ArchivDeutsches Ärzteblatt50/1999Abrechnung: Verschlüsselungspflicht von Diagnosen

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Abrechnung: Verschlüsselungspflicht von Diagnosen

Dtsch Arztebl 1999; 96(50): A-3238 / B-2724 / C-2412

Brenner, Gerhard

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Ab 1. Januar 2000 gilt für Vertragsärzte und Krankenhäuser die ICD-10.
ertragsärzte und Krankenhäuser müssen nach den §§ 295 und 301 Sozialgesetzbuch V (SGB V) die Diagnosen auf den Abrechnungsunterlagen und den Arbeits­unfähigkeits­bescheinigungen nach den Schlüsselnummern der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) verschlüsseln.
Mit Bekanntmachung im "Bundesanzeiger" vom 8. Juli 1999 hat das Bundesministerium für Gesundheit als Grundlage für die Verschlüsselung die ICD-10-SGB V in Kraft gesetzt. Die Verpflichtung zur Verschlüsselung der Diagnosen durch Vertragsärzte und Krankenhäuser tritt mit Wirkung vom 1. Januar 2000 in Kraft. Die ICD-10-SGB V ist eine Überarbeitung der ICD-10 der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) durch die Spitzenverbände der Krankenkassen, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V., die im Jahr 1996/1997 zur Anpassung an die Rahmenbedingungen der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung in Deutschland vorgenommen wurde.
Die wesentlichen Überarbeitungen:
- Ausgliederung der vierstelligen Schlüsselnummern von Diagnosen, die in Deutschland praktisch kaum vorkommen, in einen Anhang,
- Streichung des Kapitels XX "Äußere Ursachen von Morbidität und Mortalität" bis auf wenige Ausnahmen (Informationen, die hauptsächlich für die Unfallversicherungsträger notwendig sind),
- Kürzung des Kapitels XXI "Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme von Gesundheitseinrichtungen führen" (hier handelt es sich in der Regel nicht um Diagnosen),
- typographische Hervorhebung des sogenannten Minimalstandards. Dies sind Diagnosen, die insbesondere als ausreichend für die Diagnosenverschlüsselung in der hausärztlichen Versorgung erachtet werden.
- Einführung von Zusatzkennzeichen für die Diagnosensicherheit (V = Verdacht, A = Ausschluß, Z = Zustand nach) und die Seitenlokalisation (R = rechts, L = links, B = beiderseits).
Dateien der ICD-10-SGB V-Version stehen unter www.dimdi.de als Down-load zur Verfügung. Die Buchausgabe wurde inzwischen von drei Verlagen herausgegeben.
Werkzeug für die Praxis
Ergänzend zur offiziellen ICD-10-SGB V-Version wird mit dem vom Zentralinstitut (ZI), Köln, und vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Informationen (DIMDI) vorgelegten ICD-10Diagnosenthesaurus ein Instrument bereitgestellt, das die Verschlüsselung von Diagnosen in der Arztpraxis und im Krankenhaus erleichtern soll. Mit dem ICD-10-Diagnosenthesaurus erhalten Ärzte ein praktikables Verschlüsselungsinstrument, das sich am medizinischen Sprachgebrauch orientiert und dem Arzt die Sicherheit gibt, daß die Zuordnung der Krankheitsbegriffe zu den offiziellen Schlüsselnummern der ICD-10-SGB V sachgerecht vorgenommen worden ist.
In der neuen Version 3.0 (Stand: Januar 2000) umfaßt der Diagnosenthesaurus rund 58 000 Diagnosentexte in der Buchversion (einschließlich Permutierungen) und rund 31 000 Diagnosentexte in der Softwareversion (ohne Permutierungen). Die Entwicklung des Diagnosenthesaurus wurde im Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland begonnen; sie entsprach dem oft geäußerten Wunsch der Ärzte nach einem alphabetischen Verzeichnis der im deutschen Sprachraum verwendeten Krankheitsbegriffe.
Für eine gemeinfreie Herausgabe des ICD-10-Diagnosenthesaurus hat das Zentralinstitut die Nutzungsrechte auf das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information übertragen. Die neue Version 3.0 des Diagnosenthesaurus wird seit 1999 im Auftrage des DIMDI durch eine Projektgruppe beim Zentralin-stitut unter der wissenschaftlichen Leitung des Zentrums der Medizinischen Informatik des Klinikums der Universität Frankfurt/Main weiterentwickelt. Der ICD-10-Diagnosenthesaurus steht unter www.dimdi.de als Down-load zur Verfügung (PDF- und TXTDatei). Der Diagnosenthesaurus ist auch auf der Webseite des Zentralinstituts unter www.zi-koeln.de zu finden.
Im vertragsärztlichen Bereich wurde in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt in zwei abgeschlossenen Modellversuchen zur ICD-10 bereits im Jahr 1997 dieser Diagnosenthesaurus in seiner Ursprungsversion erfolgreich getestet. Im Anhang dieses Werkes sind zusätzliche Hinweise zur Diagnosenverschlüsselung abgedruckt, die dem Leser die Zusammenhänge zwischen dem ICD-10-Diagnosenthesaurus und den Verschlüsselungsanforderungen nach der ICD-10-SGB V-Version verdeutlichen. Darüber hinaus sind im ZI fachgruppenspezifische Diagnosenkataloge für die größten Fachgruppen unter Mitwirkung der jeweiligen Berufsverbände erarbeitet worden. Leitidee der Fachgruppenkataloge war, aus den verschiedenen Kapiteln des Gesamtwerks der ICD-10 die Diagnosen herauszusuchen, die voraussichtlich das Diagnosenspektrum der jeweiligen Fachgruppe bestimmen. Die Auswahl der Diagnosen ist ein Vorschlag, der durch individuelle Erfahrungen in der jeweiligen Arztpraxis ergänzt werden kann. Die Diagnosenauswahl soll insbesondere dem manuell verschlüsselnden Arzt die Verschlüsselungsarbeit erleichtern. Ergänzend zu den Fachgruppenkatalogen wird für die größten Fachgruppen eine Zusammenstellung ("Hitliste") der am häufigsten abgerechneten Diagnosen vorgenommen. Diese Liste ist eine empirische Analyse aus Abrechnungsdiagnosen eines Panels in der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein im 3. Quartal 1998. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat den Softwarehäusern am 15. November 1999 eine CD-ROM mit der ICD-10 SGB V und dem ICD-10-Diagnosenthesaurus zur Integration in die Praxisverwaltungssysteme zur Verfügung gestellt. Verschiedene Verlage geben diese Werke auch in Buchform heraus. Dr. rer. pol. Gerhard Brenner
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