ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2019Studie: Arbeit in der Freizeit belastet Partnerschaft

ÄRZTESTELLEN: Kurz notiert

Studie: Arbeit in der Freizeit belastet Partnerschaft

Dtsch Arztebl 2019; 116(4): [4]

Glöser, Sabine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: motortion/stock.adobe.com
Foto: motortion/stock.adobe.com

Wer nach Feierabend oder am Wochenende für seinen Arbeitgeber erreichbar ist, belastet oft Partnerschaft und Familienleben. Denn dieses Verhalten wirkt sich offenbar auch auf die Zufriedenheit des Partners aus. Jedenfalls ergab das eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Sie beruht auf den Angaben von 790 Paaren, von denen jeweils beide im Jahr 2016 berufstätig waren.

Den Ergebnissen zufolge sind 36 Prozent der leitenden Angestellten in ihrer Freizeit mit arbeitsbezogenen E-Mails oder Anrufen befasst. Unter den einfachen Arbeitern sind es 38 Prozent. In beiden Gruppen gaben 18 Prozent an, sie müssten nach Feierabend verfügbar sein oder sie fühlten sich zumindest dazu verpflichtet. Wer in seiner Freizeit arbeitete, ist demnach vor allem dann unzufrieden, wenn er das Gefühl hat, er müsse erreichbar sein. Auf einer Skala von 0 bis 10 für die Zufriedenheit mit der eigenen Work-Life-Balance erreichen diese Beschäftigten nur einen Wert von 5,08. Jene, die in der Freizeit grundsätzlich keinen Kontakt mit ihrem Unternehmen haben, liegen dagegen bei 6,25.

Anzeige

„Das Gefühl, nie ganz abschalten zu dürfen, stellt also eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität dar“, sagte Studien-Autorin Dr. Yvonne Lott. Beschäftigte, die nach Feierabend berufliche Nachrichten checken, aber meinen, dies nicht tun zu müssen, liegen mit einem Zufriedenheitswert von 6,11 näher an jenen, die keinen Kontakt zur Arbeit haben. Die Gesundheitsforschung bezeichne dieses Verhalten als „interessierte Selbstgefährdung“. Betroffene hätten vor allem ihren beruflichen Erfolg im Blick, merkten aber nicht, dass ihr Verhalten ihre Gesundheit belasten kann.

Hingegen ist es für den Partner oder die Partnerin völlig egal, warum die oder der andere E-Mails beantwortet und Anrufe entgegennimmt. Der Analyse zufolge senkt allein die Tatsache, dass er oder sie in der Freizeit arbeitet, die Zufriedenheit mit der eigenen Work-Life-Balance. Für Lott ist das ein deutliches Indiz dafür, dass mobile Arbeit in der Freizeit die Partnerschaft belasten kann. sg

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.