ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2019Kinderrechte: Defensive Geburtsmedizin
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Der Stellenwert medizinischer Versorgung von Kindern und Jugendlichen hat so hohen Stellenwert, dass die Aufnahme ins Grundgesetz keiner Diskussion bedarf. Es gibt aber eine Kindergruppe mit kaum eigenen Rechten, die besonders profitieren würde: jene mit Zeugung mittels artifizieller Reproduktionsmedizintechnik (ART). Diese haben im Kindes- und Jugendalter bis ins Erwachsenenalter andauernd mit gesundheitlichen Risiken zu rechnen, die ein Mehrfaches höher sind als bei jenen nach Spontankonzeption Geborener.

Nach 40 Jahren ART und 8 Millionen so Geborenen wurde beim diesjährigen DGGG-Kongress (Berlin 31. Oktober bis 3. November 2018) das Problem thematisiert. Das missachtete längerfristige Wohl von ART- Kindern hätte wissenschaftlich bereits vor 20 Jahren interessieren müssen. Ohne Kinderrechte im Grundgesetz konnte 40 Jahre abgewartet werden. Der BGH wird vor allem dann aktiv, wenn gegen das Grundgesetz verstoßen wird.

In Berlin wurden biologische Risikoursachen aufgeführt, wie fehlender Gelbkörper, bei ART vernachlässigt. Das bewirke nach Adjustierung auf mütterliches Alter und Co-Morbiditäten mehr vaskuläre Probleme. Eine Studie vom Universitäts- Spital Bern konnte das 2017 quantifizieren: um den Faktor 7 häufiger behandlungsbedürftiger Hochdruck im Kindesalter nach ART als nach Spontankonzeption. Das bedeutet deutlich reduzierte Lebenserwartung. Eine andere Studie stellte 2,5-fach häufigere Krebserkrankungen fest.

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Beim DGGG-Kongress wurde im Abschlussvortrag postuliert: über 15 % Sectio-Frequenz sei ohne Nutzen. Dazu eine Studie aus Dänemark (3) (Sectio- Rate wie bei uns). Bereits Apgar 7 bis 8 bewirke Verhaltensstörungen. Absenken der Sectio-Rate auf unter 15 % würde gegen Kinderrechte im Grundgesetz verstoßen.

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. J. M. Wenderlein, 89075 Ulm

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