ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2019Hygiene- und Infektionsmanagement: Vorbereitung auf die Einrichtungsbefragung

MANAGEMENT

Hygiene- und Infektionsmanagement: Vorbereitung auf die Einrichtungsbefragung

Dtsch Arztebl 2019; 116(4): A-158 / B-134 / C-134

Friedemann, Corinna; Kahl, Kristin

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Noch bis zum 28. Februar 2019 haben Ärztinnen und Ärzte Zeit, ihr einrichtungsbezogenes Hygiene- und Infektionsmanagement zu dokumentieren und einzureichen. Hinweise, was zu beachten ist sowie Hilfestellung bietet die Kassenärztliche Bundesvereinigung.

Foto: hin255/stock.adobe.com
Foto: hin255/stock.adobe.com

Mehr als 24 Millionen ambulante und stationäre Operationen jährlich werden in Deutschland erbracht. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2015. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts beträgt die Prävalenz aller Patientinnen und Patienten mit nosokomialen Infektionen 4,99 Prozent. Dabei stellen die postoperativen Wundinfektionen mit etwa 25 Prozent die häufigste Art der nosokomialen Infektionen dar. Bezogen auf die in Deutschland durchgeführten Operationen ereignen sich somit pro Jahr über 250 000 postoperative Wundinfektionen. Um das Risiko einer postoperativen Wundinfektion zu minimieren, gibt es seit dem 1. Januar 2017 ein neues sektorenübergreifendes Qualitätssicherungsverfahren (sQS) in Praxen und Kliniken, in denen operative Leistungen erbracht werden. Einbezogen sind dabei die Fachgruppen Chirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie, Gynäkologie und Urologie.

Anzeige

Orientierung am Zwei-Säulen-Prinzip

Dieses zweite sektorenübergreifende Verfahren fußt auf zwei Säulen. Zum einen werden postoperative Wundinfektionen, die zur stationären Aufnahme geführt haben, im Krankenhaus erfasst. Durch eine Verknüpfung dieser Daten mit Sozialdaten, die den Krankenkassen vorliegen, ist es möglich, diese Wundinfektionen zurückzuverfolgen und festzustellen, wo der ambulante oder stationäre Eingriff erfolgt ist.

Zum anderen beantworten operierende Ärztinnen und Ärzte in Praxen, Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und Krankenhäusern jährlich Fragen zum Hygiene- und Infektionsmanagement ihrer Einrichtung. Im Zentrum der Befragung stehen typische Hygienethemen, mit denen sich chirurgisch tätige Ärzte regelhaft befassen. Dazu gehören beispielsweise ein praxisindividueller Hygieneplan, die korrekte Aufbereitung von Sterilgut sowie regelmäßige Fortbildungen der ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Themenbereichen Hygiene und rationale Antibiotikatherapie. Die Fragen beziehen sich immer auf das einrichtungsbezogene Hygiene- und Infektionsmanagement des vorangegangenen Jahres. Daher sollten sich die beteiligten Ärzte bereits im Vorfeld mit den Inhalten der Einrichtungsbefragung befassen.

Um die betroffenen Ärzte bestmöglich zu informieren und auf die knapp 100 Fragen zum Hygiene- und Infektionsmanagement der Einrichtungsbefragung 2018 vorzubereiten, stellen die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) auf ihren Internetseiten Informations- und Schulungsangebote zur Verfügung.

Überblick über sQS-Verfahren verschaffen

Eine erste Empfehlung lautet, sich in Vorbereitung auf die Befragung zunächst einen Überblick zum sQS-Verfahren Wundinfektion zu verschaffen. Weiterführende Informationen wie beispielsweise einen FAQ-Bogen, Praxisinformationen und einen Leitfaden zum Webportal finden Ärzte auf der Themenseite der KBV zum sQS-Verfahren.

Des Weiteren stellt die Körperschaft auf ihrer Webseite einen Fragebogen zur einrichtungsbezogenen Dokumentation zur Verfügung, der vom Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) für dieses sQS-Verfahren entwickelt wurde. Praxisinhaberinnen und -inhaber sollte sich anschließend mit der webbasierten Ausfüllhilfe zur Einrichtungsbefragung beschäftigen. Diese wurde in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Hygiene und Medizinprodukte der KVen und der KBV entwickelt und enthält Erläuterungen, Musterdokumente und Linktipps. Um die Fragen leichter beantworten zu können, sind sie in Zuordnung zu dem jeweiligen Qualitätsindikator gesetzt. Die Erläuterungstexte wurden größtenteils dem Fragebogen des IQTIG entnommen und bündeln die Informationen an einer Stelle. Es wird empfohlen, die Musterdokumente auf die individuellen Praxisgegebenheiten anzupassen. Dabei können laut KBV einzelne Passagen konkretisiert, ergänzt oder gegebenenfalls gelöscht werden. Es sollten jedoch alle Anforderungen der Einrichtungsbefragung abgedeckt sein.

