ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2019Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung: Ärzte lehnen Reform ab

POLITIK

Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung: Ärzte lehnen Reform ab

Dtsch Arztebl 2019; 116(4): A-130 / B-112 / C-112

Bühring, Petra

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Die Bundes­ärzte­kammer lehnt den Referentenentwurf für eine Ausbildungsreform der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium ab. Sie befürchtet eine Verschlechterung der Versorgung psychisch Kranker.

Sehr zügig im neuen Jahr hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn einen Referentenentwurf für ein Psycho­therapeuten­ausbildungs­reform­gesetz (PsychThGAusbRefG) vorgelegt. Der Arbeitsentwurf hierzu war bereits seit Juli 2017 auf dem Tisch. Während die Bundes­psycho­therapeuten­kammer mit der grundsätzlichen Linie des Gesetzes konform ist, lehnt die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) den Referentenentwurf strikt ab. „Der Entwurf verfehlt völlig das Ziel einer verbesserten Ausbildung in diesem wichtigen Versorgungsbereich. Vielmehr führt er zu einer Gefährdung der Patientinnen und Patienten“, heißt es aus der BÄK. Menschen mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen dürften nicht aus dem medizinischen Versorgungssystem ausgegliedert werden. Die vorgeschlagene Ausbildungsreform der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten aber würde unweigerlich zu getrennten Versorgungsbereichen führen, kritisiert die BÄK.

Fünfjähriges Hochschulstudium der Psychotherapie

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 Kernstück des Referentenentwurfes aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) vom 4. Januar ist ein fünfjähriges Hochschulstudium der Psychotherapie, das aus einem dreijährigen Bachelorstudium und einem darauf aufbauenden zweijährigen Masterstudiengang besteht. Die Approbation mittels einer staatlichen Prüfung soll künftig bereits nach dem Psychotherapiestudium erworben werden können. Für den Erwerb des Fachkundenachweises, der für die Eintragung in das Arztregister und die Zulassung zur psychotherapeutischen Versorgung gesetzlich Krankenversicherter Voraussetzung ist, ist die anschließende Weiterbildung erforderlich. Diese soll im stationären Bereich im Rahmen eines vergüteten Angestelltenverhältnisses erfolgen, heißt es im Referentenentwurf. In der Weiterbildung sollen Schwerpunkte in der Behandlung von Erwachsenen beziehungsweise Kindern und Jugendlichen gesetzt werden und eine vertiefte Qualifizierung in einem wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren erfolgen.

Anstatt auf eine ganzheitliche Behandlung komplexer Krankheitsbilder hinzuwirken, bedrohe die Reform eine individuelle, somatische wie psychische Aspekte integrierende Versorgung der Patienten, erklärt die BÄK: „Diese Reform führt damit zu einer Verschlechterung der Patientenversorgung.“

Während im Arbeitsentwurf des PsychThGAusbRefG die Berufsbezeichnung noch ausgeklammert worden war, hat sich das BMG nun für den Begriff „Psychotherapeutin/Psychotherapeut“ entschieden: „Weil künftig das Psychologiestudium nicht mehr Voraussetzung für die Erteilung der Approbation ist, ist der Zusatz ‚psychologisch‘ nicht mehr passend“, heißt es in der Begründung. Ärztinnen und Ärzte, die überwiegend oder ausschließlich psychotherapeutisch arbeiten, sollen den Zusatz „ärztlich“ führen können.

Für die BÄK ist die vorgesehene Berufsbezeichnung Psychotherapeut indes eine „Mogelpackung“. „Dadurch werden Patienten in die Irre geführt. Man kann nicht einen Behandlungsansatz zu einem Beruf erheben und darüber hinwegtäuschen, dass auch Ärzte als hoch qualifizierte Psychotherapeuten tätig sind“, heißt es in der Kritik. Mit der vorgesehenen Bezeichnung werde Patienten „vorgegaukelt“, sie erhielten auf Basis höherer Qualifikation psychotherapeutische Verfahren. Das sei politisch, vor allem aber medizinisch nicht zu verantworten. Die jeweilige fachliche Expertise sowie deren Grenzen müssten klar erkennbar bleiben.

BMG will Modellstudiengang Psychopharmakologie

 Das BMG sieht darüber hinaus mit dem Entwurf die Möglichkeit von Modellstudiengängen vor, mit dem Ziel, „die Kompetenzen zur Feststellung, Verordnung und Überprüfung von psychopharmakologischen Maßnahmen zu erweitern. Dies erfolgte allerdings gegen das Votum des 32. Deutschen Psychotherapeutentages im Mai 2018, der sich gegen die Einführung eines solchen Modellstudienganges ausgesprochen hatte.

Aus gutem Grund sei die Verordnung von Arzneimitteln allein Ärzten vorbehalten, erklärt die BÄK. Denn eine sichere und schonende Anwendung von Psychopharmaka sei nur auf der Grundlage eines Medizinstudiums möglich. „Eine Verordnung durch Nicht-Ärzte gefährdet die Sicherheit der Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung besonders zu schützen sind, in ganz erheblichem Maße.“

Die Bundes­ärzte­kammer fordert das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium deshalb auf, den Referentenentwurf umfassend in ihrem Sinne zu überarbeiten. Eine ausführliche Stellungnahme soll bis zum 30. Januar vorliegen. Diesen Termin hat das BMG Kammern sowie Berufs- und Fachverbänden für eine Einschätzung des Gesetzentwurfes gesetzt. Petra Bühring

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