebungen wie der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) sind sehr aufwendig und für eine breite Anwendung zu teuer. Beides gilt nicht für die Untersuchung der direkt darstellbaren und messbaren retinalen Gefäße.

Bereits im vergangenen Jahr hatte eine deutsche Studiengruppe erstmals bei Alzheimer-Patienten ein verändertes Verhalten der kleinen Netzhautarterien und -venen auf eine Stimulation (Flickerlicht) während der dynamischen retinalen Gefäßanalyse beschrieben. Jetzt haben Wissenschaftler der Washington University in St. Louis von morphologischen Veränderungen im Alzheimer-Frühstadium berichtet, die mit der OCT-Angiografie (OCT-A), einer modernen Bildgebung des Augenhintergrundes, darstellbar sind (OCT steht für Optische Kohärenztomografie).

Bei 14 von 30 Teilnehmern der Studie waren typische Alzheimer-Biomarker positiv, sie galten damit als Alzheimer-Patienten im präklinischen Stadium. Die anderen 16 Personen – das Durchschnittsalter des Gesamtkollektivs lag bei circa 75 Jahren – waren die Kontrollgruppe, bei der mit einer Untersuchung mit dem OCT-A Parameter ermittelt wurden wie retinale Nervenfaserschichtdicke, Dicke der Ganglienzellschicht und der inneren und äußeren Fovea, Makulavolumen, Dichte der retinalen Blutgefäße sowie Ausdehnung der fovealen avaskulären Zone.

Bei der Auswertung der Befunde zeigten die präklinischen Alzheimer-Patienten 2 konsistente Abweichungen von der Bildgebung der Kontrollgruppe: Die foveale avaskuläre Zone (FAZ) war mit durchschnittlich 0,364 mm2 gegenüber 0,275 mm2 deutlich vergrößert, die innere Foveadicke mit 66,0 µm im Vergleich zu 75,4 µm signifikant geringer – beides spricht für Anomalitäten der retinalen Mikrogefäße und Alterationen der Foveaarchitektur in einem Anfangsstadium des Morbus Alzheimer.

Fazit: „Obwohl es sich um Daten einer sehr kleinen Stichprobe handelt und große Vorsicht in Bezug auf Spezifität und Kausalzusammenhang angebracht sind, besticht die Technik gegenüber aufwendigen und teuren Verfahren mittels PET und Liquoranalysen durch ihre geringe Invasivität“, erklärt Prof. Dr. Focke Ziemssen, stellvertretender Direktor der Tübinger Universitätsaugenklinik. „Selbst wenn es sich nur um Sekundärphänomene handeln sollte oder mit der mikrovaskulären Schädigung lediglich eine Subgruppe repräsentiert wird, hat die OCT-Methode großes Potenzial, Veränderungen des ektodermalen Gewebes, also auch Atrophie innerhalb des ZNS zu monitorieren.“

Dr. med. Ronald D. Gerste

O’Bryhim BE, Apte RS, Kung N, et al.: Association of preclinical Alzheimer disease with optical coherence tomographic angiography findings. JAMA Ophthalmol 2018, 36:1242–1248.

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