Die KBV empfiehlt weiter, das jeweilige Hygiene- und Infektionsmanagement in das interne Qualitätsmanagement zu integrieren. So könnten Doppelstrukturen vermieden werden.

Darüber hinaus finden Ärzte auf dem Fortbildungsportal im sicheren Netz der KVen kostenfrei vier zertifizierte Fortbildungen zur Antibiotikaresistenzlage und -therapie für die Facharztgruppen Chirurgie, Gynäkologie, Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Urologie. Diese Onlinefortbildungen wurden mit jeweils drei CME-Punkten zertifiziert. Die Teilnahme an einer solchen Fortbildung gehört ebenfalls zu den Vorgaben aus der Einrichtungsbefragung. Ein weiteres Fortbildungsangebot zum Themenfeld Hygiene, welches das Angebot auf der KBV-Webseite ergänzen soll, ist derzeit in Planung.

Hygienemanagement ist Teamaufgabe

Hygiene- und Infektionsschutz sind essenziell, um postoperative Wundinfektionen zu vermeiden. Das Spektrum der erforderlichen Maßnahmen und Verpflichtungen hierfür ist vielfältig. Neben dem Online-Tool „Mein PraxisCheck“ (siehe Kasten) bietet die KBV weitere Informationen und Musterdokumente, beispielsweise für einen Hygieneplan. Ärzte sind dazu angehalten, sich gegenseitig zur gewissenhaften Umsetzung solcher schriftlich vereinbarten Vorgehensweisen zu motivieren. Darunter fallen üblicherweise die Händehygiene, die Wundbehandlung einschließlich des Verbandswechsels und die Gabe perioperativer Antibiotika. Unabhängig von jährlichen Unterweisungen sollten diese Aspekte in regelmäßigen Abständen in Teambesprechungen aufgegriffen werden. Darüber hinaus bieten sich anlassbezogene Überprüfungen der Compliance mit Hygieneplänen, Arbeitsanweisungen und leitlinienbasierten Empfehlungen beziehungsweise internen Leitlinien oder Standards im Themenfeld an. Corinna Friedemann,

Kristin Kahl

Feststellung des Status quo

Das Kompetenzzentrum Hygiene und Medizinprodukte der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hat einen Erhebungsbogen entwickelt, mit dessen Hilfe sich Praxisinhaberinnen und -inhaber einen Überblick über den Umsetzungsstand von Hygienemaßnahmen in der eigenen Einrichtung verschaffen können. Der Erhebungsbogen beinhaltet Aussagen zu verschiedenen hygienerelevanten Aspekten, die jeweils mit ja, nein oder teilweise bewertet werden. So können Ärztinnen und Ärzte den Istzustand ihrer Praxis in Bezug auf die Etablierung von Hygienestandards selbst bewerten.

Der Dokumentationsbogen ist in vier Themenbereiche strukturiert, wobei sich die Beantwortung am jeweiligen Leistungsspektrum der Praxis orientiert und nicht Zutreffendes ignoriert werden kann.

http://daebl.de/CX78

Um Vertragsärzte flankierend auf die stattfindende Befragung vorzubereiten, wurde das Serviceangebot „Mein PraxisCheck“ um das Thema „Prävention Wundinfektionen“ erweitert. In dem anonymen und kostenfreien Onlineselbsttest sind die wesentlichen Kriterien der Einrichtungsbefragung integriert. Die Teilnehmenden erhalten einen Überblick, wie gut die eigene Praxis ist, eine Auswertung in Form eines PDF-Dokuments mit Tipps und weiterführenden Informationen sowie eine Übersicht, wie die eigene Praxis im Vergleich zu den anderen Teilnehmenden abgeschnitten hat. Der Aufbau ist so, dass auch operativ tätige Vertragsärzte, die nicht an der Einrichtungsbefragung teilnehmen müssen, von diesem Selbsttest profitieren können. Die Ergebnisse können der Weiterentwicklung des internen Qualitätsmanagements dienen.

www.kbv.de/html/30364.php

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.