ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2019Kurzsichtigkeit: Eine Myopie plus Astigmatismus lässt sich mit Femtosekundenlaser gut korrigieren

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kurzsichtigkeit: Eine Myopie plus Astigmatismus lässt sich mit Femtosekundenlaser gut korrigieren

Dtsch Arztebl 2019; 116(3): A-88 / B-74 / C-74

Gerste, Ronald D.

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Foto: picture alliance
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Der Femtosekundenlaser ist eine vergleichsweise neue Technologie, für dessen Erforschung der Nobelpreis für Physik 2018 vergeben worden ist. Dabei wurde auf die besondere Bedeutung für die Medizin hingewiesen. Ein Anwendungsbereich, aus dem jetzt neue Studiendaten vorliegen, ist die Refraktive Chirurgie und dabei vor allem die Therapie der Myopie.

Unter lokaler Betäubung präpariert der Ophthalmologe mit dem Femtosekundenlaser ein kleines, linsenförmiges Scheibchen von Hornhautgewebe frei und entfernt es durch eine minimale, ebenfalls vom Laser vorgenommene Inzision am Hornhautrand (Small Incision Lenticule Extraction; SMILE). Im Gegensatz zur weitverbreiteten Methode Lasik bleiben die oberen Hornhautschichten und die Hornhautnerven unberührt. Damit kann die häufigste Nebenwirkung der Lasik, eine Desensibilisierung der Hornhaut und Symptome des Trockenen Auges, in vielen Fällen vermieden oder gemildert werden.

Ein Team von Ophthalmologen aus Münster und Bochum hat nun eine Studie mit 206 Augen publiziert, bei denen die Kurzsichtigkeit zusammen mit Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) vorlag. Astigmatismus ist ein Brechungsfehler des Auges, der schwieriger zu korrigieren ist als die Myopie.

Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat SMILE bislang nur bei Astigmatismen bis zu –0,5 Zylinderdioptrien die Zulassung erteilt. Die Patienten in der neuen deutschen Studie hatten einen deutlich höheren Astigmatismus: zwischen –1,0 und –3,0 Dioptrien (D), im Durchschnitt waren es –1,52 D.

Die Kurzsichtigkeit der operierten Augen lag präoperativ bei durchschnittlich –5,45 D (–1,25 bis –11,38 D). Nach 3 Monaten war die Fehlsichtigkeit deutlich reduziert oder weitgehend eliminiert: Die operierten Augen hatten durchschnittlich nur noch ein Refraktionsdefizit von –0,07 D und einen minimalen Rest-Astigmatismus von durchschnittlich –0,38 D. Der Rest-Astigmatismus lag bei 88 % < 0,5 D und bei allen Patienten < 1 Dioptrie.

Die Patienten hatten nach 3 Monaten einen besten unkorrigierten Fernvisus von durchschnittlich 1,13, also ein exzellentes Sehen in der Ferne. Einen Visusrückgang (bestkorrigierte Sehschärfe) von 1 Zeile auf üblichen Sehtesttafeln verzeichneten 11,7 % und von 2 Zeilen 2,9 %. Über ein leichtes postoperatives Schleiersehen berichteten 9,2 % der Patienten.

Fazit: „Diese Studie belegt zweifelsfrei, dass die Small Incision Lenticule Extraktion zumindest bei der Korrektur von Myopie und myopem Astigmatismus zu einer Routinemethode geworden ist“, erläutert Prof. Dr. med. Walter Sekundo, Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Marburg. „Die Ergebnisse sind denen der älteren, refraktiven Operationen wie Lasik oder Femtolasik ebenbürtig und vor allem bei Korrekturen stärkerer Abweichungen überlegen, während der minimal-invasive Zugang eine attraktive Option darstellt.“

Dr. med. Ronald D. Gerste

Taneri S, Kießler S, Rost A, et al.: Small-incision lenticule extraction for the correction of myopic astigmatism. J Cataract Refract Surg 2018; doi: 10.1016/j.jcrs.2018.08.030.

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