ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2019Verfahrensvielfalt: Trotzdem Beachtung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Dem Deutschen Ärzteblatt PP ist es zu danken, über eine Petition zur Verfahrensvielfalt im Studiengang Psychologie zu berichten, die von einer Gruppe von Psychologie-Studierenden (Interessengemeinschaft Psychoanalyse an Universitäten, IDPAU e.V.) beim Petitionsausschuss des Bundestages eingereicht wurde. Die Petition kritisiert grundlegend die einseitig an der Verhaltenstherapie orientierte Lehre im Studiengang Psychologie. Studierende haben demnach keine Chance, im Studiengang Psychologie fachlich qualifiziert über tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie informiert zu werden, was die Entscheidung für das Vertiefungsgebiet einer postgradualen psychotherapeutischen Ausbildung einseitig beeinflusst. Für die Ausbildungsreform wird gefordert, diesen Missstand zu überwinden und alle in der Versorgung vertretenen Psychotherapieverfahren fachkundig in einem Approbationsstudium zu lehren sowie eine entsprechende Ermächtigung der Hochschulambulanzen vorzusehen. Der gute Bericht zur Petition der Studierenden im Ärzteblatt PP steht leider unter einer unglücklich gewählten Überschrift, ist doch vom „Scheitern“ der Petition die Rede, was nun wirklich nicht zutrifft. Nicht erreicht wurde lediglich das sogenannte Quorum von 50 000 Mitzeichnern, das eine öffentliche Beratung im Petitionsausschuss erforderlich macht. Das ist aber für die Wirkung einer Petition nicht entscheidend. Eine weit geringere Zahl von Mitzeichnern kann bereits politisches Handeln auslösen, was am Beispiel des Modellstudiengangs Psychopharmakotherapie im Arbeitsentwurf des Reformgesetzes deutlich wurde. So hatte Dr. Gruhl, Staatsrat der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg, Anfang des Jahres bekannt gemacht, dass eine Petition von angestellten Psychologischen Psychotherapeuten, die den Erwerb der Verordnungskompetenz für Psychopharmakotherapie fordert, mit 3 000 Mitzeichnern zu einem entsprechenden Passus im Arbeitsentwurf des Reformgesetzes beigetragen hat.

Es ist sehr zu hoffen, dass die jetzt von mehr als 4 700 Mitzeichnern getragene Petition der Psychologie-Studierenden in der Politik die notwendige Beachtung findet. Bereits die Annahme der Petition durch den Petitionsausschuss veranlasst eine Stellungnahme des zuständigen Fachministeriums (hier des BMG) zum Anliegen der Petenten. Der Petitionsausschuss berät (nicht öffentlich) das Anliegen der Petition unter Berücksichtigung der Stellungnahme des Ministeriums und gibt ggf. eine Beschlussempfehlung an den Deutschen Bundestag. Der Interessengemeinschaft der Studierenden ist es sehr zu danken, dass sie dieses wichtige Thema öffentlich gemacht hat und eine so große Zahl an Mitzeichnern der Petition mobilisieren konnte.

Dipl.-Psych. Georg Schäfer, 53115 Bonn

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema