ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2019Richard Toellner †: Medizinhistoriker und Förderer der Ethik in der Medizin

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Richard Toellner †: Medizinhistoriker und Förderer der Ethik in der Medizin

Dtsch Arztebl 2019; 116(3): A-95 / B-79 / C-79

Wiesing, Urban

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Richard Toellner, Foto: Archiv
Richard Toellner, Foto: Archiv

Am 2. Januar 2019, an seinem 89. Geburtag, ist Prof. Dr. med. Richard Toellner gestorben. Bis zur Emeritierung 1995 war er langjähriger Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte und Theorie der Medizin an der Universität Münster, zuvor an der Freien Universität Berlin. Toellner hat Medizin und evangelische Theologie studiert. Wissenschaftlich hat er insbesondere über das Werk Albrecht von Hallers und die Medizin der Neuzeit gearbeitet. Er forschte zudem über die medizintheoretischen Aspekte der ärztlichen Tätigkeit. Ihm war daran gelegen, mit seinen Arbeiten den Blick auf die Gegenwart der Medizin zu lenken. Er gehörte zu jenen Medizinhistorikern in Deutschland, die die Ethik in der Medizin förderten, nicht zuletzt mit Blick auf die Medizin im Nationalsozialismus. In seiner Festrede auf dem Deutschen Ärztetag 1989 kritisierte er die Politik vieler Standesvertreter, das schuldhafte Verhalten einzig den „nur 350“ schwarzen Schafen unter den Ärzten zuzuweisen. Deutlich trug er dort die Erkenntnis der Medizinhistoriografie vor, dass die Ärzteschaft als Profession im Nationalsozialismus versagt habe.

Toellner war maßgeblich an der Gründung der Ethikkommission an seiner Fakultät und Ärztekammer sowie des Arbeitskreises medizinischer Ethikkommissionen beteiligt. Er war als tief gläubiger Christ Familiare der Gemeinschaft evangelischer Zisterzienser im Kloster Amelungsborn. Medizingeschichte und Medizintheorie verlieren einen bedeutenden Vertreter und originellen Gelehrten mit eigenständigem Profil. Urban Wiesing

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