ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2019Effektivere Therapie zur Anwendung bringen
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Die Begrenzung der Literaturanalyse auf nichtoperative Behandlungsformen (1) blendet die effektivste Therapie, nämlich die Adipositaschirurgie und metabolische Chirurgie, aus. Diese Blickeinengung ist wissenschaftlich nicht gerechtfertigt, schließlich ist die Chirurgie bei Adipositas und bei Diabetes mellitus Typ2 von der S3-Leitlinie längst akzeptiert (2).

15 randomisierte Studien zu Modifikationen von Verhalten, Ernährung und körperlicher Aktivität sowie pharmazeutische Ansätze wurden in die Metaanalyse aufgenommen. Der mittlere Bauchumfang, ein Maß für die viszerale Adipositas, konnte gerade einmal um 2,65 cm auf 100,05 cm verringert werden, und selbst nach kombinierten Lebensstilinterventionen betrug der Rückgang nur 4,11 cm. Solch ein Behandlungsergebnis als moderat zu bezeichnen, ist schlichtweg euphemistisch in Anbetracht der festgelegten Grenzwerte. Das Erreichte ist in den meisten Fällen klinisch irrelevant, zudem regelhaft nicht von Dauer und rechtfertigt damit nicht den enormen Ressourcenverbrauch.

Zugegeben: Die Prävention wäre die einzige Lösung für diese chronische Erkrankung. Die alleinige konservative Adipositasmedizin scheitert nachgewiesenermaßen in der jetzigen Form bei den allermeisten Patienten. Im Praxisalltag werden die Therapieziele – in der S3-Leitlinie als dauerhafter Gewichtsverlust > 15 % (20 %) kg/m² bei einem BMI > 35 (40) kg/m² definiert – nur ausnahmsweise erreicht.

Folgerichtig muss eine neue, andere, effektivere Therapie zur Anwendung kommen, und das ist nach dem aktuellen Wissensstand die Kombination mit chirurgischen Verfahren. Die Aussichtslosigkeit konservativer Methoden wird in der Leitlinie mittlerweile bei einem BMI > 50 kg/m² eingestanden. Dann wird nämlich die „primäre Operationsindikation“ empfohlen.

Die Optimierung der Adipositasbehandlung erfordert einen Paradigmenwechsel: frühe Chirurgie und intensivierte konservative Behandlung danach. Dafür muss die strukturierte Langzeitbetreuung – vergütungsrelevant – zu den niedergelassenen Ärzten zurückkehren.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0039c

Prof. Dr. med. Norbert Runkel

Klinik für Adipositaschirurgie und metabolische Chirurgie

Exzellenzzentrum, Sana Klinikum Offenbach

Norbert.Runkel@sana.de

Dr. med. Sonja Chiappetta

Prof. Dr. med. Rudolf Weiner

1.
Kesztyüs D, Erhardt J, Schönsteiner D, Kesztyüs T: Treatment
options for abdominal obesity in adults—a meta-analysis and systematic review of randomized controlled trials. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 487–93 VOLLTEXT
2.
S3-Leitlinie: Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen. www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/088-001l_S3_Chirurgie-Adipositas-metabolische-Erkrankugen_2018-02.pdf (last accessed on 10 October 2018).
1.Kesztyüs D, Erhardt J, Schönsteiner D, Kesztyüs T: Treatment
options for abdominal obesity in adults—a meta-analysis and systematic review of randomized controlled trials. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 487–93 VOLLTEXT
2.S3-Leitlinie: Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen. www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/088-001l_S3_Chirurgie-Adipositas-metabolische-Erkrankugen_2018-02.pdf (last accessed on 10 October 2018).

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