ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2019Patientensteuerung: Ankerzentren für Patienten
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Die Pläne des Bundesministers für Gesundheit, Jens Spahn, sind abenteuerlich. ...

In einem Kabinettsentwurf für ein Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) sollen Regelungen für eine gestufte und gesteuerte Versorgung für die Psychotherapie einschließlich der Anforderungen an die Qualifikation der für die Behandlungssteuerung verantwortlichen Vertragsärzte und Psychologischen Psychotherapeuten beschlossen werden. Es sollen quasi zentralisierte Ankerzentren für psychisch Kranke geschaffen werden. Deren Aufgabe ist die Prüfung der Indikation sowie Dringlichkeit der Behandlung psychisch Kranker und die Zwangsregulierung sowie Vorselektion des Zugangs zur Psychotherapie. Es kommt zu einer Rationierung und Priorisierung der Psychotherapie. Die Vorselektion bedeutet eine Diskriminierung psychisch Kranker.

Die vorgeschalteten Ankerzentren stellen eine unnötige Hürde vor einer Psychotherapie dar. Die Patienten müssen sich verstellen, um nicht „ausgesondert“ zu werden. Außerdem müssen sie sich gegenüber den vorselektierenden Vertragsärzten und Psychologischen Psychotherapeuten, die die ambulante Psychotherapie später nicht übernehmen werden, offenbaren und „psychisch ausziehen“. Nur die „Fittesten“ der psychisch Kranken werden diesen Hürden- und Spießrutenlauf überstehen und zu der begehrten psychotherapeutischen Behandlung kommen. Die schwerer psychisch Kranken bleiben dabei auf der Strecke. Durch die Vorselektion wird der tatsächliche Bedarf an Psychotherapie heruntergerechnet mit Auswirken auf die psychotherapeutische Bedarfsplanung.

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Der Direktzugang zur ambulanten Psychotherapie und die freie Psychotherapeutenwahl werden abgeschafft. Die Freiberuflichkeit der ärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten wird missachtet. Durch den massiven staatlichen Eingriff wird die ärztliche Selbstverwaltung ausgehöhlt.

Dr. med. Martin Daigger, 26127 Oldenburg

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