ArchivDeutsches Ärzteblatt4/1996Antivirale Therapie bei AIDS: Dreierkombination zeigt beste Response

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Antivirale Therapie bei AIDS: Dreierkombination zeigt beste Response

Moosmann, B.

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LNSLNSLNSLNS HIV-Infizierte sollten nicht mehr allein mit einem Nukleosidanalogon, sondern kombiniert behandelt werden. Nach den bei der 5. Europäischen Konferenz über klinische Aspekte und die Behandlung der AIDSInfektion in Kopenhagen vorgestellten europäischen und amerikanischen Studien (Delta und AZTG 175) gilt die kombinierte Gabe von Zidovudin (AZT) und Didanosin (ddl) bzw. Zalcitabin (ddC) als Standard.

Vergleichbare Studien
Die Therapie ist bei noch asymptomatischen Patienten anzustreben, deren CD4-Zellzahlen auf niedrige Werte von weniger als 500 pro Milliliter Blut absinken. Die Delta-Studie, zu der Zentren aus mehreren europäischen Ländern sowie Australien und Neuseeland beitrugen und die insgesamt mehr als 3 300 Patienten berücksichtigte, ergab eine um 38 Prozent höhere Überlebenschance für die bereits initial kombiniert behandelten Patienten. Die Progression hin zur Entwicklung von AIDS-Symptomen ist deutlich verlangsamt. Vergleichbares ergab die in Amerika durchgeführte ACTG-175-Studie, in die insgesamt knapp 2 500 Patienten eingeschlossen waren. In beiden Untersuchungen wurden die Wirkungen der verschiedenen Kombinationstherapien sowie der AZTMonotherapie (in Delta zusätzlich einer ddl-Monotherapie) in AZT-vorbehandelten und nicht AZTvorbehandelten Patienten verglichen. Dabei wurde deutlich, daß bereits über längere Zeit hinweg mit AZT Vorbehandelte weniger eindrucksvoll von der Kombination profitieren konnten als diejenigen, welche vor Beginn der Studie noch nie AZT erhalten hatten. Dies scheint dagegen nicht der Fall zu sein, wenn AZTVorbehandelte mit einer Dreifach-Kombination aus den Nukleosidanaloga AZT und Zalcitabin (ddC) sowie dem Proteinasehemmer Saquinavir weiter therapiert werden. Darauf verwies Dr. Stefano Vella (Rom) bei einem Satellitensymposium von Roche in Kopenhagen anhand der Ergebnisse der in Amerika durchgeführten ACTG-229-Studie.
Die mit der genannten Dreifachkombination behandelten Patienten hatten mit 69 Prozent die höchste Responserate, den höchsten Anstieg an CD4-Zellzahlen und gleichzeitig eine maximale Minderung der HIVReplikationsrate. In ACTG 229 waren knapp 300 HIV-Infizierte integriert, die im Mittel über zwei Jahre mit einer AZT-Monotherapie vorbehandelt waren. Sie hatten CD4-Helferzellzahlen zwischen 50 und 300/mm3.

Effekt hält längere Zeit an
Nach Abschluß der halbjährigen Behandlung mit der Dreierkombination zeigte sich in einer Beobachtungszeit von weiteren 24 Wochen, daß der ursprüngliche Therapieeffekt auch für längere Zeit anhielt. Als optimal erwies sich dabei laut Vella eine Dosis von dreimal täglich 600 mg Saquinavir zusammen mit dreimal täglich 200 mg AZT und 0,75 mg ddC.
Die Dreierkombination, die laut Vella die Wirkung der Zweifachkombination von Nukleosidanaloga weiter verbessert, wurde zum Kongreßzeitpunkt noch in einer internationalen Phase-III-Studie (SV-14604) mit 3 000 nicht vorbehandelten Patienten geprüft. Verglichen werden sollten darin die Effekte von AZT plus ddC plus Saquinavir, AZT plus Saquinavir, AZT plus ddC und AZT-Monotherapie. Wie Hoffmann-La Roche (Grenzach-Wyh-len) jedoch kürzlich mitteilte, wurde das Studiendesign mittlerweile aufgrund der in Kopenhagen präsentierten Ergebnisse aus Delta und ACTG 175 geändert. Die bislang mit AZT-Monotherapie behandelten Patienten aus der Studie SV-14604 erhalten fortan die Dreifachkombination AZT plus ddC plus Saquinavir.
In einer eigenen, in Italien durchgeführten Multizenterstudie konnte Vella zeigen, daß Saquinavir bereits zu einer Reduktion der Resistenzrate beiträgt, wenn es in einer Zweierkombination mit AZT gegeben wird. Dabei bleiben die HI-Viren länger gegenüber AZT sensitiv.
Der Proteinasehemmer Saquinavir greift an einem weiteren entscheidenden Punkt in die Virusentwicklung ein. Da das Virusgenom zunächst in Vielfachproteinen exprimiert wird, müssen diese mit Hilfe der viruseigenen Proteinase in die entsprechenden Struktur- und Funktionsproteine zurechtgeschnitten werden. Wird die Proteinase gehemmt, entstehen unreife HI-Viren, die nicht infektiös sind.
Elisabeth B. Moosmann

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