ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2019Sport und Altern: Ausdauertraining hält die Zellen eher jung als Kraftsport

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Sport und Altern: Ausdauertraining hält die Zellen eher jung als Kraftsport

Dtsch Arztebl 2019; 116(3): A-89 / B-75 / C-75

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: kynesher iStock
Foto: kynesher iStock

Regelmäßige körperliche Bewegung verbessert die Gesundheit auf vielfältige Art und Weise: Endothelfunktionen werden günstig beeinflusst, Insulin-Empfindlichkeit, Funktionen des peripheren und zentralen Nervensystems, Blutdruck, Fettstoffwechsel und das inflammatorische System. Die Alterung der Blutgefäße ist mit endothelialer Dysfunktion und arteriosklerotischen Veränderungen assoziiert. Ein biologischer Schlüsselprozess der Alterung ist eine Verkürzung der Telomere, repetitiven Sequenzen am Ende der Chromosomen, die unterhalb einer kritischen Länge die Replikation verhindern oder den programmierten Zelltod auslösen. Aus mehreren Untersuchungen gibt es Hinweise, dass moderate körperliche Aktivität die Ausbildung eines Telomere-protektiven Phänotpys fördert, allerdings bislang ohne prospektive Studien. Diese Fragestellung hat ein Forscherteam mehrerer deutscher Universitätskliniken in einer kontrollierten, randomisierten klinischen Studie untersucht (1).

124 gesunde, aber körperlich vergleichsweise inaktive Erwachsene im Durchschnittsalter von 50 Jahren und zu 2 Dritteln weiblich wurden in 4 Gruppen randomisiert. Die Kontrollgruppe (n = 35) setzte ihren inaktiven Lebensstil für weitere 26 Wochen fort. Die 2. Gruppe (n = 26) absolvierte 3-mal/Woche je 45 Minuten Ausdauertraining auf dem Laufband mit einer Belastung von 60 % der Herzfrequenzreserve. Die 3. Gruppe (n = 29) machte ein auf Ausdauer angelegtes Intervalltraining (4 x 4 Minuten nach der Norweger-Methode). Die 4. Gruppe (n = 34) trainierte an 3 Tagen pro Woche an 8 typischen Krafttrainingsgeräten.

Vor Studienbeginn und am Ende nach 6 Monaten erfolgten Belastungstests und Blutentnahmen zur Bestimmung der Telomeraseaktivität an CD14- und CD34-positiven Leukozyten.

Die maximale Sauerstoffkapazität nahm in allen 3 Trainingsgruppen in vergleichbarem Maße zu, nämlich um 2,7–3 ml/min/kg. In der Kontrollgruppe reduzierte sie sich um 1 ml/min/kg. Auch die maximale Laufgeschwindigkeit, ein Indikator für die maximale körperliche Belastungsfähigkeit, stieg in allen Interventionsgruppen an, es gab also einen Trainingseffekt.

Statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Interventionsgruppen wiesen die Forscher aber auf zellulärer Ebene nach: Bei Ausdauertraining nahmen die Telomeraseaktivität und die Länge der Telomere zu, und zwar nach jeder Trainingseinheit für 24 Stunden. Dieser Effekt wurde bei Kraftsport nicht beobachtet, und auch in der Kontrollgruppe gab es keine relevanten Änderungen.

Fazit: Ausdauertraining hält die Zellen eher jung als Kraftsport, zumindest, wenn die Länge der Telomere als Indikator für das Altern dient. „Die Studiergebnisse belegen, dass durch gezieltes Training ein Vorsorgeeffekt erzielt werden kann“, resümiert Prof. Dr. med. Ulrich Laufs, Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig, federführend für die Studie (2). Vor allem die kardiovaskuläre Zellalterung könne günstig beeinflusst werden. Auch könnte auf der Basis von Telomer-abhängigen Parametern die zelluläre Antwort auf Training gemessen und gesteuert werden. Patienten lasse sich auf Grundlage dieser Daten für die Herzgesundheit raten: „Krafttraining kann eine Ergänzung zum Ausdauertraining sein, aber kein Ersatz.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Werner CM, Hecksteden A, Morsch A, et al.: Differential effects of endurance, interval and resistance training on telomerase activity and telomere length in a randomized, controlled study. European Heart Journal 2018; doi:10.1093/eurheartj/ehy585.
  2. Pressemitteilung des Universitätsklinikums Leipzig.

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