ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2019Borderlinestörungen: (Zu) nah an der Sicht der Betroffenen

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Borderlinestörungen: (Zu) nah an der Sicht der Betroffenen

PP 18, Ausgabe Januar 2019, Seite 41

Köhler, Miriam

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War der erste Ratgeber der Autorinnen Betroffenen von Depressionen gewidmet, wird im vorliegenden Folgeband die Borderline-Persönlichkeitsstörung in den Fokus gerückt. Der 445-seitige Ratgeber macht es sich zur Aufgabe, nicht über Betroffene zu schreiben, sondern mit ihnen gemeinsam das Symptombild Borderline erfahrbar zu machen. „Damit ihr wisst, wie ich mich fühle“ lautet der gut gewählte Untertitel, denn das Buch bietet eine Vielzahl von Zitaten und Interviewausschnitten, um dem Leser die Innenwelt der Betroffenen näherzubringen. Zeichnungen von Betroffenen ergänzen die Schilderungen eindrucksvoll und verdeutlichen den Leidensdruck, zeigen aber auch die Möglichkeit eines kreativen Umgangs damit auf.

Der erste Teil des Buches widmet sich dem Leben mit einer Border-
lineerkrankung aus Betroffenensicht, während im Folgendem als mögliche Ursache für die Erkrankung Kindheitstraumata thematisiert werden. Das Kapitel über Therapiemöglichkeiten klärt breit gefächert über die verschiedenen hilfreichen Therapiemethoden auf und das Für und Wider von Selbsthilfe(gruppen) wird kritisch beleuchtet. Die Empfehlungen für Betroffene und Angehörige sind alltagsnah beschrieben und gut umzusetzen. Zum Abschluss wird ein Einblick in das Leben mit multipler Persönlichkeitsstörung ermöglicht. Die Orientierung im Ratgeber wird erleichtert durch eine farblich abgesetzte Strukturierung und verschiedene Icons, die Hinweise zum Beispiel auf Gesprächsausschnitte, Beispiele aus Filmen, Literaturzitate oder Empfehlungen geben.

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Die große Stärke des Buches – nah an der Sicht der Betroffenen zu bleiben – ist gleichzeitig auch seine Schwäche, denn es hat den Anschein, dass es den Autorinnen nicht gelingt, eine selbstfürsorgliche emotionale Distanz aufrechtzuerhalten. Insbesondere in Hinblick auf die beschriebenen Suizidgedanken und -versuche sowie selbstverletzendes Verhalten wird auf Leserseite der Wunsch nach einem Schutz vor Überflutung durch die Vielzahl der geschilderten selbstdestruktiven Impulse spürbar. An dieser Stelle wäre für den Leser eine wiederkehrende Betrachtung der Symptomatik aus einer Metaperspektive hilfreich, um für sich die subjektive Sicht der Betroffenen besser einordnen zu können. Möglicherweise wurde zugunsten der Schilderung der Vielfältigkeit und der mit enormem Leidensdruck verbundenen Symptomatik auf einen therapeutischen, neutraleren Blickwinkel verzichtet. Positiv hervorzuheben ist, dass die Beschwerden der Betroffenen nicht tabuisiert werden und auch schambehafteten Themen Raum gegeben wird. Miriam Köhler

Sandra Maxeiner, Hedda Rühle: Dr. Psych’s Ratgeber Borderline. Mit einem Beitrag zur Multiplen Persönlichkeit. „Damit ihr wisst, wie ich mich fühle“. Was Betroffene und Angehörige wissen sollten. Jerry Media Verlag, Zürich 2018, 450 Seiten, kartoniert, 24,95 Euro

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