ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2019Mögliche Arzneimittelinteraktionen vergessen
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Den Autoren ist für die gelungene, sehr praxisorientierte und ausgewogene evidenzbasierte Darstellung zu danken (1). Im Abschnitt Pharmakotherapie wird darauf verwiesen, dass Kalziumkanalblocker vom Dihydropyridintyp prinzipiell mit allen anderen Erstlinien-Antihypertensiva kombiniert werden können. Dem ist vorbehaltlos zuzustimmen, auch wenn die Entwicklung peripherer Ödeme eine häufige, jedoch dosisabhängige Nebenwirkung (2) darstellt. Nach Erwähnung der möglichen Nebenwirkungsqualität Obstipation, bei älteren und immobilen Patienten, weisen die Autoren nach unserer Ansicht zu wenig differenziert auf mögliche Arzneimittelinteraktionen durch Kalziumkanalblocker hin. Um möglichen Irritationen der Leser zu begegnen, sei aus klinisch-pharmakologischer Sicht betont, dass Arzneimittelinteraktionen durch Hemmung des Cytochrom-P450-3A4 für den Typ Dihydropyridine klinisch kaum relevant sind, sondern ausschließlich für Kalziumkanalblocker des Verapamil-/Diltiazem-Typs bekannt sind. Diese besitzen in der Regelversorgung der Hypertonie kaum einen Stellenwert mehr. Für die in Tabelle 2 genannten Antihypertensiva des Dihydropyridintyps muss jedoch im Fall von Amlodipin auf eine klinisch relevante Interaktion mit Simvastatin hingewiesen werden, die in der häufigen Mehrfachmedikation zur Behandlung der Komorbidität Dyslipidämie eine Rolle spielt. Beide Wirkstoffe werden in Darm und Leber hauptsächlich vom Cytochrom-P450-3A4/5 metabolisiert. Dies führt dosisabhängig zu einer Substratkonkurrenz an diesem Isoenzym mit der Folge, dass Amlodipin den normalerweise sehr stark ausgeprägten First-Pass-Metabolismus von Simvastatin vermindert, was zu einer erhöhten Statinkonzentration im Plasma führt (3). Diese ist wiederum mit einem höheren Myopathierisiko assoziiert (4), weshalb die meisten Fachinformationen eine Simvastatin-Maximaldosis von 20 mg pro Tag festlegen, wenn gleichzeitig Amlodipin eingenommen wird.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0071c

PD Dr. med. Ralf Regenthal

Selbstständige Abteilung Klinische Pharmakologie, Rudolf-Boehm-Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Medizinische Fakultät der Universität Leipzig

ralf.regenthal@medizin.uni-leipzig.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Jordan J, Kurschat C, Reuter H: Arterial hypertension – diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 557–68 VOLLTEXT
2.
Law MR, Wald NJ, Morris JK, et al.: Value of low dose combination treatment with blood pressure lowering drugs: analysis of 354 randomised trials. BMJ 2003; 326: 1427–34 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Son H, Lee D, Lin LA, et al.: Development of a pharmacokinetic interaction model for co-administration of simvastatin and amlodipine. Drug Metab Pharmacokinet 2014; 29: 120–8 CrossRef MEDLINE
4.
Thompson PD, Clarkson P, Karas RH. Statin-associated myopathy. JAMA 2003; 289: 1681–90 CrossRef MEDLINE
1.Jordan J, Kurschat C, Reuter H: Arterial hypertension – diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 557–68 VOLLTEXT
2.Law MR, Wald NJ, Morris JK, et al.: Value of low dose combination treatment with blood pressure lowering drugs: analysis of 354 randomised trials. BMJ 2003; 326: 1427–34 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Son H, Lee D, Lin LA, et al.: Development of a pharmacokinetic interaction model for co-administration of simvastatin and amlodipine. Drug Metab Pharmacokinet 2014; 29: 120–8 CrossRef MEDLINE
4.Thompson PD, Clarkson P, Karas RH. Statin-associated myopathy. JAMA 2003; 289: 1681–90 CrossRef MEDLINE

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